Äthiopien: Besorgniserregende Versorgungslage der Vertriebenen nach militärischer Eskalation in Tigray

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist besorgt über die humanitäre Situation in der äthiopischen Region Tigray. In den Gebieten, zu denen die Organisation Zugang hat, leben zehntausende Geflüchtete in verlassenen oder unfertigen Gebäuden. Die Menschen haben kaum Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, Obdach oder gesundheitlicher Versorgung. An manchen Orten gibt es keinen Strom und keine Wasserversorgung mehr, die Telekommunikationsnetzwerke funktionieren nicht und die Banken haben geschlossen. Laut mehrerer Berichte gegenüber Mitarbeitern von Ärzte ohne Grenzen verstecken sich noch immer viele Bewohner in den Bergen und auf dem Land.

Teams von Ärzte ohne Grenzen bieten an mehreren Orten medizinische Versorgung an. So unterstützt die Hilfsorganisation im Osten Tigrays das zweitgrößte Krankenhaus der Region in Adigrat, das ursprüngliche eine Bevölkerung von einer Million Menschen versorgte. Als die Teams dort am 19. Dezember eintrafen, fanden sie die Klinik teilweise nicht mehr funktionsfähig vor. Angesichts der Dringlichkeit der Situation schickte die Organisation Sauerstoffflaschen und Lebensmittel für Patient*innen und deren Betreuer*innen aus dem 120 Kilometer weiter südlich gelegenen Mekele und überwies Patient*innen an das Krankenhaus Afder in der Hauptstadt der Region. Seit dem 23. Dezember betreibt die Hilfsorganisation die Notaufnahme des Krankenhauses sowie die chirurgische, die pädiatrische und die Entbindungsstation. Außerdem bietet sie ambulante Betreuung für Kinder unter fünf Jahren an. Insgesamt nahm Ärzte ohne Grenzen vom 24. Dezember bis zum 10. Januar 760 Patienten in der Notaufnahme des Krankenhauses von Adigrat auf. Neben Adigrat im Osten von Tigray leisten weitere Teams der Organisation im Westen zwischen den Städten Humera und Shire, im Zentrum in Adwa und Axum sowie im Süden in Hiwane und Adi Keyih Hilfe. (msf)