
Seit Jahren kaschieren Entwicklungshelfer mit hochtrabenden Worten das Scheitern der gesamten westlichen Entwicklungspolitik. Das dient vor allem der Selbsterhaltung des Verteilungsapparats. Denn der lebt vom versickernden Geld. Von *Volker Seitz.
Der einst einflussreiche deutsche Journalist und Humanist Rupert Neudeck (1939–2016) kritisierte bei unseren Treffen immer wieder die Sprache der etablierten Entwicklungshilfe. Sie diene nur der Selbsterhaltung der eigenen Bürokratie, statt Lösungen zu benennen. Er bezeichnete die Entwicklungspolitik, die immer neue Fürsorgeversprechen gebe, als „krank“ und forderte, Korruption und das Versagen der Helfer offen anzusprechen. Die Sprache diene als Maskerade, die das grandios gescheiterte System der westlichen Entwicklungspolitik kaschieren sollte. Das Geld versickere ohne Wirkung. Helfen könne sich die Dritte Welt nur selbst. Neudeck hat viele Punkte aufgegriffen, die bis heute im Argen liegen. Dass Rupert Neudeck noch heute verehrt wird, liegt auch daran, dass er zeit seines Lebens unbequem blieb und sagte, dass Hilfe nur dann gut sei, wenn der Westen sich überflüssig mache. Hilfe dürfe niemals Dauerzustand sein.
Die Kritik von Neudeck hat wenig gefruchtet. Milliarden versickern weiter im Sand. Das System „verdient“ an sich selbst und ist weitgehend immun gegen Kritik. Die Besitzstandswahrung betrifft Zehntausende Angestellte und Unternehmen im Norden, für die „Entwicklung“ ein stabiles Geschäftsmodell ist, das von der Fortexistenz der Probleme lebt. Rupert Neudecks „radikaler Pragmatismus“ scheiterte, weil er ein Angriff auf den Berufsstand des hoch bezahlten „Helfers“ war. Sein Ansatz, mit minimalen Kosten und ohne teure Verwaltung direkt zu helfen, bedrohte die Existenzberechtigung dieser Apparate. Ferner hebelte Neudecks Forderung, Hilfe an harte Bedingungen zu knüpfen oder sie direkt an der Basis zu leisten, die Kontrolle der korrupten „Eliten“ aus. Seine damalige Kritik kann ich im Grunde unverändert wiederholen. Von Veränderungen, die dringend nötig wären, ist weiterhin nichts zu erkennen.
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* *Volker Seitz, Botschafter a.D. und Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“)