
Die Kämpfe im Norden Äthiopiens verschärfen sich erneut. In Tigray stehen sich Bundestruppen und Kräfte der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) gegenüber. Zahlreiche Zivilisten sollen getötet worden sein, Tausende Menschen sind auf der Flucht.
Die Regierung in Addis Abeba wirft Eritrea, Sudan und Ägypten vor, die tigrayischen Kräfte zu unterstützen. Damit wächst die Sorge, dass der Konflikt über Tigray hinaus eskalieren und weitere Staaten am Horn von Afrika hineinziehen könnte.
Die Beziehungen Äthiopiens zu den drei Ländern sind bereits angespannt. Eritrea, das Addis Abeba im Krieg von 2020 bis 2022 noch unterstützt hatte, hat sich inzwischen von Äthiopien distanziert. Mit Sudan bestehen Spannungen wegen der regionalen Konflikte, während das Verhältnis zu Ägypten vor allem durch den langjährigen Streit um die Nutzung des Nilwassers belastet ist.
Besonders dramatisch ist die Lage für die Zivilbevölkerung. Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichtet von Hunderten Verletzten und überlasteten Krankenhäusern. Die Region hatte bereits im Krieg von 2020 bis 2022 unter massiver Gewalt, Hunger und Zerstörung gelitten.
Angesichts der neuen Eskalation wächst der Druck auf die Afrikanische Union (AU), erneut diplomatisch einzugreifen. Sie hatte 2022 das Pretoria-Friedensabkommen zwischen der äthiopischen Regierung und der TPLF vermittelt. Nun soll sie dazu beitragen, eine weitere Ausweitung des Konflikts zu verhindern und die Zivilbevölkerung zu schützen. (Quelle: Le Pays)