
Diese Woche im DAS-Pressespiegel: Frankreich und Kenia richten den Africa Forward Summit in Nairobi aus, das südafrikanische Parlament plant eine Untersuchung zur möglichen Amtsenthebung von Präsident Ramaphosa und in Nigeria finden die Africa Magic Viewers’ Choice Awards (AMVCA) statt.
| Africa Forward Summit 2026 in Nairobi Am Montag und Dienstag richteten Frankreich und Kenia gemeinsam den Africa Forward: Africa-France Partnerships for Innovation and Growth Summit in Nairobi aus. Dabei kamen mehr als 30 afrikanische Staats- und Regierungschefs, Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen, darunter UN-Generalsekretär António Guterres und der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union Mahmoud Ali Youssouf. Zudem nahmen zwischen 1.500 und 2.000 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter teil. Geleitet wurde der Gipfel, bei dem Investitionen, Infrastruktur, Digitalisierung, Energieversorgung sowie Reformen der internationalen Finanzarchitektur im Mittelpunkt standen, von Kenias Präsident William Ruto und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Macron kündigte Investitionen des Privatsektors in Höhe von insgesamt rund 23 Milliarden Euro an – 14 Milliarden Euro von französischen Unternehmen und neun Milliarden Euro von afrikanischen Partnern. Die Investitionen sollen unter anderem in die Bereiche Energie, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Landwirtschaft und Infrastruktur fließen. Nach Angaben des französischen Präsidenten könnten dadurch rund 250.000 Arbeitsplätze in Afrika und Frankreich entstehen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Reformen des internationalen Finanzsystems. Ruto kritisierte die hohen Kosten des Zugangs zu den Kapitalmärkten und ungerechte Risikobewertungen afrikanischer Staaten durch internationale Ratingagenturen. Macron kündigte an, Reformen der internationalen Finanzarchitektur auch beim kommenden G7-Gipfel voranzutreiben. Konkret werde er sich dort für die Schaffung eines Mechanismus für Erstverlustgarantien zur Risikoabsicherung von Investitionen auf dem Kontinent einsetzen. Politisch wurde der Gipfel als Signal für Frankreichs neue Afrika-Strategie verstanden. Erstmals seit Einführung des Formats im Jahr 1973 fand ein Frankreich-Afrika-Gipfel in einem englischsprachigen afrikanischen Land statt. Mit der neuen Bezeichnung der Veranstaltung versuche Frankreich zudem bewusst, sich vom früheren kolonial geprägten Einflussmodell der Françafrique zu distanzieren, so internationale Stimmen. Nach der Verschlechterung der Beziehungen zu vielen frankophonen und insbesondere den Sahel-Staaten, was auch den Rückzug französischer Truppen aus mehreren Ländern der Region zur Folge hatte, versuche Paris zunehmend, seinen Einfluss durch Investitionen, wirtschaftliche Kooperation und Soft Power statt durch militärische Präsenz zu sichern. Macron und Ruto betonten auf dem Gipfel mehrfach eine stärker wirtschaftsorientierte Zusammenarbeit und gleichberechtigte Partnerschaften. Die Wahl Nairobis als Austragungsort des Gipfels blieb nicht unumstritten. Die kenianische Opposition wertete sie als geopolitische Entscheidung Frankreichs im Zuge der Spannungen mit mehreren frankophonen Staaten und warnte vor einer politischen Aufwertung der Regierung Ruto, die innenpolitisch wegen demokratischer Defizite kritisiert wird. Zivilgesellschaftliche und panafrikanistische Gruppen organisierten derweil einen Gegengipfel und kritisierten den Africa Forward Summit als „neokoloniale Offensive“ hinter einer neuen Sprache der Partnerschaft. Dennoch zeigte die Konferenz, dass sowohl Frankreich als auch zahlreiche afrikanische Staaten ihre