Äthiopien und Eritrea stehen kurz vor einer militärischen Konfrontation

In der äthiopischen Region Tigray rücken die Bundestruppen immer weiter nach Norden in Richtung der Grenze zu Eritrea vor, wo eritreische Streitkräfte stationiert sind. Eritrea forderte den UN-Sicherheitsrat am Samstag auf, die „bedauerliche Kriegserklärung“ Äthiopiens zu verurteilen. Ein solcher Krieg werde „die gesamte Region destabilisieren“, warnte das Land lt. einem Bericht von RFI.

In einem Schreiben an den Sicherheitsrat warnt Eritrea, dass ein Krieg verheerende Folgen für die Bevölkerung beider Länder hätte. Die eritreische Regierung fordert die Vereinten Nationen auf, Äthiopien zu verurteilen und abschreckende Maßnahmen zu ergreifen. Nach Ansicht des eritreischen Außenministers Osman Saleh, der das Schreiben verfasste, versucht Äthiopien, einen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland zu rechtfertigen.

Äthiopien beruft sich auf das Recht zur Selbstverteidigung

Am Freitag, dem 9. Oktober, hatte Äthiopien Eritrea eine offenkundige Aggression und das Eindringen in sein Staatsgebiet vorgeworfen. Addis Abeba berief sich dabei auf sein grundlegendes Recht zur Selbstverteidigung.

Unterdessen haben die äthiopischen Bundestruppen in Tigray weitere Gebietsgewinne erzielt. Zwei Wochen nach der Rückeroberung von Mekele nahmen die mit der Bundesregierung verbündeten Tigray-Friedenstruppen am Morgen des 11. Oktober auch die Stadt Adigrat ein. Sie liegt rund 40 Kilometer südlich der eritreischen Grenze.

US-Botschaft warnt vor Kämpfen im Grenzgebiet

Die Truppen rücken inzwischen weiter in Richtung der eritreischen Grenze vor. Die US-Botschaft in Eritrea veröffentlichte am Nachmittag des 9. Oktober eine Sicherheitswarnung, in der sie auf Kämpfe im Grenzgebiet hinwies. Gleichzeitig forderte sie US-Bürger auf, Evakuierungspläne vorzubereiten.

Nach Angaben einer Sicherheitsquelle gegenüber der Nachrichtenagentur AFP befanden sich zwischen 5.000 und 8.000 eritreische Soldaten in Tigray. Nachdem sie am Donnerstag, dem 8. Oktober, von Drohnenangriffen getroffen worden waren, hatten sie bereits begonnen, sich nach Norden zurückzuziehen.