Berufungsjury der CAF: Sportanwalt Me Kamara prangert „skandalöses“ und beispielloses Urteil an

Berufungsjury der CAF: Sportanwalt Me Kamara prangert „skandalöses“ und beispielloses Urteil an

Senegal hatte das Finale des Afrika-Cups gewonnen, aber weil die Spieler vorzeitig den Platz verließen, wurde ihnen der Titel aberkannt. Jetzt ist Marokko Afrika-Meister. Der afrikanische Fußballverband (CAF) hatte erklärt, sein Berufungsausschuss habe entschieden, dass Senegal das Finale verloren habe und der 1:0-Sieg nach Verlängerung in einen 3:0-Sieg für Gastgeber Marokko umgewandelt wurde.

Diese Entscheidung der Berufungsjury der CAF sorgt weiterhin für heftige Kontroversen. Der auf Sportrecht spezialisierte senegalesische Anwalt Me Moustapha Kamara bezeichnet die Entscheidung als „skandalös“ und juristisch anfechtbar und verweist auf eine fehlerhafte Auslegung der Regelwerke sowie auf Verfahrensmängel.

Seiner Ansicht nach stellt diese Entscheidung einen bislang einzigartigen Präzedenzfall in der Geschichte sportrechtlicher Streitigkeiten dar.
„In 25 Jahren als Professor und Anwalt im Sportrecht habe ich so eine Entscheidung noch nie gesehen. Sie ist beispiellos“, erklärte er gegenüber L’Observateur. Er fügte hinzu: „Noch nie hat ein Sportgericht zwei Monate nach einem Finale eine Mannschaft für forfait (kampflos verloren) erklärt, obwohl der Schiedsrichter am Spieltag selbst keinen Forfait festgestellt hat.“

Der Anwalt kritisiert zudem die Auslegung der einschlägigen Bestimmungen, insbesondere der Artikel 82 und 84 des Reglements des Afrika-Cups:
„Das ist eine sehr schlechte Interpretation der Vorschriften zum Forfait. Juristisch ist das nicht haltbar“, urteilt er.

Über den Inhalt hinaus stellt Me Kamara auch den Kontext infrage, der zu dieser Entscheidung geführt hat. Er verweist auf interne Veränderungen innerhalb der afrikanischen Fußballorganisation:
„Nach der Entscheidung der Disziplinarkommission hat die CAF den Direktor der Rechtskommission entlassen und anschließend ohne Ausschreibung einen Nachfolger ernannt. Kurz darauf wurde dieser Interimsvertreter in die Berufungsjury aufgenommen. Er wurde für die Zwecke der Sache rekrutiert und hat nun seine erste Entscheidung getroffen.“

Angesichts dieser Situation bleibt ein Rechtsmittel möglich:
„Senegal hat eine Frist von 21 Tagen, beziehungsweise 10 Tagen laut CAF-Statuten, um den Internationalen Sportgerichtshof (TAS/CAS) anzurufen“, erklärt er und zeigt sich zuversichtlich: „Der Vorteil des TAS liegt in der Unabhängigkeit und Kompetenz seiner Mitglieder. Sie werden das Reglement korrekt anwenden und Senegal die Trophäe zurückgeben.“ (Quelle: senego)