
Der Chefkoch der senegalesischen Fußballnationalmannschaft, gegen den während des Aufenthalts des Teams bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA Vorwürfe wegen sexueller Belästigung erhoben wurden, hat sich erstmals öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert.
In einem Interview mit der Zeitung L’Observateur weist er sämtliche Vorwürfe zurück, schildert organisatorische Probleme während des Turniers und erläutert seine Sicht der Ereignisse, die schließlich zu seinem Ausscheiden aus der Delegation geführt haben.
In Dakar erklärte der langjährige Chefkoch der „Löwen von Teranga“, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien unbegründet. Er schilderte ausführlich seine Version der Geschehnisse und betonte, dass er sich keiner strafbaren Handlung schuldig gemacht habe.
Logistische Probleme bereits bei der Ankunft
Nach seinen Angaben begann die Problematik bereits mit der Organisation des Aufenthalts der Mannschaft in den USA. Eine in den Vereinigten Staaten lebende Koordinatorin senegalesischer Herkunft, Maya Fall, sei Wochen vor Turnierbeginn mit der Organisation von Unterkunft und Verpflegung beauftragt worden. Bereits nach der Ankunft des Teams in Raleigh im Bundesstaat North Carolina seien jedoch erhebliche Schwierigkeiten aufgetreten.
Streit über die Verpflegung der Nationalmannschaft
Der Chefkoch, der nach eigenen Angaben seit fast 25 Jahren für die Nationalmannschaft tätig ist, berichtet, dass die Küche nicht mit den zuvor bestellten Lebensmitteln ausgestattet gewesen sei. Insbesondere hätten die vorhandenen Produkte nicht den Ernährungsvorgaben der Mannschaft entsprochen, da ausschließlich Halal-Fleisch verwendet werden dürfe. Deshalb habe er sich geweigert, bestimmte Lebensmittel zu verarbeiten, und stattdessen selbst Zutaten in Geschäften eingekauft. Außerdem seien zahlreiche vorab bestellte Lebensmittel entweder gar nicht geliefert worden oder hätten nicht die gewünschte Qualität gehabt. Er habe die Verantwortlichen darüber informiert, die Spieler jedoch bewusst nicht eingeweiht, um deren Konzentration während des Turniers nicht zu beeinträchtigen.
Seine Darstellung des Vorfalls
Nach dem Umzug der Mannschaft nach New Jersey habe er mit den Verantwortlichen des Catering-Unternehmens gesprochen. Dabei habe sich nach seiner Darstellung herausgestellt, dass einige bereits genehmigte Bestellungen nie an die Lieferanten weitergeleitet worden seien. Er habe mehrfach auf die Einhaltung der Ernährungsvorgaben gedrängt und die Vertreter des senegalesischen Fußballverbandes um Unterstützung gebeten.
In diesem Zusammenhang sei es schließlich zu dem Vorfall gekommen, der später die Anschuldigungen ausgelöst habe. Er berichtet, einer aus Costa Rica stammenden Mitarbeiterin des Catering-Teams nur kurz begegnet zu sein. Nach seiner Aussage habe er ihr lediglich freundschaftlich auf den Rücken geklopft, bevor er zum Gebet gegangen sei. Dabei habe es sich ausschließlich um eine höfliche Geste ohne jede weitere Absicht gehandelt.
Vorwürfe entschieden zurückgewiesen
Als er später zurückgekehrt sei, habe man ihm mitgeteilt, dass die Mitarbeiterin diese Berührung als sexuelle Belästigung aufgefasst habe. Der Chefkoch widerspricht dieser Darstellung entschieden. Er erklärt, die Frau zuvor nicht gekannt zu haben und auch nichts über ihre Einstellung oder ihre Aufgaben gewusst zu haben. Ihre Anwesenheit in der Küche sei ihm vor dem Vorfall nicht bekannt gewesen.
Seiner Ansicht nach stehen die Vorwürfe im Zusammenhang mit den Spannungen rund um die Organisation der Delegation. Er vermutet eine gezielte Kampagne, die auf seine Entfernung aus dem Team abgezielt habe. Dabei erhebt er insbesondere Vorwürfe gegen die für die Logistik zuständige Koordinatorin, die seiner Meinung nach die Ereignisse bewusst vorbereitet habe.
Rückkehr nicht überstürzt
Der Chefkoch erklärte außerdem, ihm sei mitgeteilt worden, dass die US-Behörden aufgrund der Anzeige rechtliche Schritte einleiten könnten. Berichte, wonach er die USA fluchtartig verlassen habe, weist er jedoch entschieden zurück. Seine Rückreise nach Senegal sei planmäßig erfolgt und keineswegs eine Flucht vor möglichen Ermittlungen gewesen.
Seit mehr als 25 Jahren im Dienst der Nationalmannschaft
Zum Abschluss erinnert der Chefkoch daran, dass er die senegalesische Nationalmannschaft seit mehr als einem Vierteljahrhundert begleite. Obwohl er nach eigenen Angaben nie einen offiziellen Arbeitsvertrag mit dem senegalesischen Fußballverband unterzeichnet habe, habe er seine gesamte Erfahrung in den Dienst der „Löwen von Teranga“ gestellt und zahlreiche internationale Turniere mit der Mannschaft erlebt.
Er hält uneingeschränkt an seiner Darstellung fest, weist die Vorwürfe sexueller Belästigung vollständig zurück und ist überzeugt, dass seine Entlassung das Ergebnis einer gezielten Intrige gegen seine Person gewesen sei. (Quelle: afrik.com)