Marokko / Affäre Jane Benzaquen: Die „versteckte Tochter“ des verstorbenen marokkanischen Königs Hassan II. verlegt ihren juristischen Kampf in die USA

Marokko / Affäre Jane Benzaquen: Die „versteckte Tochter“ des verstorbenen marokkanischen Königs Hassan II. verlegt ihren juristischen Kampf in die USA

Nach mehreren Rückschlägen vor der belgischen Justiz hat Jane Benzaquen, eine belgisch-israelische Staatsbürgerin, die behauptet, die geheime Tochter von König Hassan II. zu sein, nun die amerikanische Justiz angerufen. Ihr Ziel: Zugang zu sensiblen Dokumenten über den ehemaligen marokkanischen Monarchen zu erhalten. Ein neuer Schritt in einer explosiven Affäre, in der Markko seinerseits sie wegen Betrugs und Urkundenfälschung verfolgt.

Jane Benzaquen, 1953 unter dem Namen Jane Jossart geboren, wuchs in Belgien auf. In ihrer Geburtsurkunde ist Raoul Jossart als ihr rechtlicher Vater eingetragen. Doch seit Jahren behauptet sie, die biologische Tochter von Hassan II. zu sein – aus einer Beziehung zwischen dem jungen Kronprinzen Moulay Hassan und ihrer Mutter, Freha „Anita“ Benzaquen, einer jüdisch-marokkanischen Drehbuchautorin, die später in Belgien lebte.

Nach ihrer Darstellung dauerte diese Beziehung Anfang der 1950er Jahre an, also noch vor dem Thronantritt Hassan II. Als Belege führt Jane Benzaquen mehrere DNA-Tests an, die jede Verwandtschaft mit Raoul Jossart ausschließen und ein genetisches Profil nordafrikanischer und nahöstlicher Herkunft ergeben – nicht jedoch westeuropäischer. Diese Ergebnisse stützen die Idee eines nicht-belgischen Vaters, beweisen jedoch selbstverständlich nicht direkt eine Abstammung vom verstorbenen marokkanischen König.

Ein belgisches Verfahren unter diplomatischer Hochspannung
2019 zog sie vor die belgische Justiz, um die Vaterschaft von Jossart anzufechten. 2021 erkannte das Familiengericht an, dass dieser nicht ihr biologischer Vater ist, und erlaubte ihr, den Namen Benzaquen zu tragen. Damit wurde der Weg frei für ein Verfahren zur „Vaterschaftsfeststellung“, das sich ausdrücklich auf Hassan II. bezieht.

Ab 2022 fordert Jane Benzaquen offiziell DNA-Tests von Mitgliedern der marokkanischen Königsfamilie, um die behauptete Abstammung zu bestätigen oder auszuschließen. Dieser Ansatz erinnert an den Kampf von Delphine Boël in Belgien um die Anerkennung als Tochter von König Albert II. – zumal Jane Benzaquen vom selben Anwaltsbüro, jenem von Marc und Julien Uyttendaele, vertreten wird. Die Situation erinnert zudem an den Fall von Fürst Albert von Monaco und seinen mit der Togolesin Nicole Coste gezeugten unehelichen Sohn.

Rabat wählt die Gegenoffensive. 2023 reicht das Königreich Marokko in Belgien eine Strafanzeige gegen Jane Benzaquen und Mitglieder ihrer Familie wegen Urkundenfälschung, Betrugs, Verwendung gefälschter Dokumente und Scheinwohnsitzes ein. Der Anwalt der marokkanischen Regierung, Stanislas Eskenazi, spricht öffentlich von einem „Erpressungsversuch“ und behauptet, die belgische Justiz werde „in Geiselhaft“ gehalten – durch eine Klägerin, die seiner Ansicht nach gar nicht in Belgien lebe, sondern in Israel, wo sie lange im Hotelgewerbe tätig war.

