Analyse: Welche Erwartungen stehen im Fokus von Afrika 2021? Ghanas Stern leuchtet weiter!

Der gefährliche Corona-Schirm, der auch schwer belastend über dem ganzen Kontinent liegt, muss unseren Blick richten auf das breit gefächerte und ungleiche Landschaftsbild mit diesen 54 Ländern und den andauernden schwierigsten Lebensverhältnissen der Menschen. Terror und Kriege, ob in Äthiopien, im Sudan oder jüngst, die schweren Anschläge in der SAHEL-Zone von Niger/Mali/Tschad bis Burkina Faso und südlicher in Nigeria. Die Krisenbelastung des Kontinents wird auch permanent stark durch Naturkatastrophen verstärkt. 

Wohin führen uns die künftigen politischen Verhältnisse der afrikanischen Länder  unter den Auswirkungen der Pandemie, und mit  welcher Afrika-Strategie werden Deutschland und EU die bestehenden Beziehungen zum Nachbarkontinent  nachhaltig weiter entwickeln?

Die afrikanischen Länder sind stark differenziert in den traditionellen und ethnischen Lebensweisen, ihren Zivilisationsstrukturen und mit den natürlichen Bedingungen, und es isst ersichtlich, wie diese einschränkend auf Entwicklungsprozesse wirken.

Fakt ist, dass nicht nur Naturkatstrophen den Menschen enormes Leid aufzwingen und in Armut stürzen, sondern dass die politischen Führungsschichten im Staat mit ihrem Verwaltungsapparat ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, insbesondere in erster Linie für Sicherheit, Nahrungssicherung, um Hunger und Armut zu mindern. Für einen nachhaltigen Umbruch in allen Ländern steht die brennende Aufgabe, Lösungen zur Sicherheit zu treffen im Kampf gegen die brutal agierenden Terrororganisationen auf dem Kontinent.

Der internationale Globalisierungszug veränderte in breiter Front Leben und Wirtschaft auf unserem Planeten. Afrika blieb doch am Rand der Prozesse, hat sich schwergetan, sich zu behaupten, um die notwendige Teilhabe zu verstärken. D.h. in der über 60 -jährigen Zeitspanne der Unabhängigkeit der 54 Länder haften diesen immer noch die Symptome des kolonialen Erbes an.

Die sich damals etablierten Machtstrukturen haben sich bis heute unter despotischen Machthabern etabliert, getragen von ungerechten despotischen Ansprüchen Einzelner und Gruppen, die sie sich über Jahre hinweg gegen verstärkt aufbrechende Revolten der oppositionellen Kräfte mit militärischer Gewalt gesichert haben.

Die Eliten, die Politiker müssen sich den demokratischen  Herausforderungen ihres Landes stellen, d.h. Demokratie endlich verstehen und Demokratie leben und  konstruktiv arbeiten.  In jedem Land müssen die demokratischen Kräfte zum Systemwechsel drängen, neue Wege suchen, mit starker Reduzierung der Bürokratie, mit Strategien für eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft, für moderne Strukturen. Afrikanische Länder haben eine junge Gesellschaft, die ihren klugen, progressiven Nachwuchs darstellt für die Führungspositionen der Länder!

Weshalb müssen 80-jährige Männer zur 3. und 4. Wahlperiode zum Präsidenten gehoben werden, wie das z.B. in den Ländern Westafrikas wieder offenkundig wurde und dahinter die Bindungen zu Korruptionshandlungen stehen? Erfreulich ist, und Respekt sage ich dazu, dass im Jahr 2020 in Gabun und Togo Frauen an die Spitze des Staates gewählt wurden!

Ich fand kürzlich den Slogan: „Afrika ist der Kontinent der verschiedenen Geschwindigkeiten“. Für die Zukunft sollte das aber heißen, nicht der coronageprägten Entschleunigung folgen, sondern mit größtem Engagement besonders vom Staatsapparat die eigene Entwicklung flexibel in besserer Qualität voranbringen.

