
Das Herz eines der weltweit bekanntesten Naturschutzgebiet Serengeti ist ein Ort der Stille und Meditation, welche nur durch Naturgeräusche unterbrochen wird: man hört das Gras, das im Wind raschelt, oder die Löwen, die sich gegen Abend die Kehlen räuspern. Sind es nur die Tiere, welche diese Stille durchbrechen?

Als ich vor ein paar Wochen eine Safari in der Serengeti buchte, war ich mir nicht bewusst wie allgegenwärtig diese Stille brutal verstört wird durch den Lärm von Benzinjeeps. Man hört und sieht sie überall. Hektisch fahren mehrere Jeeps um eine Gruppe Löwen im Gras herum, auf der Suche nach einem besseren Platz – nach einem besseren Foto. Der Jeep startet, ein enormer Lärm ertönt – verschwunden ist der Ort der Stille. Dies denken sich auch die Löwen, welche sich verstört zurückziehen.
Und doch fiel mir bei meiner Safari etwas Neues auf. Kein Dieselgeruch bei Sonnenaufgang. Kein raschelnder Motor, der den Moment unterbricht, in dem sich ein Gepard streckt. Es fuhr ein Jeep vorbei in kompletter Stille: Elektrisch. Elektrische Jeeps in der Serengeti – dies klingt wie ein Witz. Und doch sind sie da. Einige Lodge-Betreiber in Tansania (u..a Denis Lebouteux) und en Touroperator wie «Tanzania Unique Adventures GmbH» aus Grabs (SG) testen batteriebetriebene Fahrzeuge als Alternative zu den traditionellen Dieselautos. Ziel: weniger Emissionen, weniger Lärmbelästigung und ein geringerer ökologischer Fussabdruck in einem empfindlichen Ökosystem.
Die ersten Ergebnisse sind meiner Meinung nach positiv. Elektro-Jeeps sind nahezu geräuschlos und stossen lokal keine Abgase aus. Guides berichten, dass die Tiere weniger scheu sind und es einfacher ist, sich Gruppen zu nähern, ohne ihr natürliches Verhalten zu stören. «Wir müssen unsere Stimme nicht mehr über den Motor erheben», sagt mein Safari-Guide und Direktor von Tanzania Unique Adventures LTD, Ally Hamad Mwambujedie, der an einer Testfahrt in der zentralen Serengeti teilnimmt.
«Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge passt zu einem breiteren Trend hin zu nachhaltigerem Tourismus in Ostafrika», erwähnt Mayra Markies (CEO Tanzania Unique Adventures). Lodges investieren zunehmend in Solarenergie und versuchen, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. In abgelegenen Gebieten, in denen Kraftstoff per Lkw angeliefert werden muss, kann die Elektrifizierung zudem logistische Vorteile bieten. Ein elektrischer Jeep wird in diesem Umfeld nicht mehr als störende Faktor wahrgenommen, noch von den Tieren, noch von den Menschen. Es bewegt sich im Einklang mit der Natur – der magische Ort der Stille ist wieder zurück.
Dennoch gibt es auch Vorbehalte. Die Reichweite von Elektro-Jeeps ist auf 250 km begrenzt, und das Aufladen ist nur in Lodges mit ausreichender Stromkapazität möglich. Das macht die Fahrzeuge vorerst weniger geeignet für lange Tagesausflüge oder intensive Nutzung. Darüber hinaus stellen Umweltorganisationen die Herkunft und Verarbeitung von Batterien in Frage, für die Rohstoffe wie Lithium und Kobalt benötigt werden.
Kritiker weisen auch auf den größeren Zusammenhang des Safaritourismus hin. Internationale Besucher reisen meist mit dem Flugzeug nach Tansania, was mit erheblichen CO₂-Emissionen verbunden ist. «Elektrojeeps verringern zwar die Auswirkungen vor Ort, lösen aber nicht das Klimaproblem des Tourismus insgesamt», sagt ein Nachhaltigkeitsexperte einer regionalen NGO. Die tansanischen Behörden verfolgen die Entwicklungen mit Interesse, haben jedoch noch keine spezifischen Vorschriften für den Elektroverkehr in Nationalparks erlassen. Vorläufig bleiben die Projekte kleinräumig und experimentell.
«Trotzdem bin ich überzeugt, dass man diesen Weg gehen muss», meint Mayra Markies, CEO von «Tanzania Unique Adventures GmbH». «Es braucht ein Wandel, weg von den gebahnten Wegen in einer neuen Zukunft der Stille und Achtsamkeit». Irgendwann wir die Reichweite von den elektrischen Jeeps grösser werden und auch die Verarbeitung der Batterien wird besser werden. Man kann und darf jedoch so nicht weiter gehen, wie bisher in der Serengeti, weil es das fragile Ökosystem komplett zerstören würde».
Diese Worte lassen mich aufhorchen. Vielleicht ist der grösste Gewinn im Moment vor allem symbolischer Natur. Ein Elektro-Jeep regt einem zum Nachdenken an. Über das Tempo – man fährt langsamer, wenn man weiss, dass die Reichweite begrenzt ist. Über Aufmerksamkeit – Stille macht einen aufmerksamer. Über Verantwortung – wenn sogar hier, in der Serengeti, die Frage gestellt wird, wie wir uns fortbewegen, dann gilt diese Frage überall. Die Serengeti braucht dabei keinen Applaus, keine Pressemitteilung, keine Ladekarte. Sie verlangt nur Raum, Zeit und ein bisschen Zurückhaltung. Ob ein Elektro-Jeep das bieten kann, wird sich zeigen. Aber als mein Elektrojeep lautlos vorbeifuhr und eine Herde Giraffen nicht einmal den Kopf hob, dachte ich: Vielleicht ist es keine Komplettlösung. Aber es ist ein Anfang zurück zum Ort der Stille.

Um mit den Worten von Prof. Dr. Marco Conca, Honorarkonsul von Tansania in Italien abzuschliessen: «Naturschutz ist keine Wahl, sondern eine Verpflichtung. Wer die Schönheit Tansanias erleben möchte, muss lernen, dem Land etwas zurückzugeben, das uns so viel schenkt.» (Gert-Jan Kamphuis)