Äthiopien/Tigray: Zehntausende Vertriebene in der Stadt Shire haben wenig zu essen – Besorgniserregendes Ausmaß an Mangelernährung bei Kindern

Die humanitäre Situation in der umkämpften Region Tigray in Äthiopien ist auch Monate nach Beginn der Eskalation der Auseinandersetzungen sehr angespannt. Zehntausende Vertriebene haben sich in die Stadt Shire geflüchtet, die vor November nur etwa 50.000 Einwohner hatte. Die Versorgungslage ist schwierig, ganz besonders bei Nahrungsmitteln. Auch die medizinische Versorgung ist ungenügend.

Ärzte ohne Grenzen leistet in Shire unter anderem mit mehreren mobilen medizinischen Teams in den großen improvisierten Vertriebenenlagern in Schulen und Universitätsgebäuden Hilfe. Sie haben eine Erhebung der Ernährungssituation von Kindern unter fünf Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse sind besorgniserregend, wenngleich das Ausmaß der Mangelernährung noch nicht das Niveau erreicht hat, ab dem man von einem Ernährungsnotstand spricht. „Wir haben bei etwa elf Prozent der Kinder Mangelernährung festgestellt. Neun Prozent der Kinder litten an leichter Mangelernährung, zwei Prozent an schwerer Mangelernährung“, berichtet Juniper Gordon, medizinischer Leiter der Teams in Shire. „Das liegt zwar noch unterhalb des Notstandsniveaus, aber wir müssen das sehr aufmerksam beobachten.“ (Ärzte ohne Grenzen, Text und Foto)