Zweite Covid-19-Welle in Afrika: Fehlender Zugang zu Sauerstoff und Impfstoffen gefährdet Menschenleben

Sechs der zehn Länder mit dem schnellsten Anstieg bestätigter Covid-19 Fälle befinden sich in Afrika. Die Sterblichkeitsrate im Zusammenhang mit dem Coronavirus ist inzwischen mit 2,5 % höher als der weltweite Durchschnitt (2,2 %). Insbesondere die schnelle Ausbreitung der hochansteckenden in Südafrika nachgewiesenen Mutante ist besorgniserregend. In Malawi, dem Land mit der aktuell zweithöchsten Rate an steigenden Infektionsfällen, verdoppelte sich die Zahl der positiv getesteten Personen innerhalb von nur zwölf Tagen von 9991 auf über 20.000 Fälle. In Nigeria, dem Land mit den meisten Covid-19-Fällen in Westafrika, ist die Nachfrage nach Sauerstoff sprunghaft auf das bis zu Fünffache angestiegen.

Angesichts steigender Covid-19-Infektionen auf dem afrikanischen Kontinent ruft Save the Children die Industrienationen dazu auf, unverzüglich den Kampf gegen die Krankheit zu unterstützen und die Bereitstellung von Impfstoff und medizinischem Sauerstoff zu priorisieren. Andernfalls droht die zweite Corona-Welle das Leben tausender Kinder in Afrika zu gefährden.

Medizinischer Sauerstoff ist in weiten Teilen Afrikas nicht verfügbar oder für Patienten unerschwinglich. Während die Länder des globalen Nordens mit ihren Impfkampagnen beginnen, befürchtet Save the Children, dass viele afrikanische Länder gezwungen sein werden, monatelang zu warten, bevor sie auch nur die schwächsten Menschen und das wichtigste Gesundheitspersonal impfen können.

„Aktuell sichern sich die Länder mit hohem Einkommen die zur Verfügung stehenden Impfstoffe – auf Kosten der Impfinitiative Covax“, sagt Ian Vale, Save the Childrens Regionaldirektor im östlichen und südlichen Afrika. Covax strebt einen fairen Zugang zu Corona-Impfstoffen auch für Menschen in ärmeren Ländern an. Ziel der Initiative ist es, bis Ende 2021 zwei Milliarden Impfdosen für die Ärmsten bereitzustellen.

„Wir verstehen, dass eine gleichberechtigte Verteilung des Impfstoffes schwierig ist, aber es muss alles dafür getan werden, um sicherzustellen, dass es so fair wie möglich zugeht und die enormen globalen Ungleichheiten nicht weiter beschleunigt werden. Die Pandemie zeigt: Unser Schutz beruht auf dem Schutz aller. Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind“, betont Ian Vale.

Die Folgen dieses ungleichen Kampfes gegen die Pandemie sind für Kinder besonders gravierend. Jede Verzögerung bei der Impfung von Gesundheitspersonal könnte Ernährungs-, Immunisierungs- und Basisgesundheitsdienste für Kinder weiter beeinträchtigen. „Auch unsere Teams sind betroffen und müssen ihre Pläne anpassen, um so sicher wie möglich zu arbeiten“, berichtet Kim Koch, Länderdirektor von Save the Children in Malawi. „Mitarbeitende sind krank oder in Quarantäne, kümmern sich um Familienmitglieder oder die Kinderbetreuung. Aber wir arbeiten unermüdlich, um die unmittelbare Gesundheitskrise im Land zu bekämpfen. Wann immer es sicher und notwendig ist, werden wir weiterhin lebensrettende Unterstützung leisten.“

Save the Children fordert die Regierungen auf, bei den Entscheidungen über die Verteilung von Impfstoffen den Richtlinien der Strategic Advisory Group of Experts on Immunization (SAGE) der Weltgesundheitsorganisation zu folgen. Dazu gehört auch, dass Schulpersonal vorrangig nach Gesundheitspersonal und Hochrisikogruppen geimpft wird. Dies ist von entscheidender Bedeutung, um die Sicherheit des Personals zu gewährleisten, sobald Schulen wieder geöffnet sind. Gleichzeitig werden so die beispiellosen Auswirkungen von Schulschließungen auf die Bildung und das Wohlbefinden der Kinder abgemildert. (ots)