
Nach der Aufnahme von 20 weiteren Ländern am 1. Mai gilt Chinas Nullzollpolitik nun für nahezu ganz Afrika. Nur ein einziges Land im südlichen Afrika ist von Pekings weitreichendem zollfreien Zugang zum Kontinent ausgenommen.
Eswatini, ein Binnenstaat im südlichen Afrika mit rund 1,2 Millionen Einwohnern, ist das einzige afrikanische Land, das nicht von Chinas ausgeweiteter Nullzollpolitik profitiert. Der Grund für diesen Ausschluss liegt in den weiterhin bestehenden diplomatischen Beziehungen Eswatinis zu Taiwan. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und verfolgt langfristig das Ziel einer „Wiedervereinigung“. Auch wenn einige Beobachter die Spannungen zwischen China und Taiwan mit dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine vergleichen, unterscheiden sich die historischen Hintergründe erheblich.
Der Politikwissenschaftler Wen-Ti Sung von der Australian National University erklärte laut BBC, China „instrumentalisiere seine Beziehungen zu afrikanischen Ländern und zeige, dass Verbindungen zu China an Bedingungen geknüpft sind“, indem es Eswatini ausschließt.
Er fügte hinzu, China wolle der Welt einen deutlichen Unterschied vor Augen führen zwischen der Behandlung seiner „Freunde“ und jener von Verbündeten Taiwans.
Die Binnenlage Eswatinis erschwert die diplomatische Situation zusätzlich: Besucher von außerhalb des Kontinents müssen in der Regel den Luftraum benachbarter Staaten durchqueren, um das Land zu erreichen.
Taiwan und China im diplomatischen Schlagabtausch
Der diplomatische Konflikt spitzte sich im vergangenen Monat zu, als der Präsident Taiwans, Lai Ching-te, faktisch daran gehindert wurde, Eswatini zu besuchen. Die Seychellen, Mauritius und Madagaskar verweigerten ihm Überflugrechte, wodurch seine Reise umgeleitet und letztlich vereitelt wurde.
Taipei warf China daraufhin vor, im Hintergrund Druck ausgeübt zu haben, um den Besuch zu verhindern und „Taiwans internationalen Handlungsspielraum einzuschränken“. Taiwans Verbündete sowie Vertreter in den Vereinigten Staaten sehen den Vorfall als Teil eines größeren Wettbewerbs um diplomatische Anerkennung und Einfluss in Afrika.
Die Vereinigten Staaten haben wiederholt signalisiert, dass sie an der Aufrechterhaltung der verbliebenen Partnerschaften Taiwans auf dem Kontinent interessiert sind, da diese im Kontext der zunehmenden Rivalität zwischen den USA und China strategisch bedeutsam sind.
China hingegen betont, dass die Einhaltung des „Ein-China-Prinzips“ eine legitime souveräne Entscheidung der Staaten sei, und besteht darauf, dass Taiwans internationale Aktivitäten nicht in einer Weise erfolgen dürften, die Pekings Gebietsansprüche untergraben.
Der Vorfall verdeutlicht, wie umkämpft Taiwans diplomatische Präsenz weiterhin ist – insbesondere in Regionen, in denen Chinas wirtschaftlicher und politischer Einfluss wächst.
Unterschiedliche Strategien im Handelskonflikt
Während sich der Handelskonflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten verschärft, verfolgen beide Länder in Afrika völlig unterschiedliche Strategien.
Die USA nahmen 2025 eine wirtschaftlich konfrontative Haltung ein und verhängten Zölle von 30 % auf Länder wie Libyen, Südafrika und Angola. China hingegen geht den entgegengesetzten Weg und hat die Zölle für fast den gesamten Kontinent abgeschafft.
Trotz eines weiterhin erheblichen Handelsungleichgewichts von rund 102 Milliarden Dollar zwischen Afrika und China baut China seinen wirtschaftlichen Einfluss kontinuierlich aus und stärkt seine Position auf dem Kontinent weiter. (Quelle: businessinsider.africa)