
Donald Trump erklärte auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social, dass die Schnellstraße zwischen Tiznit und Dakhla künftig seinen Namen tragen werde. Der US-Präsident dankte König Mohammed VI. persönlich für diese Aufmerksamkeit. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte jedoch keine marokkanische Behörde diese Umbenennung bestätigt.
Dennoch lässt sich hinter diesem symbolträchtigen Geschenk eine deutliche Annäherung an den amerikanischen Präsidenten erkennen, von dem sich Rabat weiterhin viel Unterstützung in der Frage der Westsahara erhofft. Eine Charmeoffensive, die so wenig subtil wirkt, dass sie fast schon eine Baugenehmigung benötigen könnte.
Donald Trump liebt goldene Gebäude, riesige Schilder und alles, was seinen Namen trägt. Nun scheint ihm ein weiterer Wunsch erfüllt zu werden: Eine 1.055 Kilometer lange Straße, die von Tiznit bis nach Dakhla durch das umstrittene Gebiet der Westsahara führt, soll künftig den Namen „President Donald J. Trump Highway“ tragen.
Die Ankündigung erfolgte allerdings nicht in Rabat. Ganz seinem Hang zu exklusiven Mitteilungen über seine eigene Person folgend, veröffentlichte der US-Präsident die Nachricht am Sonntag, dem 26. Juli, auf seinem Netzwerk Truth Social. Darin bedankt er sich bei dem „hochgeschätzten Mohammed VI.“ und erklärt, er freue sich darauf, diese Strecke eines Tages vollständig zu bereisen. Begleitet wird der Beitrag von einem Werbevideo, das das Infrastrukturprojekt als „Straße des Friedens zum Wohlstand“ präsentiert.
Im eigentlichen Text seines Beitrags nennt Trump den genauen Namen der Straße jedoch nicht; dieser erscheint ausschließlich im Video. Auch Stunden nach der Veröffentlichung hatte kein marokkanischer Regierungsvertreter die Namensänderung offiziell bestätigt. Nach Angaben einer vom Institut Géopolitique Horizons zitierten Quelle aus Regierungskreisen soll die Einweihungszeremonie allerdings am 28. Juli in Laâyoune stattfinden. Daher ist bei der Bewertung der formalen Seite Vorsicht geboten, auch wenn der diplomatische Zeitpunkt kaum zufällig gewählt erscheint.
Ein 1.055 Kilometer langes Kompliment
Streng genommen handelt es sich eher um eine Schnellstraße als um eine Autobahn. Doch „Donald-Trump-Schnellstraße“ klang offenbar nicht imposant genug. Wenn man schon schmeichelt, dann mit großem Aufwand – und aus einer Schnellstraße eine „Autobahn“ zu machen, kostet schließlich nichts.
Das Projekt entstand im Rahmen des „Neuen Entwicklungsmodells für die südlichen Provinzen“, das 2015 anlässlich des 40. Jahrestages des Grünen Marsches gestartet wurde. Die Baukosten beliefen sich auf rund 10 Milliarden Dirham (etwa 880 Millionen Euro). Der letzte Abschnitt wurde im Januar 2025 für den Verkehr freigegeben. Die Strecke verbindet Marokko mit Laâyoune, Dakhla und dem künftigen Hafen Dakhla Atlantique. Es handelt sich also keineswegs um eine beliebige Straße, sondern um eines der wichtigsten Vorzeigeprojekte der marokkanischen Strategie zur wirtschaftlichen Integration der Westsahara. Ihr den Namen Trumps zu verleihen, kommt einer riesigen amerikanischen Werbetafel für die marokkanische Westsahara-Politik gleich. Die Ehrung ist zugleich eine politische Botschaft – groß genug, um auch im Weißen Haus wahrgenommen zu werden.
Ein Dank, der wie eine Anzahlung wirkt
Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass die Namensgebung Teil einer ausdrücklichen Vereinbarung wäre. Doch in der Diplomatie sind Geschenke selten uneigennützig – insbesondere dann, wenn sie über tausend Kilometer lang sind.
Marokko weiß, was es Donald Trump verdankt. Im Dezember 2020 erkannte dieser im Rahmen der Abraham-Abkommen und der Normalisierung der Beziehungen zu Israel die marokkanische Souveränität über die gesamte Westsahara an und brach damit mit der jahrzehntelangen Zurückhaltung der Vereinigten Staaten.
Diese Entscheidung verschaffte dem Königreich einen bedeutenden diplomatischen Vorteil, ohne den Konflikt jedoch zu lösen. Für die Vereinten Nationen steht die Westsahara weiterhin auf der Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung. Ihr endgültiger Status soll im Rahmen eines Selbstbestimmungsprozesses für die Bevölkerung geklärt werden.
Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat Rabat daher gute Gründe, diese Beziehungen weiter zu pflegen. Das Königreich dürfte auf zusätzliche politische Unterstützung aus Washington sowie auf ein stärkeres amerikanisches Engagement im Sicherheitsrat hoffen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Straßenbenennung weniger wie eine Ehrenauszeichnung als vielmehr wie eine Anzahlung auf künftige diplomatische Gefälligkeiten.
Die Westsahara als politisches Markenprodukt
Die Strategie mag auf Trump zugeschnitten sein, wirkt jedoch wenig subtil. Anstatt mit rechtlichen Argumenten zu überzeugen, personalisiert Rabat die Westsahara-Frage. Die Westsahara wird zu einem Produkt der Marke Trump. Nach Hotels, Golfplätzen und Hochhäusern folgt nun ein geopolitischer Verkehrskorridor – der möglicherweise irgendwann sogar zu Trump-Hotels und Trump-Golfplätzen bei Dakhla führen könnte.
Auch die Wahl der Strecke ist keineswegs zufällig. Eine Straße in Casablanca nach Trump zu benennen, wäre klassische politische Schmeichelei gewesen. Dem amerikanischen Präsidenten jedoch den Namen jener Verkehrsachse zu widmen, die den von Marokko beanspruchten territorialen Zusammenhang symbolisiert, verleiht der Ehrung eine eindeutige politische Bedeutung.
Die Botschaft an Trump lautet sinngemäß: Sie haben unsere Ansprüche auf die Westsahara auf dem Papier anerkannt – nun verankern wir Sie dauerhaft in der Landschaft. Jetzt liegt es an Ihnen, dafür zu sorgen, dass diese Anerkennung Bestand hat.
Diese Form der „Straßenschild-Diplomatie“ erinnert an Ehrungen, die Israel Donald Trump nach dessen Entscheidungen zu Jerusalem und den Golanhöhen zuteilwerden ließ. So wurden ein Bahnhof nahe der Jerusalemer Altstadt sowie die Ortschaft „Trump Heights“ auf den Golanhöhen angekündigt. Die Projekte brachten vor allem symbolträchtige Schilder und viel öffentliche Aufmerksamkeit hervor.
In diesem Tempo könnte das Königreich bereits die nächsten Vorhaben planen: Einen „Benjamin-Netanjahu-Turm“ in Rabat? Einen „Jared-Kushner-Kreisverkehr“ in Casablanca? Oder ein „Marco-Rubio-Terminal“ in Marrakesch?
Die marokkanische Diplomatie galt lange als geduldig und subtil. Mit der „Donald-Trump-Autobahn“ scheint sie nun einen deutlich direkteren Weg eingeschlagen zu haben. (Quelle: afrik.com)