Marokko: Wenn der Winter mitten im Frühling Einzug hält

Marokko: Wenn der Winter mitten im Frühling Einzug hält

Spektakulärer Hagel in Marrakesch, Schnee im Atlas: Das Königreich erlebt an diesem Aprilwochenende 2026 ein außergewöhnliches Wetterereignis. Seit Freitag, dem 10. April, wird Marokko von Unwettern heimgesucht, die für diese Jahreszeit ungewöhnlich heftig sind. Marrakesch wurde nach einem außergewöhnlichen Hagelsturm von einer weißen Schicht bedeckt, während in den Höhenlagen des Atlasgebirges ab 1.800 Metern echte Schneefälle einsetzen.

Die Bewohner von Marrakesch trauten ihren Augen kaum. Am Freitagabend bedeckte ein heftiger Hagelsturm die „rote Stadt“ innerhalb weniger Minuten mit einer weißen Schicht und erweckte den Eindruck von Schneefall mitten im Frühling. Videos verbreiteten sich sofort in den sozialen Netzwerken und zeigten vollständig weiß bedeckte Straßen, von Hagelkörnern übersäte Terrassen und einen Verkehr, der auf rutschigen Fahrbahnen zum Erliegen kam.

Die Generaldirektion für Meteorologie (DGM) stellte jedoch klar, dass es sich – entgegen der Begeisterung vieler Internetnutzer – tatsächlich um Hagel handelte, lokal „tiberouri“ genannt, und nicht um Schnee im eigentlichen Sinne. Die Erklärung liegt in einem klassischen, diesmal jedoch besonders ausgeprägten atmosphärischen Mechanismus: Ein atlantisches Tiefdruckgebiet mit kalten Luftmassen in der Höhe traf auf deutlich wärmere Luft in Bodennähe, was eine starke Instabilität verursachte und die Bildung mächtiger Gewitterwolken (Cumulonimbus) begünstigte.

Der echte Schnee fällt im Atlas

Während Marrakesch nur ein kurzlebiges Naturschauspiel erlebte, kehrt in den marokkanischen Bergen tatsächlich der Winter zurück. Für Samstag, den 11., und Sonntag, den 12. April, werden oberhalb von 1.800 Metern Schneefälle erwartet, mit Neumengen von 10 bis 20 Zentimetern in den Provinzen Midelt, Khénifra, Ifrane, Béni Mellal, Azilal, Al Haouz und Tinghir. Die DGM hat für mehrere Provinzen für das gesamte Wochenende die Warnstufe Orange ausgegeben.

Dieses Ereignis ist Teil einer größeren Störungsphase, begleitet von gewittrigen Schauern mit bis zu 35 mm Niederschlag und Hagelrisiko entlang einer Achse von Marrakesch bis Khouribga. In der Nacht von Freitag auf Samstag weitete sich das Wettergeschehen auf die östlichen Regionen aus, darunter Taza, Figuig, Jerada und Guercif – ein Zeichen für die Verlagerung des Phänomens in Richtung Nordosten des Landes.

Schnee im April: selten, aber nicht beispiellos

Ist Schnee im April in Marokko wirklich so außergewöhnlich? Die Gipfel des Atlas, die mit dem Jebel Toubkal über 4.000 Meter erreichen, erhalten regelmäßig bis in den April hinein Schnee, gelegentlich sogar noch im Mai bei späten Kälteeinbrüchen. Überraschend ist hier eher die Intensität und die große geografische Ausdehnung des Ereignisses, kombiniert mit dem spektakulären Hagel in den Ebenen.

Auf die Frage nach einem möglichen Zusammenhang mit dem Klimawandel reagiert die DGM zurückhaltend: Solche Ereignisse seien Teil der normalen meteorologischen Schwankungen im Frühling, einer Jahreszeit, die in Marokko häufig von instabilen Wetterlagen geprägt ist.

Dennoch: Der Winter 2025–2026 war im Königreich von wiederholten Schneefällen geprägt, insbesondere auf der Strecke Marrakesch–Ouarzazate über den Pass Tizi n’Tichka, der regelmäßig durch Unwetter blockiert wurde. Dieses Aprilwochenende verlängert somit eine ohnehin wechselhafte Saison – und erinnert daran, dass Marokko nicht nur ein Land der Sonne ist, sondern auch ein Gebiet mit Bergen und beeindruckenden klimatischen Kontrasten. (Quelle: afrik.com)