Heute satt, morgen abhängig: NGO-Ernährungsprogramme untergraben die Selbsthilfe

Von *Fatimoh Danjuma. Nahrungsmittelhilfen sollte es im Notfall geben – selbstverständlich – aber nicht als Dauerzustand. Eine dauerhafte Verteilung von Lebensmitteln unterminiert die Eigenverantwortung und raubt den lokalen Bauern die Existenz.

Das Bild eines mitfühlenden NGO-Mitarbeiters, der in afrikanische Krisengebiete lebenswichtige Lebensmittel verteilt, ist vollgeladen mit Emotionen. In Nigeria und vielen Teilen Afrikas haben von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) bereitgestellte Lebensmittel ohne Zweifel Millionen von Leben gerettet. In konfliktbetroffenen Gemeinden im Nordosten Nigerias, in von Überschwemmungen bedrohten Regionen oder in dürregeplagten Gegenden des Kontinents haben Notfalllieferungen Hunger, Kämpfe um knappe Ressourcen und drohende humanitäre Zusammenbrüche verhindert. Diese Hilfslieferungen, getragen von echter humanitärer Sorge, haben Menschen in akuter Not zweifellos rasche Hilfe gebracht.

Doch zunehmend zeigen Erfahrungen aus Afrika und anderen Regionen dieser Welt: Wenn Nahrungsmittelhilfe über die eigentliche Notfallphase hinaus fortgeführt wird, ohne einen klaren Weg zur Eigenständigkeit aufzuzeigen, verfestigt sich eine kontraproduktive Dynamik. Sie schwächt die lokale Wirtschaft, verzerrt Angebot und Nachfrage auf den örtlichen Wochenmärkten und vertieft langfristig die Abhängigkeiten, besonders unter jungen Menschen. Es wächst eine Generation heran, die nicht mehr weiß, wie sie für sich selbst sorgen soll.

Ähnliche Bedenken werden weltweit geäußert; in Teilen Südasiens und Lateinamerikas hat lange andauernde Nahrungsmittelhilfe Debatten über forcierte Abhängigkeit und Marktverzerrung ausgelöst. Humanitäre Organisationen beginnen dort allmählich darüber nachzudenken, wie Hilfe sinnvoll vom akuten Rettungseinsatz in langfristige Selbstständigkeit übergehen kann.

Ursprünglich war Nahrungsmittelhilfe als zeitlich begrenzte Reaktion auf unvorhersehbare Krisen gedacht – Krieg, Überschwemmungen, Dürre, Vertreibung oder Hungersnöte, welche die staatlichen Ressourcen überforderten oder an den Rand des Zusammenbruchs brachten. In Westafrika und insbesondere in Nigeria haben NGOs während des Boko-Haram-Terrors, verheerender Überschwemmungen und der jüngsten, durch wirtschaftliche Probleme und Wetterereignisse ausgelösten Nahrungsmittelunsicherheit zu Recht eingegriffen.

Die Probleme beginnen jedoch dort, wo die Notfallversorgung zur Routine wird – auch in Gemeinden, die sich nicht mehr in akuter Krisenlage befinden – oder gar als Selbstzweck, getragen von selbsternannten „Rettern“ und Gutmenschen, teils aus eigennützigen Motiven. Akute Hilfe sollte als Brücke zur wirtschaftlichen Erholung gedacht sein, nicht jedoch als dauerhafter Ersatz für die Erwirtschaftung der eigenen Lebensgrundlagen. Fehlt eine klare Ausstiegsstrategie, fällt es Gemeinschaften schwer, gewohnte Abhängigkeit wieder abzustreifen – im schlimmsten Fall entwickeln sie eine dauerhaft gefestigte Abhängigkeit von externer Hilfe.

