
Rund 56 marokkanische Staatsangehörige ohne gültigen Aufenthaltsstatus wurden von den algerischen Behörden ausgewiesen. Diese Aktion, die von der Marokkanischen Vereinigung zur Unterstützung von Migranten in prekären Situationen begleitet wurde, zeigt eine punktuelle Zusammenarbeit an den Grenzen – trotz angespannter diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern des Maghreb.
Nach mehreren Monaten in Haft oder in irregulären Verhältnissen konnten Dutzende marokkanische Migranten dank einer außergewöhnlichen Operation zwischen Marokko und Algerien in ihr Heimatland zurückkehren. Die Übergabe fand am Grenzposten Colonel Lotfi, auch Zouj Bghal genannt, statt. Die betroffenen Personen – allesamt Männer – waren wegen illegaler Migration oder unerlaubten Aufenthalts festgenommen worden. Sie stammten aus Städten wie Oujda, Nador, Fès oder Kénitra und wurden den marokkanischen Behörden übergeben.
Mobilisierte Familien und soziale Begleitung
Es handelt sich bereits um die vierte ähnliche Aktion seit Jahresbeginn – ein Hinweis auf ein wiederkehrendes Phänomen. Algerien zieht viele Grenzarbeiter an, was unter anderem mit der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Marokko zusammenhängt. Bei ihrer Ankunft wurden die Rückgeführten von zahlreichen Angehörigen empfangen, die sich am Grenzübergang versammelt hatten. Viele Familien wurden von der Vereinigung unterstützt, um die notwendigen Dokumente zusammenzustellen – eine Voraussetzung für die Rückkehr. Die Organisation spielt inzwischen auch eine wichtige Rolle bei der Wiedereingliederung der Betroffenen.
Parallel dazu gibt die Vereinigung an, mehr als 500 Fälle von Marokkanern zu betreuen, die noch im Ausland festsitzen, darunter etwa 120 Personen, die auf ihre Ausweisung warten oder sich in Abschiebehaft befinden. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Migration in der Region. Solche Aktionen sind kein Einzelfall: Am 17. Februar hatte eine ähnliche Grenzöffnung am Übergang Zouj Bghal bereits die Rückkehr von 22 in Algerien festgehaltenen Marokkanern ermöglicht, darunter 20 Männer und zwei Frauen.
Wiederkehrende Operationen seit Monaten
Einige Monate zuvor, im Dezember, waren bereits 16 Personen unter ähnlichen Bedingungen repatriiert worden. Laut Hilfsorganisationen werden diese Migranten oft über lange Zeiträume hinweg festgehalten, bevor sie ausgewiesen werden. Die Gründe für ihre Anwesenheit in Algerien sind nicht immer eindeutig: Einige versuchen, nach Europa zu gelangen, während andere in komplizierten administrativen Situationen feststecken.
Die Lage dieser Migranten ist besonders schwierig, da die algerische Justiz regelmäßig harte, abschreckende Strafen verhängt. Einige junge Marokkaner, die wegen irregulärer Migration oder mutmaßlichen Schmuggels festgenommen werden, können zu Haftstrafen von über zehn Jahren verurteilt werden. Trotz regelmäßiger Rückführungen befinden sich weiterhin viele Marokkaner in Verwaltungshaft in Algerien. Die Vereinigung betreut Hunderte solcher Fälle, darunter auch Personen, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, aber noch auf ihre Ausweisung warten.
Eine diplomatische Krise im Hintergrund
Diese Rückführungsaktionen finden vor dem Hintergrund erheblicher Spannungen zwischen den beiden Ländern statt. Im August 2021 brach Algerien offiziell die diplomatischen Beziehungen zu Marokko ab – eine Entscheidung, die von Ramtane Lamamra verkündet wurde. Algier warf Rabat wiederholt „feindliche Handlungen“ vor, darunter Spionage und politische Einmischung, was eine jahrzehntelange Rivalität weiter verschärfte.
Die algerischen Behörden verwiesen zudem auf Vorwürfe im Zusammenhang mit den Bränden in der Kabylei sowie auf die Unterstützung Marokkos für separatistische Bewegungen. Präsident Abdelmadjid Tebboune überwachte persönlich Maßnahmen zur Verschärfung der Grenzkontrollen. (Quelle: afrik.com)