Ceuta: Marokko will Spanien vor der Migrationskrise gewarnt haben

Spanien sei bereits im Juli vor einer zunehmenden Migrationsbewegung nach Ceuta gewarnt worden, erklärte ein hochrangiger marokkanischer Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Er wies Vorwürfe zurück, die marokkanischen Sicherheitskräfte hätten versagt, und betonte, dass die Migrationsproblematik nicht allein in der Verantwortung Marokkos liege. Madrid bestreitet jedoch, jemals eine solche Warnung erhalten zu haben, berichtet RFI.

Nach Angaben des marokkanischen Vertreters informierte Rabat die spanischen Behörden um den 22. oder 23. Juli über die möglichen Folgen eines Urteils des Obersten Gerichtshofs Spaniens. Dieser hatte entschieden, dass die sofortige Rückführung von Migranten nicht für Personen gilt, die auf dem Seeweg nach Spanien gelangen.

„Wir haben darauf hingewiesen, dass dieses Urteil ein Problem schaffen würde – und genau das ist eingetreten“, sagte der Beamte. Sowohl Marokko als auch Spanien machen eine falsche Auslegung dieses Gerichtsurteils für den beispiellosen Anstieg der Migrantenzahlen in Ceuta mitverantwortlich.

Spanische Medien berichteten zudem, die Geheimdienste hätten das Innenministerium vor einer möglichen Massenankunft von Migranten in Ceuta gewarnt. Die spanischen Behörden wiesen diese Darstellung jedoch zurück.

Während einige Experten den marokkanischen Sicherheitskräften vorwerfen, während des Höhepunkts der Krise zu passiv gehandelt zu haben, widersprach der marokkanische Regierungsvertreter dieser Einschätzung. Angesichts der enormen Zahl an Menschen sei ein direktes Eingreifen oder eine Konfrontation mit den Migranten schlicht nicht möglich gewesen.