Schwächung der heimischen Landwirtschaft, Viehzucht und lokalen Märkte

Regional geprägte Landwirtschaft und Viehzucht sind nach wie vor das Rückgrat des Lebensunterhalts für die meisten Menschen in Afrika. Kleinbauern produzieren den Großteil der lokal verkauften und konsumierten Grundnahrungsmittel. Doch permanente, schier unbegrenzte Lebensmittelhilfe kann diesen Bauern unbeabsichtigt schaden, senkt sie doch die Nachfrage nach lokal erzeugten Produkten, wenn die Hilfslieferungen auf lokale Märkte gelangen und Preise drücken. Werden über längere Zeit ursprünglich kostenlos verteilte Lebensmittel auf lokalen Wochenmärkten angeboten, fehlt Bauern nicht nur der Anreiz, in Land, Saatgut und Arbeitskraft zu investieren, es fehlt schlicht das Einkommen, um die Investitionen zu tätigen. Mit der Zeit entscheiden sich weniger Menschen für die Landwirtschaft, wodurch Ernährungssysteme nachhaltig geschwächt werden und die Abhängigkeit von Importen und Hilfe wächst.

Befürworter von Lebensmittelprogrammen verweisen oft auf die Menge der verteilten Nahrungsmittel – und verwechseln dabei Quantität mit tatsächlichem Bedarf. Zugleich existiert kaum wirksame Qualitäts- und Kontrollstruktur, weder vor Ort noch in den Geberländern, um Aussagen über Sinnhaftigkeit oder Verschwendung treffen zu können. In der Vergangenheit konnte beobachtet werden, dass immer wieder Hilfslieferungen zweckentfremdet umgeleitet und auf lokalen Märkten billig verkauft wurden. 2017 entdeckten Behörden in den Bundesstaaten Borno, Yobe und Adamawa umfangreichen Missbrauch von Hilfsgütern. Nahrungsmittel, die Anfang 2025 von UNICEF für mangelernährte Kinder in Nigeria geliefert wurde, tauchte in nördlichen Bundesstaaten auf Märkten auf. Aus Yobe wurde berichtet, dass 2021 Hilfsgüter des Roten Kreuzes nicht die Verteilzentren erreichte, sondern direkt an Kunden verkauft wurden.

Diese Beispiele zeigen: Ohne konsequente Kontrolle haben Betrüger leichtes Spiel – besonders dort, wo lokale kriminelle Strukturen involviert sind, das Risiko gering ist, die Gewinne jedoch hoch sind. Ein weiterer, selten genannter Kritikpunkt ist, dass Hilfslieferungen häufig aus EU-Überproduktion oder vom im Ausland erzeugten Waren bestehen. Selbst beim Einkauf von Hilfsgütern wird Afrika als Lieferant also übergangen. Diese Praxis ist kein Zufall: Subventionierte Überschüsse müssen ohnehin irgendwo abgesetzt werden, und humanitäre Hilfe bietet dafür einen politisch bequemen, moralisch kaum angreifbaren Absatzweg, ganz gleich, welchen Schaden er in den Empfängerländern anrichtet.

Anstatt lokale Erzeuger und die Landwirtschaft zu verdrängen, sollten NGOs und die Politik Kleinbauern mit Werkzeugen, Saatgut, Ausbildung und fairer Finanzierung unterstützen – oder Nahrungsmittel für die Hilfsprogramme im Land einkaufen. Landwirtschaft und der Berufszweig des Bauern müssen als ehrbarer und profitabler Beruf anerkannt und gefördert werden; junge Menschen sollen diese Beschäftigung als eine Chance und Einkommensquelle sehen – nicht als mit Problemen und Unsicherheiten behafteter letzten Ausweg aus der Existenznot. Eine starke lokale Landwirtschaft ist die Basis dauerhafter Ernährungssicherheit – lokal als auch regional, lokale Märkte sind der Motor wirtschaftlichen Aufschwungs einer Region.

Kultur der Abhängigkeit und Mangel an praktischer, berufsorientierter Ausbildung

Kontinuierliche Lebensmittel- und Hilfsgüterverteilungen außerhalb von Notlagen führen zu Abhängigkeiten. Wenn arbeitsfähige Menschen – besonders die Jugend – regelmäßig kostenlose Hilfen erhalten, sinkt die Motivation zu arbeiten, zu ernten sowie die Bereitschaft, einen Beruf zu erlernen. Der Ausweg aus Armut besteht nicht nur aus kostenlosen Nahrungshilfen, sondern im Willen zum Arbeiten und wirtschaftlichen Chancen. Doch fehlt es deutlich an breit angelegten NGO-Programmen, die praktische Qualifikationen vermitteln und damit helfen, Kleinunternehmen aufzubauen.

