
Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Taiwans Präsident Lai Ching-te besucht Eswatini, Spannungen in Tigray und zwischen Äthiopien und Sudan nehmen zu, in Botswana enden die World Athletics Relays und es gibt einen Veranstaltungshinweis zu einem Vortrag in Berlin der simbabwischen Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Deutschen Afrika-Preises 2025, Namatai Kwekweza.
Besuch von Taiwans Präsident Lai Ching-te in Eswatini Am Montag endete ein dreitägiger Besuch des taiwanesischen Präsidenten Lai Ching-te in Eswatini. Dort traf Lai mit Eswatinis Staatsoberhaupt, König Mswati III., zusammen. Die beiden Staatschefs führten Gespräche über die Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Kultur und Bildung. In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten beide Staaten die Fortsetzung ihrer Partnerschaft. Zu konkreten Kooperationsprojekten zählt zum einen der Taiwan Industrial Innovation Park, der als Industrie- und Technologiehub taiwanesische Investoren und Produzenten anlocken und lokale Arbeitsplätze schaffen soll, zum anderen die Strategic Oil Reserve Facility, die als erstes Treibstoffreservelager des Landes die Energiesicherheit Eswatinis erhöhen soll. Lai ließ sich im Rahmen seines Besuchs zum Fortschritt beider Projekte briefen, die 2027 und 2028 fertiggestellt werden sollen. Auch besuchte er das neu eingeweihte International Convention Centre (Ezulwini Palazzo), ein luxuriöses internationales Konferenzzentrum, welches mit taiwanesischer Unterstützung gebaut wurde. Zudem unterzeichneten die eswatinische Außenministerin Pholile Shakantu und ihr taiwanesischer Amtskollege Lin Chia-lung ein Abkommen über gegenseitige Amtshilfe in Zollangelegenheiten. Dieses soll den Handel zwischen beiden Ländern erleichtern, Zollverfahren effizienter gestalten und den regulatorischen Rahmen für den grenzüberschreitenden Handel verbessern.
Ursprünglich war Lais Reise für den 22. bis 26. April geplant, um am 40. Jahrestag der Thronbesteigung von König Mswati III. sowie an dessen Geburtstagsfeier teilzunehmen. Der Besuch wurde jedoch verschoben, nachdem Madagaskar, Mauritius und die Seychellen kurzfristig die Überflugrechte für das taiwanesische Präsidentenflugzeug widerrufen hatten. Nach Angaben des taiwanesischen Präsidialamts seien diese Entscheidungen infolge „intensiven Drucks“ und „wirtschaftlicher Nötigung“ durch China erfolgt. Der Besuch fand daher am Samstag ohne vorherige Ankündigung statt. Nach dem Besuch Lais bezeichnete ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums den taiwanesischen Präsidenten als „internationale Lachnummer“ und erklärte, Lai habe sich mithilfe eines ausländischen Flugzeugs von der Insel „herausgeschmuggelt“. Zudem bekräftigte er die chinesische Position, dass Taiwan ein Teil Chinas sei, und forderte Eswatini auf, seine Unterstützung für Taiwan einzustellen. Die USA erklärten hingegen, die Reise sei Teil regulärer taiwanesischer Diplomatie und solle nicht politisiert werden. So habe auch Lais Vorgänger Eswatini 2023 und 2018 besucht.
Eswatini ist der einzige afrikanische Staat, der diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahr 1968 verbindet Eswatini und Taiwan eine enge Partnerschaft. Diese umfasst Investitionen, Entwicklungsprojekte sowie Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung und Gesundheit. Laut taiwanesischen Quellen sind 20 bis 30 taiwanesische Unternehmen in Eswatini tätig, die insgesamt 13.000 Menschen beschäftigen. Das Textilunternehmen Tex-Ray soll demnach der größte Arbeitgeber des Landes sein. Im Gegenzug setzt sich Eswatini auf internationaler Ebene für Taiwan ein, etwa durch die Forderung einer stärkeren Einbindung Taiwans in globale Plattformen im Rahmen der UN. Die Partnerschaft ist daher auch symbolisch von großer Bedeutung für Taiwan. Einige Analystinnen und Analysten kritisieren jedoch, dass die taiwanesischen Investitions- und Entwicklungsgelder vor allem dem Königshaus und lokalen Eliten zugutekämen. König Mswati III. hat seinerseits Taiwan bereits 18-mal offiziell besucht, zuletzt 2022.
China fordert seit Jahrzehnten von Staaten, seine „Ein-China-Politik“ einzuhalten und ihre formellen Beziehungen zu Taiwan abzubrechen. Auch Eswatini ist davon betroffen. Am Freitag hob China die Zölle für weitere 20 afrikanische Staaten auf, sodass nun 53 von 54 afrikanischen Ländern Anspruch auf eine „zollfreie Behandlung“ ihrer Waren haben. Von dieser Regelung ausgenommen bleibt jedoch Taiwans Verbündeter Eswatini.
Spannungen in Tigray und zwischen Äthiopien und Sudan Am Dienstag wurde der Vorsitzende der Tigray People’s Liberation Front (TPLF), Debretsion Gebremichael, in der Hauptstadt der nordäthiopischen Region Tigray, Mekelle, zum Präsidenten der Regionalregierung Tigrays ernannt …
Und sonst? Am Sonntag endete die achte Ausgabe der World Athletics Relays in Botsuanas Hauptstadt Gaborone. Bei dem zweitägigen Wettbewerb traten 723 Athletinnen und Athleten aus 40 nationalen Verbänden in sechs Staffellauf-Kategorien an …
Veranstaltungshinweis
Am 12.5.2026 um 16:00 Uhr findet unter dem Titel „MEMENTO: Memory, Hope and the Birth of a New World Order” ein Vortrag der simbabwischen Menschenrechtsaktivistin und Trägerin des Deutschen Afrika-Preises 2025, Namatai Kwekweza, statt. Die europäisch-afrikanische Vortragsreihe, die bereits in Göteborg und Krakau Station gemacht hat, wird vom International Youth Think Tank (IYTT) und WELEAD Africa organisiert und von der Deutschen Afrika Stiftung unterstützt. Im Mittelpunkt der Reihe stehen die tiefgreifenden Veränderungen der internationalen Ordnung im 21. Jahrhundert. Dabei wird eine junge afrikanische Perspektive auf Fragen von Demokratie, Menschenrechten und globaler Governance in den Fokus gerückt. Ziel ist es, Impulse für eine differenzierte Auseinandersetzung mit globalen Entwicklungen zu geben, Afrika als aktiven geopolitischen Akteur sichtbar zu machen und die Bedeutung von „Erinnerung“ als Grundlage für eine gerechte und inklusive Zukunft hervorzuheben. Die Veranstaltung findet im Auditorium des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums, Geschwister-Scholl-Straße 1-3, 10117 Berlin, statt. Eine Teilnahme ist nach Anmeldung über den Registrierungslink möglich; zudem wird die Veranstaltung per Livestream übertragen.
HIER geht es direkt zum detaillierten wöchentlichen Pressespiegel, in dem Sie eine umfangreiche Linksammlung zu weiteren afrikapolitisch relevanten Nachrichtenbeiträgen finden. (Deutsche Afrika Stiftung – DAS)