
Der Ölpreis hat mit 115 US-Dollar pro Barrel einen historischen Höchststand erreicht. Während die Kraftstoffpreise in Europa und Amerika weiter steigen könnten, bleiben sie in vielen afrikanischen Ländern bislang stabil. Der Grund: Zahlreiche Regierungen subventionieren Benzin und Diesel, um die Verbraucher vor starken Preisschwankungen zu schützen. Doch diese Subventionen könnten die Staatshaushalte zunehmend überfordern. Die Angriffe der Huthi-Rebellen auf saudi-arabische Ölanlagen und die Spannungen mit dem Iran in der Straße von Hormus beeinträchtigen den weltweiten Öltransport erheblich. Deshalb könnten die Rohölpreise in den kommenden Tagen weiter steigen, vermutet RFI.
Milliardenschwere Belastung für afrikanische Staaten
Die staatlichen Kraftstoffsubventionen entwickeln sich für zahlreiche afrikanische Länder zu einer ernsthaften finanziellen Bedrohung. In Abidjan, der Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste, kostet ein Liter Diesel an der Tankstelle derzeit umgerechnet 1,10 Euro. In Europa liegt der Durchschnittspreis dagegen bei etwa 2,15 Euro.
„Die meisten westafrikanischen Länder, insbesondere die frankophonen Staaten, haben feste Kraftstoffpreise, die somit faktisch subventioniert werden“, erklärt Charles Thiémélé, Direktor für die Geschäftsentwicklung in Afrika beim Rohstoffhandelsunternehmen OAT Trading.
Die finanziellen Folgen seien erheblich: „Wenn diese Ausgaben nicht kontrolliert werden, können sie schnell mehrere Hundert Millionen Dollar erreichen und im Extremfall an die Milliardengrenze heranreichen. Gemessen an den Staatshaushalten der betroffenen Länder handelt es sich um enorme Summen.“
Steigende Staatsverschuldung und drohende Zahlungsunfähigkeit
Je höher der Ölpreis steigt, desto stärker wächst die finanzielle Belastung der Regierungen. Die Subventionen treiben die Staatsverschuldung in die Höhe und könnten langfristig die Zahlungsfähigkeit einzelner Länder gefährden.
Für Charles Thiémélé macht die aktuelle Entwicklung eine Reform der Subventionspolitik unumgänglich: „Es kann nicht die Aufgabe der Staaten sein, Energie auf unbegrenzte Zeit zu subventionieren. Wenn Energie teuer ist, muss sie letztlich zu ihrem tatsächlichen Preis bezahlt werden. Ich gehe deshalb davon aus, dass die Liberalisierung schrittweise erfolgen wird. Jedes Land wird selbst entscheiden müssen, wann der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist. Andernfalls drohen weitere Krisen, in denen Staaten an den Rand des Bankrotts geraten könnten.“
Stabile Preise an der Zapfsäule täuschen über die Krise hinweg
Auch wenn die Verbraucher die steigenden Ölpreise bislang nicht unmittelbar an den Tankstellen spüren, sind die wirtschaftlichen Folgen erheblich. Ein Ölpreis von 115 Dollar pro Barrel kann die öffentlichen Finanzen zahlreicher afrikanischer Staaten massiv belasten.
Damit stehen die Regierungen vor einem schwierigen Dilemma: Halten sie an den Subventionen fest, riskieren sie eine weitere Verschuldung. Schaffen sie diese ab, drohen steigende Lebenshaltungskosten und soziale Spannungen.