2026 – Neue Wege der deutschen Wirtschaft in der Partnerschaft mit Afrika

2026 – Neue Wege der deutschen Wirtschaft in der Partnerschaft mit Afrika

„Wer in die Zukunft investieren will, investiert in Afrika.“ Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt für die deutsche Wirtschaftspolitik gegenüber Afrika. Bereits im Juli 2025 setzte die deutsche Wirtschaft ein deutliches Signal für eine Neuausrichtung der Afrikapolitik – getragen von der Verantwortung Deutschlands als unmittelbarer Nachbar Europas für die langfristige Entwicklung des afrikanischen Kontinents.

Diese Neuausrichtung verlangt eine beschleunigte und entschlossenere Gestaltung strategischer Partnerschaften mit afrikanischen Staaten. In diesem Zusammenhang ist auch der Appell von Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner Neujahrsansprache aufzugreifen, in der er das Jahr 2026 als „Moment des Aufbruchs“ bezeichnete. Gemeint ist ein stärkeres wirtschaftliches Engagement, mehr Mut zu Investitionen und die Bereitschaft, politische wie wirtschaftliche Risiken im globalen Wettbewerb aktiv zu managen.

Industrialisierung als Schlüssel zur Stabilität

Das Bild Afrikas ist derzeit geprägt von anhaltenden bewaffneten Konflikten und humanitären Krisen. Eine Studie des US-amerikanischen Council on Foreign Relations zeigt, dass von weltweit 24 konfliktbelasteten Ländern acht auf dem afrikanischen Kontinent liegen.

Gerade deshalb ist die Industrialisierung Afrikas eine zentrale Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung. Sie steht im Einklang mit der UN-Resolution 44/7237 vom 20. November 2015, aus der auch der jährlich begangene Tag der Industrialisierung Afrikas hervorgegangen ist. Hier liegt zugleich der Kern eines zukunftsorientierten Engagements der deutschen Industrie.

Von Entwicklungshilfe zu Investitionspolitik

Der Blick auf afrikanische Märkte darf nicht länger überwiegend durch die Brille klassischer Entwicklungshilfe erfolgen – zumal das Budget des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für 2026 weiter gekürzt wurde. Die eigentliche Aufgabe liegt vielmehr in der gezielten Intensivierung der Investitionspolitik und in der Umsetzung angepasster Projekte vor Ort.

In der anhaltenden Debatte über Sinn und Zweck von Entwicklungshilfe lohnt ein Blick auf die Argumentation von V. Seitz in „Afrika: Wagniskapital statt Wohltätigkeit“ (afrika-positive.de, Nr. 99/26), die für eine stärker wirtschaftlich getragene Zusammenarbeit plädiert.

Politische Impulse und internationaler Wettbewerb

Die Afrikareisen von Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Merz im November 2025 sowie im Januar 2026 haben bei afrikanischen Partnern spürbares Interesse an einer vertieften wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Deutschland geweckt – ausdrücklich auf Basis gegenseitigen Engagements.

Gleichzeitig ist der Wettbewerb intensiv: China, Indien, Japan, Russland, die Türkei und die USA sind mit umfangreichen Entwicklungsprojekten und attraktiven Finanzierungsmodellen stark präsent und entsprechen damit den Erwartungen vieler afrikanischer Regierungen. Dennoch wird die deutsche Wirtschaft weiterhin als verlässlicher und angesehener Investitionspartner wahrgenommen.

Einschätzungen zu ausgewählten Ländern

  • Südafrika verfügt über langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen, insbesondere im Automobilbau. Neue Chancen ergeben sich durch regionale Ansätze unter Einbeziehung von Sambia, Simbabwe und Malawi.
  • Angola ist ein ressourcenreiches Land mit großem Potenzial in Infrastruktur, Rohstoffverarbeitung und Landwirtschaft. Nach 1990 blieben frühere Beziehungen – auch aus DDR-Zeiten – weitgehend ungenutzt, was heute neue Ansatzpunkte eröffnet.
  • Ghana: Aus den Gesprächen der Wirtschaftsdelegation ergaben sich bislang keine konkreten Investitionsprojekte. Die vereinbarte Ausbildungsoffensive kann jedoch nur dann Wirkung entfalten, wenn parallel industrielle und handwerkliche Projekte entstehen, die Beschäftigung sichern. Aufgrund seiner regionalen Rolle bietet Ghana dennoch interessante Perspektiven für neue Vorhaben in Westafrika.

Reformen und Handlungsempfehlungen

Der am 12. Januar 2026 von Bundesministerin Radovan vorgestellte Reformplan zur Entwicklungspolitik enthält bislang überwiegend abstrakte Thesen. Entscheidend wird sein, diese durch eine konstruktive Entwicklungszusammenarbeit mit stärkerer Einbindung der Wirtschaft als kompetentem Investitionsträger mit Leben zu füllen.

Ausgewählte Empfehlungen an deutsche Unternehmen:

  1. Agrarindustrielle Kapazitäten: Aufbau moderner Agrarzentren (Anbau, Verarbeitung, Lagerung), etwa in Ghana – auch als Industrieparks zur Stärkung von Handwerk, Verarbeitung und Ernährungssicherung.
  2. Rohstoffverarbeitung: Erhöhung der lokalen Wertschöpfung durch Verarbeitung vor Ort, unterstützt durch deutsche Machbarkeitsstudien und Anlagentechnik.
  3. Infrastruktur: Ausbau der Bahntechnik für ein panafrikanisches Schienensystem – unter Nutzung der Kompetenzen deutscher Schienenfahrzeughersteller im Wettbewerb mit China und der Türkei.
  4. Dreieckskooperationen Afrika–Indien: Aufbau gemeinsamer Projekte, etwa mit Ghana, im Rahmen der vom BMZ geführten Kooperationslinie mit Indien. Hierzu zählen auch die offiziellen Gespräche von Bundeskanzler Merz mit der indischen Regierung am 12. Januar 2026.

Fazit

Afrika darf nicht aus dem Blick geraten. Eine wirksame, partnerschaftliche Zusammenarbeit erfordert stärkeres operatives Handeln – verbunden mit klaren Erwartungen an afrikanische Akteure hinsichtlich tragfähiger, nachhaltiger Konzepte.

Im globalen Wettbewerb auf dem afrikanischen Kontinent muss die deutsche Wirtschaft ihr positives Ansehen durch engere Partnerschaften nutzen und ihre Marktpositionen kontinuierlich ausbauen.

Ausgearbeitet von:
Dipl.-Oec. Gerd Eckert
Berlin, 12. Januar 2026