
Von *Martin Zimmermann: Knappe 20 Minuten dauert die Fahrt von Asmara zur Mine Emba Derho, dem „Herzstück“ der Asmara Mining Share Company (AMSC). Das chinesische Unternehmen Sichuan Road and Bridge Mining Investment Company (SRBM) hält 60 Prozent an dem Joint Venture, die staatliche Eritreische Nationale Bergbau Company (ENAMCO) weitere 40 Prozent. AMSC hat drei weitere Lizenzen für den Abbau von Gold, Silber, Kupfer und Zink in Debarwa, Adi Nefas und Gupo.
Die Mine Emba Derho, die sich auf eine Länge von 1200 Meter und eine Breite von 850 Meter erstreckt, wird derzeit für den Abbau im Tagebau vorbereitet. Hier entsteht auch die zentrale Verarbeitungsanlage (Flotationsanlage), in der das Erz aller Minen der AMSC für den Export aufbereitet wird. Ausgestattet mit Schutzhelm, Warnweste und festem Schuhwerk machen wir uns auf den Weg. Fotografieren? Kein Problem. „Wir haben nichts zu verbergen!“, sagt Francis Darpatem, ghanaischer Staatsbürger und Projektmanager von AMSC, der mich durch die Mine führt. Vorbei geht es an einem Staudamm, der bei einer Kapazität von 1,5 Millionen Kubikmeter bereits sehr gut gefüllt ist und für die Frischwasserversorgung der Aufbereitungsanlage sorgt zum höchsten Punkt der Mine. Von hier aus ist die terrassenartige Struktur der Tagebaumine bereits gut erkennbar. Haufen rötliches Erz werden in einem Bereich der Mine gesondert gelagert. „Das ist goldhaltiges Erz, das nach Fertigstellung der Flotationsanlage in einem separaten, Carbon-In-Leach (CIL)-Goldverarbeitungs-kreislauf verarbeitet wird, der sich gerade im Bau befindet“, erklärt der Projektleiter von AMSC. (siehe PDF weiter unten)
Bagger fressen sich durch die Landschaft
Der Ausbau der Mine ist eine staubige Angelegenheit: In der Tagebaumine wird zuerst die obere Erdschicht, der „Überboden“, abgetragen, um an das gold- oder kupferhaltige Gestein zu gelangen. Dabei kommen schwere Maschinen – Bagger, Radlader und kontrollierte Sprengungen zum Einsatz, um das Gestein zu lockern und effizient abzutragen. Bagger fressen sich durch die Landschaft, Lastwagen wirbeln Staub auf. Da direkt an das Minengelände landwirtschaftliche Betriebe angrenzen und Bauern ihrer Arbeit nachgehen, drehen regelmäßig Lkw mit Wassersprenklern ihre Runden über die staubigen Pisten. Eine Umweltschutzmaßnahme, die für den Minenbetreiber ein Muss ist. So wird schon im Kleinen Umweltverträglichkeit von Bergbau und Landwirtschaft in dem dicht besiedelten Gebiet sichergestellt: Tomaten und Mangold, die auf den Feldern nebenan gedeihen, sollen nicht mit Staub belastet werden.
Ein eigenes Kraftwerk sorgt für Energie
Von der Anhöhe zeigt Darpatem auf das Zentrum der Mine: Dort wird die zentrale Flotationsanlage für alle vier Minen der AMSC (Emba Derho, Debarwa, Gupo und die Untertagemine Adi Nefas) aus dem Boden gestampft. In dieser Anlage wird das im großen Gesteinsbrecher zerkleinerte Erz zu einem Konzentrat weiterverarbeitet und für die Verschiffung zu Schmelzhütten vorbereitet. Rund um die Flotationsanlage entsteht ein 30 Megawatt-Kraftwerk, Büros, Technikräume, die Kantine und eine kleine Klinik – „die wir hoffentlich nie für ernste Fälle nutzen müssen!“, sagt der Projektmanager. Das mit Schweröl betriebenes Kraftwerk versorgt die Mine autark von der öffentlichen Stromversorgung.