In diese Richtung hat die Politik in  Ghana das Land zu einem guten Ruf als demokratischer Leuchtturm Afrikas geführt. Die am 7.Dezember 2020 durchgeführten 8. Präsidentschafts- und Parlamentswahlen haben im Ablauf und Ergebnis diesen positiven Entwicklungstrend bestätigt.  Präsident Akufo- Addo wurde nach seiner 4-jährigen Amtszeit von seiner Wählerschaft (NPP) wiedergewählt, im Wahlkampf mit dem Herausforderer, der NDC unter Führung von Expräsident Mahama. Ein friedlich demokratisches Ereignis, beispielgebend für die Herausforderungen auf dem Kontinent. Gratulation !

Unter Präsident Akufo-Addo konnte Ghana auf dem krisenanfälligen Kontinent Stabilität erreichen. Im Rahmen der anhaltenden Abhängigkeiten von internationaler Unterstützung  (nicht nur Weltbank ) bietet die Regierung mit ihren Investitions- und Rahmenbedingungen interessante Anreize für internationale Investoren und Akteure für eine effektive  wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Hervorzuheben ist die 2017 staatlich ausgerufene Initiative „OneDistrict, One Factory“, mit Ziel, in jedem Distrikt ein neues Unternehmen zu gründen und dafür potenzielle Investoren zu gewinnen.

Man schätzt ein, dass diese von der Regierung gesteuerte Aktion nicht so erfolgreich gewesen sei. Dazu bemerke ich, dass einerseits die qualitativen Anforderungen des lokalen Bereichs nicht erfüllt wurden und bürokratische Belastungen ein flexibles Handeln störten.

Diese Form der lokalen Entwicklung dürfte von Präsident Akufo-Addo in seiner neuen Strategie fortgesetzt werden, sodass deutsche Akteure, mittelständische Unternehmen gute Chancen erwarten können für neue Kooperationen, auch unter der Prämisse von CwA (Compact with Africa).

Wir sollten uns orientieren auf Entwicklungsprojekte, ausgerichtet auf die natürlichen Bedingungen des Landes, d.h. einerseits stärker als bisher mitwirken an Großprojekten, anderseits  im natürlichen Ressourcenbereich von Bergbau, Rohsstoffen, Forstwirtschaft und Landwirtschaft, in direkter Verbindung mit Verarbeitungskapazitäten. Entscheidend sind Wertschöpfungsketten zu konzipieren, für eigene Leistungen mit der arbeitssuchenden Jugend. Und die Landwirtschaft hat nicht nur in Ghana Priorität.

Es kann doch nicht sein, dass z.B. Farmer einer lokalen wichtigen Tomatenproduktion ihre Basis verlieren, auswandern nach Italien, sich dort in diesem Bereich verdingen, und in Ghana sind Tomatenkonserven aus Italien zu kaufen!  Paradox.

Lange vor Corona hatte ich für Ghana zur Modernisierung der Landwirtschaft für die Errichtung eines Industrieparks zur agrarwirtschaftlichen Modernisierung in einer ausgewählten Region des Landes plädiert. Könnte sich dieser durch die GIZ perspektivisch realisieren?

Verfolgen wir die nächsten Schritte der neuen Regierung Ghanas, die eine Konjunkturbelebung für 2021 vorsieht , denn Präsident Akufo-Adda  erwartet, dass sich      die  Wirtschaft schneller erholt. Es heißt, wir werden wiederbeleben und die Wirtschaft verändern.

Lt. Economist Intelligence Unit (EUI) wird sich das Negativwachstum von 2020                      von 1,1 Prozent des BIP für 2021 bereits wieder mit einem Wachstum von                                  1,8 Prozent und mit 2,7 Prozent für 2022 zeigen.

Ein optimistischeres Comeback des Wirtschaftswachstums für 2021 prognostizierte Finanzminister Ken Ofori-Atta schon im November 2020 mit 5,7 Prozent.

Das für die Entwicklung in Ghana proklamierte Erfolgsrezept wird sich unter der neuen Regierung auch im Corona-Jahr 2021 fortsetzen, sodass die deutsche Wirtschaft die vielseitigen Ansätze der Zusammenarbeit seit 2015 weiterführen bzw. neu aufbereiten werden.

Abschließend steht für die künftigen Beziehungen der EU mit Afrika 2021 die Erwartung  für eine neue Strategie, in die ich die aktive deutsche Mitwirkung unter Bundeskanzlerin, Frau Dr. Merkel sehe. (Dipl.oec. Gerd Eckert)