Diese teils gewollte, teils organisatorische Abhängigkeit ist kein moralisches Versagen, sondern spiegelt Hilfssysteme wider, die Nothilfe priorisieren, aber keinen Übergang planen, die unbegrenzt Geldmittel aus Steuertöpfen haben und nie Rechenschaft ablegen müssen und deren Existenz dem Selbstzweck dient. Mit der Zeit schwindet Eigeninitiative, und Überleben wird an Unterstützung statt an Produktivität gekoppelt. Die Flüchtlingslager in der Subsahara, palästinensische Lager in Libanon, Jordanien, Syrien oder dem Westjordanland sowie die Lager in Dadaab und Kakuma in Kenia bestehen seit mehr als 30, teilweise seit über 50 Jahren – ohne klare Zukunft oder Exit-Strategie der versorgenden NGOs. Wozu auch – sind sie doch Garant, dass NGOs auch morgen noch Arbeit haben, das Wohl der Menschen scheint Nebensache zu sein.

Jugendarbeitslosigkeit und verlorene Chancen

Nigeria verfügt über einen der größten Bevölkerungsanteile an Jugendlichen in der Welt, die 16- bis 28-Jährigen machen fast 30 Prozent der Bevölkerung aus – zugleich bleiben Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung das größte Problem im Land. In Gebieten, die ausnahmslos von Hilfslieferungen abhängig sind, orientieren sich junge Menschen häufig weg vom Unternehmertum, hin zum Warten: auf die wenigen Hilfsjobs, Geldtransfers oder die nächste Lebensmittel- und Bekleidungsverteilung. Diese Haltung erstickt Erfindergeist, Motivation und Ehrgeiz. Der demografische Vorteil Afrikas wird nur dann wirtschaftlicher Motor, wenn Jugendliche sich ihrer Fähigkeiten bedienen sowie mit Kapital und Chancen ausgestattet werden.

Unbeschäftigte Jugendliche bilden jedoch einen gefährlichen Nährboden für Extremisten und Extremismus. Wo Hoffnung auf Arbeit und Zukunft fehlt, finden radikale Gruppen Gehör und leichtes Spiel bei der Rekrutierung. Wer sein Vertrauen verloren und nichts mehr zu verlieren hat, ist zu allem bereit: Gewalt, Terror oder kriminelle Netzwerke erscheinen dann als der einzige Ausweg aus der Depression. Diese Entwicklung bedroht nicht nur die innere Sicherheit eines Landes, sondern untergräbt auch jede Chance auf nachhaltigen wirtschaftlichen Fortschritt und soziale Stabilität in der betroffenen Region. Dass dies leider die Realität ist, beweist die zunehmende Gefahr von Bandenkriminalität und Entführungen, der Radikalisierung von Boko Haram als auch der wachsende Migrationsdruck in westlichen Ländern.

Wünschenswert wäre das Angebot von Ausbildungen, welche die Entwicklung zur Selbstständigkeit unmittelbar vorantreiben: Elektriker und Installateure sorgen für moderne Infrastruktur, sauberes Wasser und Abwassersysteme. Auf einem Kontinent mit vielen älteren Fahrzeugen sind Mechaniker essenziell für Transport und Landwirtschaft, Maurer, Zimmerleute und Dachdecker sind unverzichtbar für die Errichtung von bezahlbarem Wohnraum, Schulen und Krankenhäusern.

Diese Berufe schaffen lokales Wirtschaftswachstum, erzeugen Multiplikatoreffekte und verwandeln Gemeinschaften von Hilfsempfängern in Wohlstandsproduzenten. Eine NGO, die eine Woche lang Lebensmittel verteilt, hilft kurzfristig; eine NGO, die 100 Mechaniker oder Schreiner ausbildet, schafft Arbeitsplätze für Generationen. Doch der Schwerpunkt vieler NGOs liegt weiterhin auf Versorgung statt auf Befähigung, denn echte wirtschaftliche Verbesserungen würden manche der Hilfsorganisationen überflüssig machen.

