
Ich war gerade 2 Wochen im Senegal, wo meine Schwester – ebenso afrikabegeistert wie ich – ein Haus gekauft hat. „Teranga“, das ist das senegalesische Wort für ihre Willkommenskultur und Gastfreundlichkeit, für die die Senegalesen in ganz Afrika bekannt sind und die auch die Touristen zu schätzen wissen. Während mir in Gabun am Flughafen bei der Einwanderungskontrolle oft ein mürrisches „Was wollen Sie hier?“ entgegengeschleudert wird, strahlt hier der Beamte mich an und sagt: „Willkommen im Senegal!“
Eines Tages fahren wir in die Nachbarstadt zum Einkaufen. Nachdem wir bereits eine ganze Stunde in einem Baumarkt herumgelaufen sind (es ist immer noch viel zu machen am Haus), gehts in einen riesigen französischen Supermarkt. Ich bin k.o., außerdem sinds 34 Grad, so dass ich mich lieber in ein danebengelegenes Internetcafé setzen möchte, wo zig daddelnde Menschen vor ihren Handys und Laptops hängen. Man kann auch dort essen und trinken, aber es gibt keinen Verzehrzwang.
Ich nehme Platz gegenüber einem jungen Mädchen und grüße sie freundlich. Sie grüßt zurück und fragt, ob ich ganz alleine sei. „Nein, meine Familie ist im Supermarkt, ich möchte mich währenddessen etwas ausruhen“. Sie: „Möchten Sie etwas essen?“ „Nein, ich warte hier nur, bis sie fertig sind“. Sie daddelt weiter, dann steht sie auf und kommt später mit einem großen Teller mit Essen und 2 Colas zurück, hält mir eine Gabel hin und sagt: „Bitteschön, hier, essen Sie mit, ich habe für 2 bestellt“. sagt sie. Das haut mich nun vom Hocker. Da ich aber kurz vorher gefrühstückt hatte, lehne ich dankend ab und sage ihr, ich hätte vor kurzem gefrühstückt. „Schade“, sagt sie, „ich hätte Ihnen gerne die Freude gemacht“.
Da ich keineswegs unterernährt und hoffentlich auch nicht völlig verarmt aussehe, verstehe ich mal wieder: das ist sie, die Teranga – + in meinem Fall der Respekt vor älteren Menschen! (Ingrid Aouane)