
Die israelische Rüstungsindustrie baut ihre Präsenz in Nordafrika aus: Ein israelisches Luft- und Raumfahrtunternehmen bereitet die Eröffnung der ersten groß angelegten Produktionsanlage für sogenannte Suizid-Drohnen in der Region vor. Die zum Konzern Israel Aerospace Industries (IAI) gehörende Firma Blue Bird Aero Systems steht kurz davor, in Marokko eine solche Fertigungsstätte einzuweihen – ein bedeutender Schritt in der sich entwickelnden Verteidigungsindustrie Nordafrikas.
Suizid-Drohnen, auch „Loitering Munitions“ oder Kamikaze-Drohnen genannt, tragen einen Sprengkopf, kreisen über einem Gebiet, bis ein Ziel identifiziert wird, und greifen dann an, indem sie in das Ziel stürzen. Ihre Missionen können während des Flugs umgeleitet oder abgebrochen werden. Sie reichen von kleinen, aus dem Rucksack startbaren Systemen bis zu größeren Plattformen mit großer Reichweite.
Die Anlage in Benslimane am Stadtrand von Casablanca wird SpyX-Loitering-Munitions montieren – Drohnen, die gezielte Angriffe auf gepanzerte Fahrzeuge, Militärbasen und andere hochwertige Ziele durchführen können.
Während andere afrikanische Staaten bereits begonnen haben, eigene Fähigkeiten für solche Drohnen zu entwickeln – Sudan stellte 2023 die FPV-Kamikaze-Drohne Kamin-25 vor, und Äthiopien eröffnete 2025 das Unternehmen SkyWin Aeronautics zur allgemeinen UAV-Produktion – sticht Marokkos Werk als die erste formalisierte, groß angelegte Anlage hervor, die speziell auf die Produktion eines israelisch entworfenen Systems dieser Art ausgelegt ist.
Jede Drohne trägt einen 2,5-Kilogramm-Gefechtskopf, kann Geschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde erreichen und autonom bis zu 90 Minuten operieren.
Marokkanische Ingenieure werden in Montage, Wartung und Tests ausgebildet – ein Schritt zum Aufbau eines eigenen Fachkräftepools für künftige Rüstungsprojekte.
Nordafrika etabliert sich als Zentrum für fortgeschrittene Rüstungsproduktion
Die Anlage in Casablanca zeigt, dass Nordafrika zunehmend eine Rolle in der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie einnimmt – einem Bereich, der zuvor von europäischen und asiatischen Herstellern dominiert wurde.
Marokko hat seine Verteidigungsinvestitionen unter König Mohammed VI. deutlich erhöht; der Verteidigungshaushalt 2026 erreicht mit 15,7 Milliarden US-Dollar einen historischen Höchststand.
Dieser Anstieg ist Teil eines umfassenden Modernisierungsprogramms der Streitkräfte, das bereits den Erwerb moderner US-Abrams-Kampfpanzer, Atmos-Haubitzen, Barak-8-Luftverteidigungssysteme sowie der präzisionsgelenkten „Extra“-Raketen umfasst.
Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Marokko und Israel im Rahmen der Abraham-Abkommen von 2020 hat die sicherheitspolitische Zusammenarbeit weiter erleichtert. Zwischen 2019 und 2023 entfielen bereits 11 % der marokkanischen Waffenimporte auf Israel, wie das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) berichtet.
Marokkos Investitionen in Drohnenfertigung und andere Hightech-Waffensysteme zeigen das Potenzial der Region, sich zu einem Zentrum militärischer Innovation zu entwickeln.
Durch den Aufbau lokaler Montagekapazitäten, die Ausbildung qualifizierter Ingenieure und die Integration importierter Systeme könnte Nordafrika seine Abhängigkeit von externen Lieferanten reduzieren und gleichzeitig seine industrielle Leistungsfähigkeit stärken.
Während Marokko sich an die Spitze der nordafrikanischen Rüstungsproduktion stellt, könnte die SpyX-Anlage künftig als regionales Drehkreuz für Drohnentechnologie dienen – mit potenziellen Exportmöglichkeiten in ganz Afrika und dem Nahen Osten.
Die Eröffnung dieser Anlage markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer weiterentwickelten Verteidigungs- und Industrieproduktion in der Region. (Quelle: Newsletter Businessinsider)