
Nigeria hat einen bedeutenden Schritt hin zum Aufbau einer eigenen Elektrofahrzeug-Industrie (EV) gemacht, nachdem es ein Abkommen mit dem südkoreanischen Asia Economic Development Committee (AEDC) unterzeichnet hat. Ziel ist die Errichtung dessen, was Regierungsvertreter als Afrikas erste Elektrofahrzeug-Produktionsstätte bezeichnen.
Das Abkommen wurde am 30. Januar 2025 vom nigerianischen Staatsminister für Industrie, Senator John Enoh, sowie vom AEDC-Vorsitzenden Yoon Suk-hun für Südkorea unterzeichnet. Es stellt einen wichtigen Meilenstein in Nigerias Bestrebungen dar, die Fahrzeugproduktion im Land zu lokalisieren und den Einsatz grüner Technologien voranzutreiben.
Stufenweiser Ansatz und Produktionsziele Das Projekt soll in mehreren Phasen umgesetzt werden. Zunächst ist die Montage von Elektrofahrzeugen vorgesehen, später soll die Produktion vollständig im eigenen Haus erfolgen.
Sobald das Werk vollständig in Betrieb ist, wird mit einer jährlichen Produktionskapazität von 300.000 Fahrzeugen gerechnet und mit der Schaffung von rund 10.000 Arbeitsplätzen, so die National Automotive Design and Development Council (NADDC).
Staatliche Initiativen zur Förderung der Elektromobilität Der nigerianische Automobilsektor steht vor strukturellen Herausforderungen, darunter eine begrenzte lokale Zulieferindustrie, hohe Montagekosten und eine starke Abhängigkeit von Importen.
Nigeria importiert jährlich zwischen 400.000 und 720.000 Fahrzeuge, von denen 74 bis 90 Prozent Gebrauchtwagen sind.
Im Jahr 2023 erreichten die Importe 700.000 Fahrzeuge. Der Wert importierter Pkw belief sich 2024 auf 1,05 Milliarden US-Dollar, womit Nigeria zu den weltweit größten Märkten für Gebrauchtfahrzeuge zählt.
Zur Förderung der Elektromobilität startete die Bundesregierung im Dezember 2024 ein Konsumentenkreditprogramm im Umfang von 20 Milliarden Naira (rund 12 Millionen US-Dollar).
Dieses Programm unterstützt den Kauf lokal montierter Elektrofahrzeuge, Motorräder und Dreiräder. In Zusammenarbeit mit einheimischen Herstellern wie Innoson, Nord, CIG (GAC), PAN, Mikano, Jets, NEV (Electric) und DAG soll der Zugang zu E-Mobilität erweitert und das Wachstum einer heimischen EV-Industrie gefördert werden.
Frühere EV-Initiativen Frühere Elektrofahrzeug-Projekte in Nigeria – etwa die Zusammenarbeit von NASENI mit israelischen und japanischen Partnern im Jahr 2022 oder die Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen im Dezember 2025 – waren Pilotprojekte oder beschränkten sich auf Teilmontagen und erreichten keine industrielle Serienproduktion.
Das neue, vom AEDC unterstützte Werk ist ausdrücklich als erste groß angelegte Elektrofahrzeug-Produktionsstätte Afrikas konzipiert. Es umfasst Montage, Fertigung sowie unterstützende Infrastruktur wie ein landesweites Netz von Ladestationen.
Regionaler Kontext und Chancen In ganz Afrika wächst die Nutzung von Elektrofahrzeugen, bleibt jedoch insgesamt begrenzt. Laut EV24 waren bis Mitte 2025 auf dem Kontinent mehr als 30.000 Elektrofahrzeuge im Einsatz, was weniger als 1 Prozent der gesamten Fahrzeugverkäufe ausmacht.
Äthiopien führt mit etwa 100.000 Elektrofahrzeugen, gefolgt von Ghana (17.000), Marokko (10.000), Südafrika (6.000), Ägypten (3.500–4.000) und Kenia (rund 3.800). Die meisten dieser Fahrzeuge sind Motorräder oder Nutzfahrzeuge. Hohe Anschaffungskosten und eine begrenzte Ladeinfrastruktur bremsen die Verbreitung.
Das Abkommen Nigerias mit dem südkoreanischen Asia Economic Development Committee zum Bau der ersten vollwertigen Elektrofahrzeugfabrik Afrikas unterstreicht den Anspruch des Landes, über reine Montage hinauszugehen und eine nachhaltige, eigenständige EV-Industrie aufzubauen. (Quelle: Newsletter africa.businessinsider)