Im Zentrum der Hassan-II.-Affäre: der genetische Test
Die Anwälte von Jane Benzaquen werfen Marokko hingegen vor, sie „zum Schweigen bringen“ zu wollen und von dem eigentlichen Kern des Falls abzulenken: dem mutmaßlich entscheidenden, vergleichenden DNA-Test. Die Weigerung der marokkanischen Königsfamilie, sich einem solchen Test zu unterziehen, stärke nur die Überzeugung ihrer Mandantin, so die Verteidigung.

Zivilrechtlich wurde das Vaterschaftsverfahren vorläufig ausgesetzt, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist. Im September 2024 und Januar 2025 kam es zu neuen Anträgen und Anhörungen vor belgischen Gerichten, ohne dass bislang eine endgültige Entscheidung vorliegt. Das marokkanische Medium Le Desk berichtete Anfang 2025 von einem ersten „prozeduralen Rückschlag“ der Klägerin, nachdem ein Vaterschaftsanfechtungsverfahren ausgesetzt worden war, und von ihrem Versuch, den Fall vor dem Gericht von Nivelles neu zu beleben.

Neue Front in New York: die Spur der amerikanischen Archive
Neuester Wendepunkt: Jane Benzaquen hat die Affäre nun in die USA verlagert. Die über 70-Jährige soll die Justiz in New York angerufen haben, um Zugang zu „sensiblen Elementen“ über den verstorbenen Hassan II. zu erlangen – möglicherweise zu Archiven oder Unterlagen, die ihr in Europa nicht zugänglich sind.

Noch ist vieles zum genauen Verfahrensstand unklar. Doch dieser Schritt verschiebt den Fall aus dem bilateralen belgisch-marokkanischen Rahmen heraus und öffnet ihn für eine internationale Dimension, in der auch diplomatische Dokumente oder in den USA archivierte Unterlagen über die Regierungszeit Hassan II. eine Rolle spielen könnten.

Für die Klägerin ist das Ziel zweifach: Spuren zu finden, die ihre Familiengeschichte stützen könnten, und zugleich den Druck auf Rabat zu erhöhen, indem sie die Affäre internationalisiert. Für Marokko, das jegliche Abstammung energisch bestreitet und die Betrugsvorwürfe aufrechterhält, verleiht dieser Schritt der ohnehin hochsensiblen Angelegenheit eine zusätzliche politische und mediale Dimension.

Eine emblematische, aber juristisch offene Affäre
Die Affäre Jane Benzaquen vereint persönliches Erinnern, symbolische Erbfragen und diplomatische Interessen. Der Vergleich mit dem Fall Delphine Boël wird in der belgischen Presse häufig gezogen, doch der Kontext ist ein anderer: Im marokkanischen Fall ist der Staat selbst Partei und setzt strafrechtliche Mittel ein, um die Vaterschaftssuche zu blockieren.

Bislang hat kein Gericht Jane Benzaquen als Tochter von Hassan II. anerkannt. Die bisher durchgeführten DNA-Tests beschränken sich darauf, ihren rechtlichen Vater auszuschließen und ein nordafrikanisch-nahöstliches Herkunftsprofil festzustellen. Die belgische Justiz hat noch nicht über die Zulässigkeit oder den Inhalt des Vaterschaftsverfahrens gegen die marokkanische Königsfamilie entschieden. Parallel dazu läuft weiterhin die Strafuntersuchung wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

Mit ihrem Vorstoß vor die US-Justiz versucht die angebliche „versteckte Tochter“ Hassan II., nach mehreren schwierigen Jahren in Belgien wieder die Initiative zu übernehmen. Ob dieser neue juristische Schauplatz ihr entscheidende Informationen liefern wird oder ob sich die Affäre weiterhin vor allem in belgischen Gerichtssälen – und in der marokkanischen wie internationalen Öffentlichkeit – abspielen wird, bleibt offen. (Quelle: afrik.com)