Donatien Koagne – die Legende des größten afrikanischen Betrügers des 20. Jahrhunderts

Donatien Koagne – die Legende des größten afrikanischen Betrügers des 20. Jahrhunderts

Donatien Koagne, genannt „der King“, inszenierte in den 1990er-Jahren einen der spektakulärsten Betrugsfälle der afrikanischen Geschichte. Von Douala bis Johannesburg, von Kinshasa bis Sanaa täuschte der kamerunische Hochstapler Präsidenten, Minister und Spitzenbeamte mit beispielloser Kühnheit. Sein Versprechen: Geldscheine auf wundersame Weise zu vervielfältigen. Es ist das Porträt eines kriminellen Genies, das einfache Chemie in eine Gelddruckmaschine verwandelte – bevor es unter mysteriösen Umständen in jemenitischen Gefängnissen verschwand.

In den 1990er-Jahren avancierte Koagne zum bekanntesten Betrüger Kameruns. Der aus dem Westen des Landes stammende junge Mann brachte es fertig, afrikanische Staatschefs, Minister und einflussreiche Geschäftsleute um Hunderte Millionen Dollar zu erleichtern.

Die Illusion der Geldvermehrung

Koagnes Methode war ebenso simpel wie wirkungsvoll. Er ließ seine Opfer glauben, er verfüge über ein geheimes Verfahren, mit dem sich weißes Papier in echte Banknoten verwandeln lasse. Vor dem Treffen platzierte er echte Dollarscheine zwischen Lagen von weißem Papier und formte so unscheinbare „Pakete“. Vor den Augen seiner Opfer bestrich er diese mit einer angeblichen Wunderflüssigkeit – tatsächlich eine fotografische Säure – und tauchte sie anschließend in eine Jodlösung. Während sich das weiße Papier auflöste, blieben die echten Banknoten unversehrt. Minuten später zog Koagne Bündel echter Dollars aus dem Bad. Die Opfer, beeindruckt und geblendet, ließen das Geld bei Banken prüfen: Es war echt. Um das vermeintlich magische Verfahren zu erwerben, zahlten sie bereitwillig hohe Summen – im Durchschnitt rund fünf Millionen CFA-Franc (rd. 7.600 Euro).

Koagne agierte dabei nicht allein. Sein Bruder Gutenberg und seine jüngere Schwester Jeanne-Magloire, genannt „die Prinzessin“, bildeten mit ihm einen eingeschworenen Familienclan. Gemeinsam perfektionierten sie den Betrug und teilten die enormen Gewinne.

Staatschefs im Netz des Betrügers

Koagne inszenierte sich zudem als afrikanischer Monarch. In Johannesburg residierte er in Fünf-Sterne-Hotels, bewohnte Präsidentensuiten und trat in prunkvoll bestickten Gewändern auf. Fotos, die ihn an der Seite von Nelson Mandela zeigten, verliehen seiner Legende zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Die Liste seiner Opfer liest sich wie ein politisches Who’s who des Kontinents: der zaïrische Machthaber Mobutu, der rund 15 Millionen Dollar verlor, der Präsident von Burkina Faso, Blaise Compaoré, mit geschätzten 40 Millionen Dollar Schaden, ebenso wie die Präsidenten von Togo und Kongo-Brazzaville. Hinzu kamen Minister aus Gabun, Tansania, Spanien und Kenia, ein ehemaliger Angehöriger des israelischen Geheimdienstes, mehrere Persönlichkeiten aus Dschibuti sowie ein hochrangiger Beamter aus dem Jemen. Diese Angaben finden sich in einem Bericht des CERI (Sciences Po) aus dem Jahr 2001.

Neben dem Geldvermehrungsbetrug war Koagne auch in andere kriminelle Geschäfte verwickelt: Drogen- und Waffenhandel, Uranhandel, Geldfälschung sowie die Kontrolle illegaler Spielzirkel in Douala.

Verhaftung und rätselhaftes Verschwinden

Der Wendepunkt kam Ende 1994 im Jemen. Koagne hatte dort einen hochrangigen Staatsbediensteten betrogen. 1995 machte er mit einem gecharterten Flugzeug Zwischenstation in Paris. Bei einer Zollkontrolle entdeckten Beamte in seinem Gepäck Banknoten im Wert von zwei Milliarden Dollar. Ermittlungen ergaben, dass es sich um Gelder aus einer amerikanischen Hilfszahlung an den Jemen handelte – Koagne hatte sie gestohlen.

Nach nur fünf Stunden wurde er unter bis heute ungeklärten Umständen freigelassen und kehrte in den Jemen zurück, wo ihn die Polizei umgehend festnahm. Dort erklärte Koagne, er besitze ein Notizbuch mit den Namen all seiner Opfer und den erbeuteten Summen. Dieses Dokument entwickelte sich rasch zu einem internationalen Zankapfel. Sowohl amerikanische als auch französische Stellen sollen versucht haben, an das Heft zu gelangen, um kompromittierte Verbündete zu schützen. Gerüchten zufolge waren sogar afrikanische Staatschefs bereit, hohe Summen zu zahlen, um dessen Inhalt verschwinden zu lassen.

Seit seiner Inhaftierung Mitte der 1990er-Jahre hat niemand Donatien Koagne je wieder gesehen. In Douala kursieren Gerüchte, er sei in jemenitischer Haft umgebracht worden. Andere glauben, er lebe noch immer. Sein tatsächliches Schicksal bleibt ungeklärt.

Ein tragisches Ende nahm auch die Geschichte seiner Schwester Jeanne-Magloire. In der Nacht vom 27. auf den 28. November 2005 wurde sie in ihrem Haus im Viertel Ngousso in Yaoundé brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittler gingen von einer Abrechnung im Umfeld des gefürchteten Koagne-Clans aus – möglicherweise im Zusammenhang mit dem verschwundenen Notizbuch.

Zwischen urbaner Legende und brutaler Realität steht Donatien Koagne bis heute als Symbol für das dunkle Genie einer Epoche, in der Betrug zur Kunstform und Korruption zum Karrieremodell wurde. Sein Imperium zerbrach in Sanaa – doch seine Geschichte hallt bis heute durch die Machtzentren Afrikas. (Quelle: gabonreview)