
Laut dem am 3. August 2026 veröffentlichten Cyberbedrohungsbericht 2026 von Interpol nimmt die Cyberkriminalität in Afrika mit der rasanten Digitalisierung des Kontinents stark zu. Besonders deutlich ist der Anstieg sogenannter Fake-Überweisungsbetrügereien (Business E-Mail Compromise/BEC), bei denen Kriminelle Unternehmen oder Behörden zu falschen Überweisungen verleiten.
Interpol bezeichnet Afrika inzwischen als einen wichtigen Knotenpunkt dieser Betrugsform. Besonders aktiv ist Westafrika. Zu den am stärksten betroffenen Ländern zählen unter anderem Kap Verde (Ransomware), die Elfenbeinküste (Sextortion), Mali (Sextortion und DDoS-Angriffe) sowie Nigeria, das sowohl als Ausgangspunkt als auch als bevorzugtes Angriffsziel gilt.
In mehreren Regionen Afrikas machen Cyberdelikte inzwischen mehr als 30 Prozent aller gemeldeten Straftaten aus. Die häufigsten Bedrohungen sind Phishing-Angriffe (34 % aller registrierten Cybervorfälle), Ransomware sowie digitale Sextortion. Mehr als 600.000 Fälle von Sextortion und bildbasierten Erpressungen wurden auf dem Kontinent registriert. Zunehmend werden dabei auch KI-gestützte manipulierte Bilder eingesetzt, um Jugendliche zu erpressen.
Zwischen 2019 und 2025 verursachten Cyberangriffe in Afrika Schäden von mehr als drei Milliarden US-Dollar. Allein die finanziellen Verluste stiegen von 192 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 484 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Besonders betroffen sind der Finanzsektor, das Gesundheitswesen, die Energieversorgung und öffentliche Einrichtungen.
Interpol meldet zudem Erfolge bei gemeinsamen Polizeieinsätzen in Afrika: Mehr als 1.500 Verdächtige wurden festgenommen, Hunderte Computer sichergestellt und kriminelle Erlöse von über 100 Millionen US-Dollar eingezogen.
Der Bericht hebt auch den Senegal hervor, der gemeinsam mit Ghana, der Elfenbeinküste und Nigeria zu den wichtigsten Akteuren der digitalen Wirtschaft in Westafrika zählt. Das Land hat eine nationale Online-Meldeplattform eingerichtet, die speziell Straftaten gegen Kinder im Internet erfasst.
Gleichzeitig sieht Interpol erheblichen Handlungsbedarf: In 75 Prozent der afrikanischen Staaten fehlen ausreichende gesetzliche Grundlagen, 95 Prozent beklagen mangelnde finanzielle Mittel, Ausbildung und Spezialwerkzeuge für die digitale Forensik. Zudem verfügen 86 Prozent der Polizeibehörden noch nicht über KI-gestützte Ermittlungswerkzeuge. Auch die internationale Zusammenarbeit müsse weiter verbessert werden. (Quelle: allafrica.com/LE SOLEIL)