
In einer sorgfältig inszenierten Vorstellung im Weißen Haus hat Donald Trump soeben beispiellose Visa-Erleichterungen für afrikanische Fans der WM 2026 angekündigt. Eine spektakuläre Kehrtwende für einen Präsidenten, der gleichzeitig die massenhafte Abschiebung tausender Afrikaner ohne regulären Aufenthaltsstatus organisiert.
Es ist ein Bild, das in die Geschichte eingehen wird: Donald Trump, an der Seite von Gianni Infantino, wie er das FIFA PASS-System vorstellt, das allen Ticketinhabern der WM 2026 ein „priorisiertes Visa-Interview“ garantieren soll. Eine historische Ankündigung, die der FIFA-Präsident als Beweis dafür bezeichnete, dass „Amerika die Welt willkommen heißt“.
Gastfreundschaft mit zwei Gesichtern
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite verkündet Außenminister Marco Rubio stolz „die größte und sicherste Weltmeisterschaft der Geschichte“. Auf der anderen Seite hält dieselbe Regierung mehrere Hundert Afrikaner auf ihrer Abschiebeliste, organisiert Deportationen in Drittstaaten wie Ghana, Togo oder Ruanda und verweigert Bürgern aus zwölf afrikanischen Ländern die Einreise.
Auf dem Papier stellt das ab Anfang 2026 verfügbare FIFA PASS-System eine Revolution für afrikanische Fans dar, die an die kafkaesken Wartezeiten der US-Konsulate gewöhnt sind – allein in Nigeria beträgt die derzeitige Wartezeit über 300 Tage. Aber diese plötzliche Öffnung kann die Brutalität der täglichen Migrationspolitik Trumps nicht verbergen.
Wenn der Fußball Grenzen vorübergehend aufhebt
Die Gleichung ist einfach: Ein Afrikaner mit einem WM-Ticket wird schlagartig akzeptabel. Er ist Teil der 30,5 Milliarden Dollar Bruttowertschöpfung, die das Turnier generieren soll. Er trägt zu den 185.000 Arbeitsplätzen bei, die das Ereignis schaffen wird. Für die Dauer eines Spiels wird er zu einem willkommenen Konsumenten.
Doch wehe dem, der seinen Aufenthalt verlängern möchte. Benjamin, ein abgeschobener Nigerianer, berichtet unter Pseudonym von einer „schrecklichen Situation“: festgehalten in einem Militärlager in Ghana, dann ohne Papiere in Togo ausgesetzt. Sein Vergehen? Er wollte sich in den Vereinigten Staaten ein Leben aufbauen.
Die Diplomatie des runden Leders
Diese politische Schizophrenie offenbart den Zynismus der Trump-Regierung. Derselbe Präsident, der afrikanische Staatschefs für die WM umwirbt, bittet die Länder des Kontinents – Liberia, Senegal, Gabun, Mauretanien und Guinea-Bissau – seine Abgeschobenen aufzunehmen. Eine kaum verhüllte Form von Druck: Kooperiert bei den Abschiebungen, sonst verschlechtern sich eure diplomatischen Beziehungen.
Der symbolträchtigste Fall bleibt jener der westafrikanischen Staatsangehörigen, die in die USA abgeschoben, dann nach Ghana verbracht und anschließend illegal nach Togo weitergeschoben wurden – ohne jegliches rechtliches Verfahren. Einige von ihnen hatten sogar gerichtliche Entscheidungen erwirkt, die eine Rückführung wegen Verfolgungsgefahr untersagten!
Afrika, der Wegwerfkontinent
Die Botschaft ist klar: Afrika interessiert Trump-Amerika nur dann, wenn es wirtschaftlich nützlich ist. Die sechs Millionen verfügbaren WM-Tickets stellen eine finanzielle Chance dar, die die USA nicht ignorieren können. Mit neun qualifizierten afrikanischen Teams – ein historischer Rekord – und womöglich bald zehn sind die Fans des Kontinents unverzichtbar geworden.
Doch diese Fassade der Gastfreundschaft verdeckt nur schlecht die tiefe Geringschätzung. Während Infantino „die inklusivste Weltmeisterschaft der Geschichte“ feiert, werden afrikanische Familien auseinandergerissen. Studenten, Arbeiter, Eltern werden rücksichtslos abgeschoben – teils in Länder, die sie kaum kennen.
17,2 Milliarden Dollar Beitrag zum US-BIP – das ist der wirtschaftliche Wert der WM 2026. Angesichts solcher Summen ist Trump zu jeder politischen Verrenkung bereit. Das FIFA PASS-System ist keine Geste der Öffnung, sondern eine kalte finanzielle Kalkulation.
Afrikanische Fans, die sich heute über diese Ankündigung freuen, sollten im Hinterkopf behalten, dass sie nur temporäre Kunden sind. Sobald ihre Dollars ausgegeben, ihre Trikots gekauft und ihre Hotelzimmer bezahlt sind, werden sie wieder zu den ewig Unerwünschten. (Quelle: afrik.com)