
Die illegale Überquerung der Grenze vom Marokko in die spanische Enklave Ceuta hat nach Angaben des marokkanischen Innenministeriums mindestens elf Menschen das Leben gekostet. Nach Angaben der Marokkanischen Menschenrechtsvereinigung (AMDH) werden zudem Dutzende weitere Personen vermisst. Die Organisation versucht deshalb, verzweifelten Familien bei der Suche nach ihren Angehörigen zu helfen, berichtet RFI.
Seit mehreren Tagen versammeln sich Familien an der Grenze zwischen Marokko und Ceuta, um nach Angehörigen zu suchen, die den Grenzzaun überwunden haben.
Jamila, Mitglied der AMDH, schildert ihre Verzweiflung: „Es gibt Familien aus anderen Regionen Marokkos, sie stammen weder aus Tétouan noch aus Ceuta. Sie bleiben Tag und Nacht hier und warten auf Informationen über ihre Kinder, ihre Brüder oder andere Angehörige.“
Die Organisation wurde inzwischen von rund 30 Familien um Hilfe gebeten. Da viele seit Tagen kein Lebenszeichen ihrer Angehörigen erhalten haben, bittet man die Menschenrechtsorganisation um Unterstützung bei der Suche. Diese gestaltet sich jedoch schwierig, weil viele Migranten unterwegs ihre Mobiltelefone verloren haben oder keine Möglichkeit finden, sie aufzuladen.
„Die meisten Migranten haben ihr Telefon auf dem Weg verloren oder können den Akku nicht mehr laden. Deshalb ist es sehr schwierig, alle Vermissten zu identifizieren. Es handelt sich um eine sehr große Zahl – wir sprechen von Dutzenden Vermissten. Wir werden alles daransetzen, Informationen zu erhalten.“
Um den Familien zu helfen, nutzt die AMDH soziale Netzwerke und nimmt direkten Kontakt zu den Aufnahmezentren in Ceuta auf.
„Wir haben versucht, Kontakt zu Menschen innerhalb Ceutas aufzunehmen und mithilfe von Fotos Informationen über die Vermissten zu erhalten.“
Trotz einzelner erfolgreicher Suchaktionen sind die Möglichkeiten der Organisation begrenzt. Nach Angaben der spanischen Behörden haben mehr als 50.000 Menschen versucht, die Grenze nach Ceuta zu überqueren.