Giftiger chemischer Cocktail statt Schaufel und Waschschüssel
Wer sich mit industriellem Abbau von Bodenschätzen beschäftigt, wird sich schnell verabschieden vom zigfach verfilmten Klischee rauer Burschen, die als Goldsucher mit Schaufel, Sieb und Waschschüssel losziehen und faustgroße Nuggets finden. Mit dieser Goldrauschromantik hat moderner Bergbau nichts zu tun. Gold wird in der Regel aus zerkleinertem Erz mit Hilfe einer hochgiftigen Chemikalienmischung aus Wasser, Natriumcyanid oder Quecksilber gewonnen. Bei der Aufbereitung und Konzentration von Kupfererz in der Flotationsanlage werden unter anderem Kalziumkarbonat und Schwefelsäure verwendet, um das Kupfererz zu einem 20- bis 30-prozentigen Kupferkonzentrat anzureichern, bevor es in die Verhüttung geht.
Sorgen um Sicherheit in der Bevölkerung ernst genommen
Bergbau im dicht besiedelten Gebiet um die Hauptstadt Asmara und im Einzugsbereich von natürlichen Wasserressourcen hat in der Bevölkerung Sorgen und Fragen ausgelöst – die offen diskutiert werden. Francis Darpatem, Bergbauexperte mit langjähriger Berufserfahrung in Minen in Ghana, der Demokratischen Republik Kongo und Eritrea (Bisha) kennt solche Ängste und Bedenken: „Wird im Bergbau nicht professionell und mit größter Umsicht vorgegangen, drohen große Schäden für Umwelt und Natur.“ Genau das gelte es zu verhindern: „Wir arbeiten hier auf höchstem internationalem Niveau und die Machbarkeitsstudie für die Mine ist im Verlauf von zehn Jahren äußerst gründlich erstellt worden“. Das sei eine sehr lange Zeit, aber auch eine wichtige Vorbereitung auf den sicheren Betrieb der Mine. Ein komplexes Abfall- und Wassermanagement verhindere, dass Schadstoffe in die Umwelt gelangen, versichert er. „Das Brauchwasser aus der Flotationsanlage wird innerhalb der Mine recycelt und über kilometerlange Stahlrohre in ein wasserdichtes Auffangbecken namens TSF (Tailings Storage Facility) geleitet, das mit dicken Plastikfolien ausgekleidet ist.“
Sicherheit und Umweltschutz wird großgeschrieben
Für die Zuleitung zum TSF werden zwei Stahlrohrleitungen gebaut – eine davon bleibt Standby, falls Probleme an der anderen Leitung auftauchen. In der ersten Phase fasst das Auffangbecken 6,6 Millionen Kubikmeter bei einer Dammhöhe von 35 Metern. Bis zur dritten Phase der geplanten sechsjährigen Produktionszeit wird dieses Becken schrittweise erweitert und kann dann 35,4 Millionen Kubikmeter Wasser bei einer Dammhöhe von 60 Metern anstauen. „Das Wasser verdunstet in der Sonne, die Schadstoffe kristallisieren und die giftigen Bestandteile werden durch die UV-Strahlung der Sonne im Laufe der Zeit abgebaut“, erklärt Darpatem. Um das Auffangbecken herum sind zusätzlich Sicherheitsdämme gebaut worden und an Checkpoints wird täglich kontrolliert, ob verschmutztes Wasser entweicht. Sicherheit und Umweltschutz sind für Darpatem Teil seines Berufsethos. Er kennt Beispiele in anderen Ländern, wo Mensch und Umwelt durch unkontrollierten, häufig illegalen Raubbau an Bodenschätzen geschädigt werden – wo Profitgier im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Auf die Frage, was er von der eritreischen Politik in Sachen Bergbau hält, reagiert er zurückhaltend: „Nun, ich bin kein Politiker. Ich bin Bergbauingenieur und Manager. Aber ich sehe – und ich stehe dafür – dass hier höchste Standards in den Minen herrschen. Dass Eritrea 40 Prozent der Anteile am Bergbau hält und die Ressourcen für den Aufbau des Landes nutzt, ist im Vergleich mit anderen Ländern außergewöhnlich. Unter dem Strich würde ich sagen: Das ist eine gute Politik für das Land.“
Mitte 2026 soll die Produktion starten
„Ziel ist es, dass wir hier Mitte des Jahres 2026 die Produktion aufnehmen“, sagt der Projektmanager von AMSC. „Dann werden hier in der Mine 1000 bis 1200 Menschen aus der Umgebung eine gut bezahlte und sichere Arbeit finden.“ Die eritreische Regierung pocht auf die Einstellung lokaler Arbeitskräfte – eine Gepflogenheit, mit der sich alle Investoren in Eritrea erst einmal anfreunden mussten. Hochqualifizierte lokale Arbeitskräfte stehen ebenfalls zur Verfügung: Absolventen der naturwissen-schaftlichen und technischen Fakultäten des Eritrea Institute of Technology (EIT) im Mai Nefhi College, die Geologie, Bergbauingenieurwesen, Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen studiert haben, bringen Fachwissen mit. Seit 2011 werden Absolventen des Mai Nefhi College in den Minen von Bisha und Zara in der Praxis zu Bergbauexperten weitergebildet.
