Sicherheit in Afrika: Diese Länder widerlegen die Klischees über den Kontinent

Sicherheit in Afrika: Diese Länder widerlegen die Klischees über den Kontinent

In einer Welt, in der der globale Frieden seinen niedrigsten Stand seit 1945 erreicht hat, stechen einige afrikanische Länder bemerkenswert positiv hervor. Der jüngste Global Peace Index (GPI) 2025, veröffentlicht vom Institute for Economics and Peace, zeigt, dass zehn Staaten des Kontinents inzwischen in puncto Stabilität und Sicherheit mit westlichen Mächten konkurrieren. Eine Realität, die viele festgefahrene Vorstellungen ins Wanken bringt.

Mauritius, seit 18 Jahren unangefochtener afrikanischer Spitzenreiter

Die Insel Mauritius behauptet ihren Titel als friedlichstes Land Afrikas bereits zum achtzehnten Mal in Folge. Mit einem Wert von 1,586 belegt dieser Inselstaat mit 1,3 Millionen Einwohnern weltweit den 26. Platz und liegt damit vor Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Frankreich oder den Vereinigten Staaten. Besonders bemerkenswert: Mauritius ist das einzige Land Subsahara-Afrikas, das in den vergangenen sechs Jahren in keinen inneren oder äußeren Konflikt verwickelt war.

Der friedliche politische Machtwechsel nach dem Sieg der Opposition bei den letzten Wahlen hat dieses Bild einer vorbildlichen demokratischen Stabilität weiter gefestigt. Die diversifizierte Wirtschaft des Archipels, getragen vor allem vom Tourismus und von Finanzdienstleistungen, trägt maßgeblich zu diesem Klima der Ruhe und Sicherheit bei.

Botswana und Namibia komplettieren das südafrikanische Podium

Botswana etabliert sich als zweit­sicherstes Land Afrikas (43. weltweit), dicht gefolgt von Namibia (50. weltweit). Beide Länder im südlichen Afrika weisen mehrere Gemeinsamkeiten auf: stabile Demokratien, niedrige Kriminalitätsraten und das Fehlen bewaffneter Konflikte.

Botswana profitiert von seinen Diamanteneinnahmen und überzeugt durch eine Regierungsführung, die auf dem Kontinent als Vorbild gilt. Namibia wiederum schrieb 2024 Geschichte, als es seine erste Präsidentin wählte – ein Zeichen seiner politischen Reife.

Drei frankophone Länder unter den Top 10

Das Ranking räumt dem frankophonen Afrika einen prominenten Platz ein. Madagaskar erreicht den sechsten Platz in Afrika (59. weltweit) und liegt damit vor eigentlich als sicher geltenden Reisezielen wie Ghana oder Sambia. Trotz eines Rückgangs um 15 Plätze gegenüber 2024 bewahrt die „Große Insel“ eine starke soziale Kohäsion und eine moderate Kriminalität, was Reisenden Sicherheit vermittelt.

Senegal (9. in Afrika, 69. weltweit) bestätigt seinen Ruf als reife Demokratie in Westafrika. Als einziges Land der Region hat es seit seiner Unabhängigkeit keinen Militärputsch erlebt. Ein vorbildlicher interreligiöser Dialog und eine aktive Zivilgesellschaft tragen zu dieser Stabilität bei.

Gambia (4. in Afrika, 55. weltweit) ist die positive Überraschung dieses Rankings. Seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 2017 hat dieser kleine, vom Senegal umschlossene Staat enorme Fortschritte gemacht. Er ist heute das einzige Land Subsahara-Afrikas, das auf der Skala des politischen Terrors die Bestnote erreicht – ein klares Zeichen für einen fest verankerten Rechtsstaat.

Die vollständige Rangliste der 10 sichersten afrikanischen Länder

Afrik. RangLandWeltrangGPI-Wert
1Mauritius26.1,586
2Botswana43.1,762
3Namibia50.1,795
4Gambia55.1,859
5Sierra Leone57.1,887
6Madagaskar59.1,895
7Ghana61.1,921
8Sambia64.1,948
9Senegal69.1,969
10Liberia70.1,975

Quelle: Global Peace Index 2025, Institute for Economics and Peace

Sierra Leone und Liberia: Widerstandskraft nach dem Konflikt

Zwei Jahrzehnte nach verheerenden Bürgerkriegen zählen Sierra Leone (5.) und Liberia (10.) heute zu den friedlichsten Ländern Afrikas. Dieser spektakuläre Wandel zeugt von der Wirksamkeit nationaler Versöhnungsprozesse und vom schrittweisen Aufbau demokratischer Institutionen. Liberia konnte sich innerhalb eines Jahres sogar um sechs Plätze im weltweiten Ranking verbessern.

Ein deutlicher Kontrast zur Sahelzone

Diese positiven Entwicklungen stehen in starkem Gegensatz zur Lage in anderen Teilen des Kontinents. Der zentrale Sahel hat sich zum globalen Epizentrum des Terrorismus entwickelt, wobei Burkina Faso, Mali und Niger von chronischer Instabilität geprägt sind. Die Demokratische Republik Kongo (160.), Südsudan (156.) und Sudan (161.) zählen zu den zehn unruhigsten Ländern der Welt.

Insgesamt waren 36 von 44 Ländern Subsahara-Afrikas in den letzten fünf Jahren in einen Konflikt verwickelt – gegenüber nur sieben im Jahr 2008. Diese besorgniserregende Entwicklung führt der Bericht unter anderem auf ökologische Bedrohungen, schwache staatliche Institutionen und geopolitische Rivalitäten zurück.

Was der Global Peace Index tatsächlich misst

Der Global Peace Index bewertet 163 Länder anhand von 23 Indikatoren, die drei Bereiche abdecken:

  • innere Sicherheit (Terrorismus, Tötungsdelikte, Kriminalität),
  • Ausmaß bestehender Konflikte (Bürgerkriege, diplomatische Spannungen)
  • Grad der Militarisierung (Verteidigungsausgaben, Truppenstärke).

Jedes Land erhält eine Bewertung zwischen 1 (vollständiger Frieden) und 5 (extreme Gewalt).

Dieses Ranking unterscheidet sich vom Numbeo-Index, der auf den Wahrnehmungen der Einwohner basiert und Ruanda an die Spitze Afrikas setzt. Beide Ansätze ergänzen sich: Der eine misst strukturellen Frieden, der andere das alltägliche Sicherheitsempfinden der Bevölkerung.

Ein ermutigendes Signal für Tourismus und Investitionen

Für Reisende und Investoren stellt dieses Ranking einen wertvollen Anhaltspunkt dar. Es zeigt, dass viele afrikanische Reiseziele Sicherheitsbedingungen bieten, die mit denen regelmäßig besuchter westlicher Länder vergleichbar oder ihnen sogar überlegen sind.

Inzwischen befinden sich 13 Länder Subsahara-Afrikas in der oberen Hälfte des weltweiten Friedensrankings. Eine Realität, die dazu einlädt, pauschale Verallgemeinerungen über einen Kontinent mit 54 Nationen und äußerst unterschiedlichen Lebensrealitäten zu überwinden. (Quelle: afrik.com)