
Eine Untersuchung von Lighthouse Reports deutet darauf hin, dass zwischen 2000 und 2024 möglicherweise Uran aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) über Kobaltexporte nach China gelangt ist. Die Recherche stützt sich auf interne Dokumente, eine wissenschaftliche Studie und Zeugenaussagen. Die betroffenen Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück.
Die am 30. Juli 2026 von Lighthouse Reports in Zusammenarbeit mit der Financial Times und Le Monde veröffentlichte Untersuchung wirft neue Fragen zu den Kobaltexporten aus der DRK auf. In einem Interview mit RFI erklärte der Journalist Tomas Statius, dass in einem Teil der nach China verschifften Kobaltlieferungen Uran enthalten gewesen sein soll.
Strategischer Rohstoff im Mittelpunkt
Grundlage der Untersuchung ist unter anderem ein internes Memorandum der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) aus dem Jahr 2009, das 2024 bekannt wurde. Darin werden glaubwürdige Hinweise erwähnt, wonach Kobalterze aus Katanga erhebliche Mengen Uran enthielten und dieses als Nebenprodukt des Kobalts exportiert worden sei.
Die Provinz Katanga im Südosten der DRK zählt zu den wichtigsten Bergbauregionen des Landes. Neben Kupfer wird dort vor allem Kobalt gefördert, das unter anderem für Lithium-Ionen-Batterien, digitale Technologien und industrielle Legierungen benötigt wird. Die Lagerstätten enthalten jedoch auch Uran, dessen Export aus der DRK offiziell verboten ist.
Schätzung: 2.000 bis 5.000 Tonnen Uran
Nach Angaben von Tomas Statius werden Nebenprodukte aus dem Bergbau normalerweise kontrolliert. Uran bilde dabei jedoch offenbar eine Ausnahme. China übernimmt heute den Großteil der weltweiten Kobaltraffination, wobei ein erheblicher Teil des Rohstoffs aus der DRK stammt.
Um das mögliche Ausmaß zu bestimmen, arbeitete Lighthouse Reports mit zwei Experten für Kerntechnik zusammen. Deren am 30. Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Studie schätzt, dass zwischen 2000 und 2024 rund 2.000 bis 5.000 Tonnen Uran in Form von Kobalthydroxid nach China exportiert worden sein könnten. Die Forscher betonen allerdings, dass sich aus ihrer Untersuchung nicht ableiten lässt, wofür das Uran später verwendet wurde.
Tenke Fungurume im Fokus
Die Journalisten werteten außerdem Handelsdaten, interne Unterlagen und Aussagen aus dem Bergbausektor aus. Besonderes Augenmerk galt den Importen von Phosphorsäure, die zur Abtrennung von Uran aus Kobalt eingesetzt werden kann. Den Recherchen zufolge reichen die importierten Mengen jedoch nicht aus, um eine systematische Behandlung sämtlicher Erze zu belegen.
Ein Schwerpunkt der Untersuchung ist die Mine Tenke Fungurume Mining (TFM), die heute dem chinesischen Konzern CMOC gehört. Interne Dokumente sollen Urangehalte von bis zu 1.100 ppm (parts per million) in einzelnen Kobaltproben sowie Versuche zur Entfernung des Urans belegen.
CMOC weist Vorwürfe zurück
Nach Angaben mehrerer Quellen seien diese Verfahren jedoch nie flächendeckend angewandt worden. CMOC bestreitet sämtliche Schlussfolgerungen der Untersuchung. Das Unternehmen erklärt, sein Kobalthydroxid erfülle alle geltenden Vorschriften und bei den Exporten habe es keinerlei Zwischenfälle gegeben.
Zudem betont CMOC, weder in der DRK noch in China Uran abzubauen oder abzutrennen. Die gemessenen Urangehalte entsprächen den Anforderungen der Kunden.
Kongolesische Behörden räumen Möglichkeit ein
Die Untersuchung verweist auch auf Aussagen kongolesischer Atomenergie-Verantwortlicher. Der Leiter der nationalen Atomenergiebehörde hält es technisch für möglich, ja sogar wahrscheinlich, dass sich aus den exportierten Erzen Uran gewinnen lasse. Zugleich räumt er ein, dafür keine direkten Beweise zu besitzen.
Seine Behörde plant, an den wichtigsten Exportwegen Strahlungsdetektoren zu installieren.
Gegenüber RFI erklärte Tomas Statius abschließend, dass die geologischen Zusammenhänge zwischen Uran-, Kupfer- und Kobaltvorkommen in Katanga seit Langem bekannt seien. Die Untersuchung werde fortgesetzt, um die möglichen Folgen dieser Exporte sowie deren potenzielle Auswirkungen näher zu untersuchen. (Quelle: afrik.com)