Die Aussichten für AMSC sind glänzend
Die Asmara Mining Share Company hat glänzende Aussichten auf ein lukratives Geschäft: Das „Trumpf-Ass“ der Gesellschaft ist sicherlich die Tagebaumine in Debarwa, wo seit 2024 im Tagebau Kupfererz abgebaut und sofort zur Verhüttung verschifft wird. Denn bei einem Kupfergehalt von 13 bis 16 Prozent lohnt sich die teure weitere Verarbeitung und Konzentration des Erzes nicht. Mit dem Gewinn aus dem Tagebau in Debarwa wird der Aufbau der Verarbeitungsanlage in Emba Derho finanziert. Und nach Schätzungen, die auf der Erkundung der Bergbaugebiete basieren, enthalten die vier Minen von AMSC 415.000 Feinunzen Gold, 11 Millionen Feinunzen Silber, 580.000 Tonnen Kupfer und 1,13 Millionen Tonnen Zink. Darüber hinaus verfügt AMSC über zwei weitere Explorationslizenzen in Adi Rassi und Kodadu, wo geologische Erkundungsarbeiten laufen, um auch die dort vorhandenen Ressourcen abzubauen.
Was verbirgt sich hinter den Begriff „Carbon-in-Leach“?
Im CIL-Verfahren wird zerkleinertes goldhaltiges Gestein in Tanks mit Wasser und Cyanid vermischt, wo das Gold ausgelaugt und gleichzeitig an Aktivkohlepartikel adsorbiert wird. Das Gold wird später aus der Kohle entfernt und zurückgewonnen. Die unbrauchbare Aufschlämmung wird in ein ausgekleidetes Becken namens Tailings Storage Facility (TSF) geleitet, das etwa 4 km von der Verarbeitungsanlage entfernt ist. Der CIL-Kreislauf hat einen geringen Platzbedarf, erfordert weniger Erdarbeiten und verbraucht im Betrieb wenig Energie als andere Methoden. Das Cyanid wird innerhalb der Anlage durch ein robustes Managementsystem aufgefangen, das eine doppelte Umschließung ohne Ableitung in die Umwelt umfasst.
PDF: Eine wahre „Goldgrube“: Der Arabisch-Nubische Schild
*Martin Zimmermann (Journalist, Jahrgang 1955) ist ein profunder Kenner Eritreas. Er besucht das Land seit 1984 regelmäßig. In dem Buch „Eritrea – Aufbruch in die Freiheit“ (1. Auflage 1990) berichtet er auf der Basis mehrere Besuche in den Gebieten der Unabhängigkeitskämpfer über die Zeit des Unabhängigkeits-Krieges. Seit der Unabhängigkeit Eritreas (1991) bereist Zimmermann das Land zum Teil mehrmals jährlich und berichtet über die Entwicklung des Landes. Berichten von Menschenrechtsorganisationen, die oft auf Zweit- und Drittquellen basieren und ein sehr negatives Bild des Landes zeichnen, steht Zimmermann kritisch gegenüber. Er hebt in seiner differenzierten Berichterstattung das komplexe internationale und regionale Spannungsfeld, in dem sich Eritrea befindet hervor. Er verweist auf unbestreitbare Erfolge des Landes wie in der Entwicklung des Bildungs- und Gesundheitswesens hin. Auch die Landwirtschaftliche Entwicklung und Sicherung der Wasserversorgung hebt er als positiv hervor. Zimmermann begrüßt die eritreische Regierungslinie, die auf Selbsthilfe und Eigenständigkeit in der Entwicklung setzt, was sich aus seiner Sicht auch im Umgang der Regierung mit den natürlichen Ressourcen des Landes zeigt. Er konnte in den vergangenen Jahren die Entwicklung des Bergbaus in Eritrea bei Besuchen in der Bisha-Mine und der Emba-Derho-Mine als Augenzeuge verfolgen und Interviews durchführen.
