Diplomatenausweisungen und Abbruch der Beziehungen: Spannungen zwischen Eritrea und Äthiopien eskalieren

Die Spannungen zwischen Äthiopien und Eritrea verschärfen sich weiter. Die äthiopischen Behörden werfen Eritrea vor, die am 22. September begonnene bewaffnete Offensive eines neuen regierungsfeindlichen Bündnisses direkt und indirekt zu unterstützen. Am Donnerstag, dem 1. Oktober, kündigte Addis Abeba deshalb die Schließung seiner Botschaft in Asmara sowie die Ausweisung von zehn eritreischen Diplomaten an. Eritrea reagierte nur wenige Stunden später mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Äthiopien, berichtet RFI.

Bereits am 27. September hatte Äthiopien Eritrea beschuldigt, gemeinsam mit Sudan und Ägypten die Offensive in Tigray sowie in den Regionen Afar und Amhara zu unterstützen. Zu dem neuen regierungsfeindlichen Bündnis gehören unter anderem die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) und die amhärische Fano-Bewegung.

Am 1. Oktober erreichte die Eskalation zwischen den beiden Nachbarstaaten eine neue Stufe. Äthiopien warf Eritrea feindselige und kriegerische Handlungen vor und erklärte zunächst die Schließung seiner Botschaft in Asmara. Gleichzeitig wurden zehn eritreische Diplomaten ausgewiesen, die nach Angaben der äthiopischen Behörden im Verdacht stehen, Aktivitäten ausgeübt zu haben, die eine „direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit“ darstellen.

Eritrea reagierte darauf wenige Stunden später und erklärte seinerseits den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Addis Abeba.

„Der Konflikt zwischen den beiden Ländern schwelt schon sehr lange. Seit Monaten überziehen sich Asmara und Addis Abeba regelmäßig mit gegenseitigen Beschuldigungen“, erklärt René Lefort, Experte für das Horn von Afrika. Seiner Einschätzung nach waren vor allem die äthiopischen Vorwürfe ausschlaggebend, Eritrea unterstütze direkt und indirekt die bewaffnete Rebellion, die seit einigen Tagen einen groß angelegten Konflikt mit der Regierung führt. Nun stelle sich die Frage, ob die Eskalation an diesem Punkt ende oder ob die Regierung in Addis Abeba noch weiter gehen werde.

Parallel dazu kam es in der Nacht vom 30. September auf den 1. Oktober zu mehreren Explosionen im Westen von Addis Abeba. Ein direkter Zusammenhang mit dem diplomatischen Konflikt zwischen Äthiopien und Eritrea ist bislang nicht nachgewiesen.

Die äthiopische Hauptstadt war selbst während des Krieges von 2020 bis 2022 nicht Ziel eines solchen militärischen Angriffs gewesen. Die Explosionen trafen das Hauptquartier der äthiopischen Streitkräfte und werden der neuen regierungsfeindlichen „Koalition für das Überleben“ zugeschrieben.

Bislang hat jedoch keine der bewaffneten Gruppen des Bündnisses die Verantwortung für den Angriff übernommen. Eine diplomatische Quelle hält eine Beteiligung der Koalition allerdings für „sehr wahrscheinlich“. Ein Mitglied des Bündnisses erklärte auf Nachfrage lediglich: „Wir befinden uns im Krieg und haben daher kein anderes Ziel, als die Infrastruktur des Regimes zu treffen.“

Eine Analystin, die anonym bleiben möchte, bezeichnet Angriffe auf militärische Ziele als eine „effektive Strategie“. Sollten die Rebellen tatsächlich für die Explosionen in Addis Abeba verantwortlich sein, könnten sie auf diese Weise zivile Opfer vermeiden und gleichzeitig ihre eigenen Kämpfer weniger gefährden. Ein Angriff auf den Gegner in dessen eigenem Machtzentrum sende zudem eine deutliche Botschaft und könne ihn verwundbarer erscheinen lassen.

Drohnenflüge über Addis Abeba verboten

Bereits am Tag vor den Explosionen hatte der äthiopische Geheimdienst sämtliche Drohnenflüge über Addis Abeba und in der Umgebung der Hauptstadt bis auf Weiteres verboten.

Die Maßnahme erfolgte, nachdem in der vergangenen Woche nach Angaben des auf Konflikte spezialisierten Netzwerks ACLED eine Drohne den Luftwaffenstützpunkt Bishoftu rund 40 Kilometer von Addis Abeba entfernt getroffen hatte.