
In Kamerun dokumentiert das Kollektiv „Bringt unsere Söhne und Brüder zurück“ Fälle junger Menschen, die für eine Reise nach Russland angeworben und nach Angaben ihrer Familien anschließend zum Kampf in der Ukraine geschickt wurden. Die Initiative steht eigenen Angaben zufolge mit rund zehn Familien in Kontakt, deren Angehörige ums Leben gekommen oder verschwunden sind, und fordert Auskunft über deren Schicksal. Die kamerunische Regierung bestätigte ihrerseits im Jahr 2026 den Tod von 16 Staatsangehörigen, die an der Seite russischer Streitkräfte an Militäroperationen in der Ukraine beteiligt waren.
Kamerunische Familien und Vertreter der Zivilgesellschaft gründeten im August 2026 das Kollektiv „Bringt unsere Söhne und Brüder zurück“, um Fälle von Staatsangehörigen zu dokumentieren, die für Russland rekrutiert und im Krieg gegen die Ukraine eingesetzt wurden. Nach Angaben des Kollektivs liegen Aussagen von rund zehn betroffenen Familien vor. Den gegenüber der Presse gemachten Angaben zufolge sollen mehrere junge Menschen nach Russland gereist sein, nachdem ihnen Arbeitsplätze, Ausbildungsangebote oder eine finanzielle Vergütung in Aussicht gestellt worden waren. Später hätten sie sich jedoch im Dienst der russischen Streitkräfte wiedergefunden.
Versprechen von Arbeit oder Ausbildung
Nach Darstellung der Familien basiert das angeprangerte Rekrutierungssystem auf Angeboten, die als Arbeits- oder Ausbildungsmöglichkeiten in Russland dargestellt werden. Untersuchungen in mehreren afrikanischen Ländern haben ebenfalls Rekrutierungspraktiken dokumentiert, bei denen mit zivilen Arbeitsplätzen geworben wurde, insbesondere in den Bereichen Logistik, Sicherheit, Mechanik oder Industrie. In einigen Fällen erfahren die Bewerber erst nach ihrer Ankunft in Russland, dass sie einen Militärvertrag unterzeichnen sollen.
Das Phänomen beschränkt sich nicht auf Kamerun. Eine 2026 vom Africa Center for Strategic Studies veröffentlichte Untersuchung berichtet von einem Rekrutierungsnetzwerk, das Staatsangehörige zahlreicher afrikanischer Länder ins Visier nimmt. Bewerber sollen mit hohen Gehältern, Arbeitsplätzen oder Ausbildungsangeboten angelockt und anschließend Tätigkeiten zugeführt worden sein, die mit den russischen Kriegsanstrengungen in Zusammenhang stehen. Eine weitere internationale Untersuchung erfasste mehr als 1.400 Afrikaner aus 36 Ländern, die für die russischen Streitkräfte rekrutiert wurden oder dort im Einsatz sind.
Berichte über Tote und Vermisste
In Kamerun berichtet das Kollektiv, dass einige Familien über mehrere Monate hinweg keinen Kontakt mehr zu ihren Angehörigen hatten. Andere sollen vom Tod eines Familienmitglieds erfahren haben, ohne nach eigenen Angaben genaue Informationen über die Todesumstände oder die Rückführung des Leichnams erhalten zu haben. Die Initiative will die einzelnen Fälle zentral erfassen, um eine Dokumentation über die betroffenen Personen zu erstellen.
Auch die kamerunischen Behörden haben bestätigt, dass Staatsangehörige, die an der Seite der russischen Streitkräfte kämpften, ums Leben gekommen sind. Im April 2026 teilte Kamerun Russland mit, dass 16 seiner Staatsangehörigen bei den Militäroperationen in der Ukraine getötet worden seien. Das kamerunische Außenministerium erklärte damals, es seien Maßnahmen eingeleitet worden, um Kontakt zu den Familien der Verstorbenen aufzunehmen.
Ein in mehreren afrikanischen Ländern dokumentiertes Phänomen
Die Rekrutierung afrikanischer Staatsangehöriger durch Netzwerke, die mit den russischen Kriegsanstrengungen in Verbindung stehen, war 2026 Gegenstand mehrerer Untersuchungen. Entsprechende Fälle wurden unter anderem in Kenia, Ghana, Südafrika und weiteren Ländern des Kontinents dokumentiert. Reuters berichtete im März, dass mehr als 1.000 Kenianer für die russische Armee rekrutiert worden seien, teilweise unter dem Vorwand ziviler Arbeitsangebote. Die Nachrichtenagentur berichtete zudem über ähnliche Bedenken in mehreren anderen afrikanischen Ländern.
Eine im Juni 2026 veröffentlichte Untersuchung beschrieb darüber hinaus den Einsatz von Strukturen und Rekrutierungsnetzwerken in Afrika, mit denen Bewerber für eine Reise nach Russland gewonnen werden. Dem Bericht zufolge nahm die Zahl bestimmter an Ausländer gerichteter Angebote auf russischen Plattformen im Jahr 2025 stark zu. Die Rekrutierung kann dazu führen, dass die Betroffenen militärische Aufgaben übernehmen oder in Industriebetrieben eingesetzt werden, deren Produktion dem Krieg in der Ukraine dient.
Familien verlangen Auskunft
Das kamerunische Kollektiv fordert die Identifizierung der angeworbenen Personen, eine Klärung des Status der als vermisst geltenden Menschen sowie Informationen über die in der Ukraine ums Leben gekommenen Staatsangehörigen. Außerdem verlangt es von den kamerunischen und russischen Behörden, die Hintergründe der gemeldeten Rekrutierungen aufzuklären und Maßnahmen gegen die beteiligten Netzwerke zu ergreifen.
Auch in anderen afrikanischen Ländern sehen sich die Behörden mit ähnlichen Forderungen von Familien konfrontiert, die Informationen über Angehörige suchen, die sich den russischen Streitkräften angeschlossen haben. Die vorliegenden Untersuchungen belegen damit ein Phänomen der Rekrutierung afrikanischer Staatsangehöriger zur Unterstützung der russischen Kriegsanstrengungen. In Kamerun haben die entsprechenden Fälle inzwischen zu einer gezielten Mobilisierung von Familien und Vertretern der Zivilgesellschaft geführt. (Quelle: afrik.com)