Neue Initiative: Deutsche Automobilindustrie verstärkt Verbindungen mit Afrika

Die deutsche Automobilindustrie sieht das Potenzial auf den afrikanischen Märkten und verstärkt ihre Verbindungen mit dem Kontinent. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat mit der African Association of Automotive Manufacturers (Afrikanischer Verband der Automobilhersteller, AAAM) im Rahmen des „PartnerAfrika”-Projektes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) eine Zusammenarbeit vereinbart. Der AAAM ist der erste Automobilverband mit einem panafrikanischen Ansatz und wurde 2015 von weltweit operierenden Automobilherstellern (OEM) gegründet.

Die auf Partnerschaft basierende Zusammenarbeit zwischen VDA und AAAM bietet beiden Verbänden Vorteile: In Zusammenarbeit mit örtlichen und regionalen Strukturen erleichtert sie der Automobilindustrie den Zugang zu oftmals schwierigen Märkten; überdies ist es im Interesse der deutschen Entwicklungspolitik, die wirtschaftlichen Perspektiven durch die Einbindung des privaten Sektors zu verbessern und nachhaltige Arbeitsplätze und Mobilität in den Partnerländern zu schaffen. Die VDA-AAAM Partnerschaft sieht sich als Motor für dynamisches Wachstum, hohes Innovationstempo und hochmoderne Arbeitsplätze.

Für den VDA konzentriert sich die Zusammenarbeit mit Afrika vorrangig auf die folgenden Ziele: Erweiterung der Nachhaltigkeitsstrategie über Produkte und Produktionsprozesse hinaus auf die Erschließung neuer Energiequellen in Form von E-Fuels (synthetische Kraftstoffe) sowie digitale Mobilitätslösungen, auf die Stärkung der Entwicklungspartnerschaft, die Vergrößerung des Handels- und Investitionsvolumens sowie die Erweiterung des Marktzugangs für Hersteller und Zulieferer. Gleichfalls von Bedeutung ist die Förderung der Entwicklung von lokalen Versorgungs- und Wertschöpfungsketten. Außer Stakeholder Management und Partnerschaften umfasst das umfangreiche Programm weitere Themen wie die Förderung von Ausbildung und Beschäftigung.

Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, erklärt: „Wir sehen in der Partnerschaft mit dem AAAM einen wichtigen Schritt, da der VDA sein Engagement in Afrika ausbauen wird. Mit dem Gemeinschaftsprojekt verfolgen VDA und AAAM das Ziel, die Bedingungen für eine aufstrebende Automobilindustrie auf dem afrikanischen Kontinent zu verbessern, um Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Afrika zu erhöhen. Damit soll es sowohl deutschen als auch afrikanischen Mitgliedsunternehmen ermöglicht werden, am Marktwachstum teilzuhaben und Win-win-Situationen im Handels- und Investitionsaustausch zwischen Europa und Afrika herzustellen. Dieses Engagement von VDA und AAAM ist ein wesentlicher Beitrag zu Wachstum und Wohlstand in Afrika, unterstützt durch die Investitionstätigkeit der Automobilhersteller und Zulieferer auf diesem Schwellenkontinent.” Eine verbandsintern gebildete Gruppe für die Verbändepartnerschaft am Sitz des VDA in Berlin sowie zwei Projektbüros in Südafrika und Ghana haben jetzt die Verantwortung für die Umsetzung des Projektes; zudem unterstützen sie die direkten lokalen Kontakte für Mitglieder und Partner.

Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es einige Länder mit rasch wachsender Wirtschaft, einer jungen, wachsenden Bevölkerung und hohem Urbanisierungstempo bei einem noch sehr niedrigen Motorisierungsgrad. Im Jahr 2035 wird der Kontinent weltweit voraussichtlich das größte Arbeitskräftepotenzial haben1. Die Sektoren Automobil und Logistik nehmen durch ihre nachhaltigen Wertschöpfungsketten in den Zuliefernetzwerken, Fertigungsstätten, Distributionsstrukturen und panafrikanischen Handelsbeziehungen Schlüsselstellungen ein. Zudem weist Afrika ein hohes Potenzial bei Innovation, Wachstum und Arbeitsplätzen auf. Der Motorisierungsgrad für Afrika beträgt derzeit lediglich 45 Fahrzeuge pro 1.000 Einwohner und liegt damit erheblich unter dem weltweiten Durchschnitt von 203 Fahrzeugen pro 1.000 Einwohner.