Der missbrauchte Klimawandel-Diskurs

NGOs berufen sich häufig und gerne auf den Klimawandel als zentrale Ursache wachsender Ernährungsunsicherheit. Unregelmäßige Regenfälle, Dürre, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel müssen als Rechtfertigung für Hilfslieferungen herhalten. Dieses Narrativ der permanenten Bedrohung durch Klimawandel im Sahel stimmt jedoch nicht mit der Realität überein.

Was häufig verschwiegen wird, ist, dass in Teilen der Sahara die Niederschlagsmenge zugenommen hat – der „Sahel-Greening“-Effekt scheint nicht in das Konzept der Klima-Retter zu passen. Mancherorts lassen sich heute sogar besser Feldbau und Weideland erhalten als vor 40 Jahren. Diese Entwicklung widerspricht pauschalen Untergangsszenarien und zeigt: Ackerbau und Viehhaltung kann gedeihen – wenn sie nicht durch falsch verstandene Hilfslieferungen untergraben wird.

Wird das Problem ausschließlich auf eine unüberwindbare Klimakrise reduziert, entlastet das die eigentlich Verantwortlichen – einschließlich NGOs – von den Folgen ihrer eigenen Fehleinschatzungen und überzogenen Hilfsprogrammen. Chancen zur Anpassung – neue Anbaumethoden, widerstandsfähige Sorten, lokale Resilienz – geraten so aus dem Blickfeld und werden häufig verunglimpft.

Ein Blick nach China zeigt, wie viel politischer Wille tatsächlich bewirken kann und wie wenig Wüstenausbreitung und Erderwärmung zwangsläufig zu einem endgültigen Todesurteil für ganze Regionen führen müssen. Über Jahrzehnte hat China Teile der Kubuqi-Wüste in der Inneren Mongolei, einst eines der trockensten und lebensfeindlichsten Gebiete des Landes, durch gezielte Sandfixierung, großflächige Aufforstung im Rasteranbau, Solarparks über den Dünen und ökologische Ingenieurskunst in ein grünes, wirtschaftlich produktives Gebiet verwandelt. Landwirtschaft, Tourismus und erneuerbare Energien entstanden dort, wo zuvor jahrzehntelang nur Sand vorrückte.

Das Beispiel beweist, dass selbst extrem trockene Regionen kein endgültiges Urteil über die menschliche Produktivität fällen müssen, sondern durch beharrliche Investition, Wissenschaft und einen langen politischen Atem tatsächlich zurückgewonnen werden können, vorausgesetzt, der Wille dazu ist stark und ausdauernd genug. Dieselbe Ergrünung, die im Sahel bereits natürlich zu beobachten ist, ließe sich mit vergleichbar gezielter Unterstützung, etwa durch dürretolerantes Saatgut für Mais, Perlhirse und Sorghumhirse sowie durch koordinierte Aufforstungsprojekte wie die „Great Green Wall“ Initiative der Afrikanischen Union, erheblich beschleunigen.

Chancen zur Anpassung, neue Anbaumethoden, widerstandsfähige Sorten und lokale Resilienz geraten im Katastrophennarrativ jedoch regelmäßig aus dem Blickfeld und werden mitunter sogar verunglimpft, obwohl gerade sie zeigen, dass Klimawandel und Wüstenbildung kein unabwendbares Schicksal, sondern zumindest teilweise gestaltbare Prozesse sind.

Rechenschaftspflicht und ein globales Umdenken in der Hilfe

Besonders problematisch ist der Mangel an Kontrolle und Rechenschaftspflichten der NGOs. Ohne eine unabhängige Kontrolle der Arbeit werden negative Langzeitfolgen weder erfasst noch von den Medien berichtet: Wie viele Bauern gaben ihren Erwerb auf, wie viel Wirtschaftsleistung ging verloren, wie stark wuchsen Korruption und Abhängigkeiten? Gezählt und im Fernsehen gezeigt werden meist nur verteilte Mahlzeiten, aufgebaute Zelte und gerettete Leben – nicht zerstörte wirtschaftliche und soziale Strukturen, die häufig über Jahrzehnte gewachsen waren.

