Mangel an Friedhöfen in der Zentralafrikanischen Republik: „Jeden Tag sehen wir sein Grab“

Mangel an Friedhöfen in der Zentralafrikanischen Republik: „Jeden Tag sehen wir sein Grab“

In Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, sind Beerdigungen längst nicht mehr nur ein privater Trauerakt. Sie sind zu einer organisatorischen und sozialen Belastung geworden. Seit fast zehn Jahren gibt es in der Hauptstadt der Zentralafrikanische Republik keinen allgemein zugänglichen öffentlichen Friedhof mehr. Viele Familien haben deshalb keine andere Wahl, als ihre Angehörigen auf dem eigenen Grundstück zu bestatten – hinter Häusern, unter Mangobäumen oder auf kleinen Feldern. Dort liegen heute Väter, Mütter und Kinder begraben, berichtet RFI.

So auch bei Enock Bouaka, der seinen jüngeren Bruder verloren hat. Ohne Alternative, lässt die Familie auf einem privaten Gelände ein Grab ausheben – zwei Meter tief, schlicht und ohne jede Infrastruktur. „Das ist nicht normal“, sagt er. „Aber wir hatten keine Wahl. Es gab keinen Ort, wohin wir ihn hätten bringen können.“ Was eigentlich ein Moment des Abschieds sein sollte, wird zur belastenden Pflicht. „Es geht nicht nur um Platz“, erklärt Bouaka. „Es geht um Würde und unsere Traditionen. Der Ort der Toten ist bei uns heilig.“

Die bestehenden Friedhöfe, die seit der Unabhängigkeit 1960 genutzt wurden, sind längst überfüllt. Claudine Nguingo musste ihren Großvater schließlich neben dem eigenen Haus begraben. „Man trauert – und muss gleichzeitig um einen Platz bitten“, sagt sie. „Jetzt sehen wir jeden Tag sein Grab. Das macht den Schmerz noch größer.“

Auch ehemalige lokale Verantwortliche schlagen Alarm: Ohne zentrale Friedhöfe fehlen Ordnung und Schutz der Gräber. Zudem entstehen gesundheitliche Risiken und Probleme für die Umwelt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden inzwischen neue Standorte für Friedhöfe ausgewählt. Ihre Einrichtung soll in den kommenden Wochen beginnen.