2019 betrug das Gesamtvolumen des afrikanischen Pkw-Marktes 869.000 Neuwagen. Für die deutsche Automobilindustrie bietet Afrika ein hohes Potenzial, sowohl als Markt als auch als Produktionsstandort. 2019 wurden 62.000 Pkw aus Deutschland nach Afrika exportiert. 49 Prozent davon gingen nach Südafrika, dem wichtigsten afrikanischen Markt. 2019 wurden in Südafrika 355.000 neue Pkw verkauft, davon entfielen 119.000 Einheiten auf deutsche Hersteller; das entspricht 34 Prozent.

Die Pkw-Produktion betrug in Afrika 2019 insgesamt zirka 787.000 Einheiten. Mit 349.000 Einheiten fanden 44 Prozent der Produktion in Südafrika statt. Die deutschen Automobilhersteller haben in den vergangenen Jahren ihre Produktion in Südafrika stetig ausgebaut. Im Vergleich zu 2010 hat deren Produktion um 44 Prozent auf 317.000 Einheiten zugenommen. Dies bedeutet, dass 2019 91 Prozent der Pkw in Südafrika von deutschen Herstellern produziert wurden.

Für die deutsche Automobilindustrie wird Afrika immer wichtiger, nicht nur als Exportmarkt, sondern auch für die Produktion vor Ort: In den zurückliegenden Jahren haben deutsche Automobilhersteller und Zulieferer verstärkt nicht nur in die etablierten Märkte in der Maghreb-Region und in Südafrika investiert, sondern auch in die Märkte der Zukunft, wie Ghana und Rwanda.

Die deutsche Automobilindustrie ist weltweit vernetzt. Mit über 2.500 Produktionseinrichtungen im Ausland tragen die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer weltweit zu Wachstum und Wohlstand in über 70 Ländern bei. Dabei nutzen die Unternehmen ihr Know-how auch, um einen Beitrag zu nachhaltiger Mobilität zu leisten, indem sie vor Ort umweltfreundliche Technologien einsetzen.

Die noch gering erschlossenen Märkte Afrikas sind durch stetig steigenden gesamtwirtschaftlichen Konsum gekennzeichnet. Der Anstieg betrug in den letzten Jahren im Durchschnitt 10 Prozent. Die Absatzprognosen für Neufahrzeuge (Light Vehicles) in Afrika liegen für 2027 bei geschätzten 1,8 Mio. Einheiten. Dies ist eine Verdoppelung gegenüber dem Marktvolumen von 2019.

Dave Coffey, CEO des Partnerverbandes AAAM, betont: „Nach Schätzungen unserer Branchenexperten kann der afrikanische Markt für Neufahrzeuge bis 2035 auf ein Volumen von zunächst 3 Mio. Einheiten wachsen, mit Potenzial für 5 Mio., wenn wirkungsvolle Strategien der Automobilwirtschaft und Ökosysteme zum Einsatz kommen. Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit dem VDA und die damit einhergehende Expertise, die Ressourcen und die starke Vernetzung, die die Entwicklung der Automobilindustrie in Afrika nachhaltig unterstützen werden.”

Die Verbände VDA und AAAM unterstützen die Industrialisierung auf dem afrikanischen Kontinent durch den Austausch von Branchen-Know-how, die Schaffung von Austauschplattformen. Sie verstehen ihre Arbeit als „Brückenbau“ zwischen Ländern sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen. Darüber hinaus dürfte Afrika eine immer wichtiger werdende Rolle in der Erzeugung und dem Export von erneuerbaren Energien werden. In der Konsequenz bedarf es belastbarer Handelsabkommen zwischen Afrika und Europa. Auch die Handelsbeziehungen der afrikanischen Länder untereinander sollten erleichtert und intensiviert werden. (Pressebox)