„Macht den Weißen“: Cyberattacke trifft die kenianische Regierung

„Macht den Weißen“: Cyberattacke trifft die kenianische Regierung

Am 17. November wurden mehrere Websites und digitale Dienste der kenianischen Regierung durch einen groß angelegten Cyberangriff lahmgelegt, der einige der sensibelsten Portale des Staates traf.

Stundenlang wurden die offiziellen Seiten der Präsidentschaft Kenias, verschiedener Ministerien und der Kriminalpolizei durch extremistische, suprematistisch gefärbte Botschaften ersetzt – ein Vorfall, der im Land für Bestürzung und Empörung sorgte.

Rassistische Botschaften und anonyme Bekennerschreiben
Beim Öffnen der gehackten Seiten stießen Internetnutzer auf eine alarmierende Meldung: „Zugang verweigert durch PCP. Wir werden wieder aufstehen. Macht den Weißen in der Welt.“

Dieser Slogan, der einer Gruppe zugeschrieben wird, die sich PCP@Kenya nennt, erschien auf den Seiten der Präsidentschaft, der Ministerien für Bildung, Gesundheit und Inneres sowie auf der Website der Direktion für Kriminalermittlungen (DCI). Auch die damit verbundenen Online-Dienste – Formulare, Verwaltungsplattformen und Abfragesysteme – wurden unzugänglich gemacht.

Regierung in Alarmbereitschaft
Angesichts der wachsenden Sorge der Nutzer versuchte die Regierung, die Bevölkerung zu beruhigen. „Die Behörden haben den Vorfall so schnell wie möglich behoben“, erklärte Raymond Omollo, Staatssekretär im Innenministerium, und betonte, dass alle technischen Teams sofort nach Entdeckung des Angriffs mobilisiert worden seien.

Auch wenn die Gruppe PCP@Kenya der Hauptverdächtige blieb, war zum Zeitpunkt der schrittweisen Wiederherstellung der Websites noch keine offizielle Bekennung veröffentlicht worden. Die ersten Ermittlungen sollen klären, ob die Gruppe alleine handelte, im Rahmen einer koordinierten Operation – oder um eine andere, tiefergehende Attacke zu verschleiern.

Kenia – wiederkehrendes Ziel von Cyberangriffen in Ostafrika
Dieser Vorfall ist kein Einzelfall in Kenias digitalem Umfeld. Das Land, dessen Verwaltung stark von Online-Diensten abhängt, sieht sich regelmäßig mit Eindringversuchen konfrontiert.

Bereits 2016 war das kenianische Finanzministerium Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden, der einen geschätzten Schaden von 4 Milliarden Schilling – rund 27 Millionen Euro – verursachte.

Im Juli 2023 hatte die Gruppe Anonymous Sudan mehrere Ministerien und das Portal e-Citizen ins Visier genommen – eine zentrale Plattform, über die der Großteil der öffentlichen Dienstleistungen bereitgestellt wird. Der Vorfall paralysierte mehrere Tage lang wesentliche Behördengänge.

Nach Angaben der kenianischen Kommunikationsbehörde verzeichnete das Land zwischen Juli und September 2025 rund 842 Millionen Cyberangriffsversuche. Zu den am stärksten betroffenen Sektoren gehören weiterhin die Finanzbranche, das Gesundheitswesen und der Bildungssektor.

Finanzielle Verluste und anhaltende Verwundbarkeit
Neben öffentlichen Institutionen zahlt auch der Privatsektor einen hohen Preis für Cyberkriminalität. Ein Bericht der Zentralbank von Kenia zeigt, dass Hacker im Jahr 2024 mehr als 1,5 Milliarden Schilling – rund 10 Millionen Euro – aus mehreren Finanzinstituten entwendeten.

Diese Zahlen verdeutlichen die anhaltende Verwundbarkeit des Landes – trotz steigender Investitionen in die Cybersicherheit. Experten fordern eine Verstärkung der Schutzsysteme, eine umfassendere Ausbildung von IT-Teams und eine bessere Koordination zwischen den staatlichen Behörden. (Quelle: afrik.com)