Da niemand für zerstörte Lieferketten haftet oder zur Verantwortung gezogen wird, bleibt Fehlanreiz weiter bestehen. Gleichzeitig schafft die ständige Lieferung subventionierter Produkte aus dem Westen neue Absatzmärkte für westliche Produzenten und zerstört lokales Unternehmertum – ein Beispiel ist tiefgefrorenes Hähnchenfleisch aus der Europäischen Union, welches hochsubventioniert in den 2000er Jahren nach Westafrika als Hilfslieferungen geschickt wurde, die lokale Geflügelproduktion nachhaltig unrentabel machte und verdrängte sowie Bauern in Armut und Arbeitslosigkeit stürzte.

Zwar erkennen humanitäre Organisationen zunehmend diese Probleme an, teils durch öffentlichen Druck, teils durch Kürzungen internationaler Hilfetöpfe wie USAID, doch der Wandel verläuft langsam und stockend: Wer gibt schon gerne Macht, Einfluss und unbegrenzten Geldfluss auf, an dem sich häufig ausrangierte Politiker als Mitglied des Aufsichtsrats oder „Berater“ laben.

Auf dem Weg zu nachhaltigen Alternativen für Afrika

Zweifelsohne, Nahrungsmittelhilfe sowie Hilfslieferungen bleiben unverzichtbar in echten humanitären Notlagen. Werden sie jedoch als Dauerlösung gegen strukturelle Armut eingesetzt, werden sie selbst zum Entwicklungshemmnis.

Ein Ansatz, um dies zu verhindern, muss daher Nothilfe – gekoppelt an den Aufbau lokaler Strukturen – sein: lokale Beschaffung der Lebensmittel und Hilfen, entweder im Empfängerland oder in Nachbarländern. Parallele Berufsbildung für Jugendliche, Unterstützung von Existenzgründungen durch Klein- und Kleinstkredite. Erfolg darf nicht daran gemessen werden, wie viel verteilt wurde, sondern wie schnell die gewährte Hilfe überflüssig wird.

Um die Gefahr von Abhängigkeiten zu reduzieren, sollte Nahrungsmittelhilfe verknüpft werden mit

– Unterstützung von Kleinbauern durch Maschinen, Düngemittel und Kredite.

– kostenfreier oder erschwinglicher Berufsbildung für Jugendliche in Berufen, die tatsächlich vor Ort gebraucht werden, zusammen mit zur Verfügungstellung von Werkzeugen, Backöfen und Rohstoffen.

– Micro- und Kleinkrediten, um lokale Märkte und Kleinunternehmer zu stärken.

– klar kommunizierten Zeitplänen für den Abbau und Ausstieg aus den Hilfsprogrammen.

Zweifelsohne, Nahrungsmittelhilfe hat in der Vergangenheit Millionen Leben gerettet. Ohne Nachhaltigkeitspläne jedoch untergräbt sie die lokale Wirtschaft, schwächt Ambitionen der All-round-Versorgten, schafft einen Nährboden für Extremisten und verfestigt Abhängigkeiten.

Nur wenn NGOs die Gefahren einer unbegrenzten Hilfe anerkennen und echte Eigenständigkeit der Hilfsempfänger fördern, wird Hilfe zum Instrument der wirtschaftlichen Freiheit und nicht der Dauerabhängigkeit.

Mehr noch als ein ökonomisches Thema ist dies auch eine Frage der Menschenwürde. Unbegrenzte Hilfslieferungen zersetzten das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Echte Humanität bedeutet nicht, Menschen ewig zu ernähren – sondern sie in die Lage zu versetzen, sich selbst zu ernähren und ihre Zukunft zu gestalten. Das Ziel darf nicht sein, jemanden einen Tag lang satt zu machen, sondern ihn in die Lage zu versetzen, ein Leben lang für sich selbst und seine Familie sorgen zu können.

„He who gives a man a fish gives him a meal, but he who teaches him to fish gives him a livelihood.“ – Anne Isabella Thackeray Ritchie.

(*Fatimoh Danjuma Bintu (25), aus Benue State, lebt und arbeitet derzeit in Lagos, Nigeria, und hat einen Abschluss in Gesundheitstechnologie. Sie setzt sich dafür ein, verlässliche Informationen sowie politische und wirtschaftliche Zusammenhänge aus ihrem Land und Westafrika verständlich einzuordnen. Achgut.com hat die junge Autorin und Journalistin eingeladen, über ihr Land, dessen Entwicklung auch große Konsequenzen für Europa hat, regelmäßig zu berichten.)