Beziehungen neu definieren wollen. Kenia und Frankreich nutzten die Gelegenheit zudem zum Ausbau ihrer bilateralen Beziehungen: Am Sonntag vor dem Gipfel unterzeichneten die beiden Staaten elf bilaterale Abkommen zur Vertiefung ihrer Zusammenarbeit, die Investitionen in Höhe von mehr als 1 Mrd. Euro vorsehen. Dazu gehören die Modernisierung des Schienennahverkehrsnetzes Nairobis im Umfang von 12,5 Mrd. Kenia-Schilling (ca. 91 Mio. Euro) sowie die Modernisierung zweier Hafenterminals in Mombasa durch das französische Unternehmen CMA-CGM in Höhe von 104 Mrd. Kenia-Schilling (ca. 700 Mio. Euro). Weitere Vereinbarungen betreffen erneuerbare Energien, den Ausbau des Kipeto-Windparks, digitale Infrastruktur, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz, Nuklearenergie, Landwirtschaft und Bildung. Frankreich ist der fünftgrößte ausländische Direktinvestor in Kenia und der führende bilaterale Partner im Energiesektor. Rund 140 französische Firmen sind in Kenia aktiv. Ausdruck der vertieften Partnerschaft ist auch die Einladung Rutos zum kommenden G7-Gipfel in Frankreich. Hier will der kenianische Präsident die Forderungen und Ergebnisse des Africa Forward Summit präsentieren und politisch vorantreiben. Südafrikas Parlament prüft Amtsenthebungsverfahren Ramaphosas Am Montag kündigte das südafrikanische Parlament an, einen Ausschuss zur Amtsenthebung einzurichten, um die Vorwürfe gegen Präsident Cyril Ramaphosa im sogenannten „Farmgate“-Skandal zu untersuchen. Konkret geht es um einen Bargelddiebstahl aus dem Jahr 2020, den Ramaphosa laut Kritikerinnen und Kritikern vertuscht haben soll. Der aktuelle Beschluss folgt auf ein Urteil des Obersten Gerichts Südafrikas vom Freitag, das einen Parlamentsbeschluss aus dem Jahr 2022 für verfassungswidrig erklärte und aufhob. Mit diesem hatte das Parlament damals die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Ramaphosa im Zusammenhang mit der Affäre verhindert. Die Klage gegen die damalige Entscheidung der Nationalversammlung wurde von den Oppositionsparteien Economic Freedom Fighters (EFF) und African Transformation Movement (ATM) eingereicht. Nach Prüfung der Beweise soll der nun einsetzende Ausschuss entscheiden, ob die Einleitung eines formellen Amtsenthebungsverfahrens empfohlen wird. Ramaphosa erklärte am Montag in einer Fernsehansprache, er werde den Parlamentsbericht, der Beweise für ein mögliches Fehlverhalten seinerseits gefunden haben soll, juristisch anfechten, da er „schwerwiegende Mängel“ aufweise. Zugleich betonte er, entgegen den Forderungen von einigen Oppositionellen wie etwa dem Vorsitzenden der EFF, Julius Malema, nicht zurücktreten zu wollen. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs sehe keinen Rücktritt vor und er wolle dem parlamentarischen Verfahren nicht vorgreifen. Die Democratic Alliance (DA), die zweitgrößte Partei der Regierungskoalition, kündigte derweil an, sich an der Arbeit des Ausschusses zu beteiligen. Zugleich zeigte sie Verständnis für Ramaphosas Ankündigung juristischer Schritte, forderte jedoch eine zügige Bearbeitung des entsprechenden Gerichtsverfahrens. Der African National Congress (ANC) berief für Dienstag eine Sitzung seines Nationalen Exekutivkomitees ein, um über den Umgang mit der Affäre zu beraten. Der sogenannte “Farmgate”-Skandal reicht bis ins Jahr 2020 zurück. Damals wurden auf Ramaphosas Wildfarm „Phala Phala“ mutmaßlich 4 Millionen US-Dollar gestohlen, die Berichten zufolge in Möbeln versteckt waren. Öffentlich wurde der Vorfall erst 2022, nachdem der ehemalige Geheimdienstchef Arthur Fraser Anzeige gegen Ramaphosa erstattet hatte. Ramaphosa wird vorgeworfen, den Diebstahl nicht ordnungsgemäß gemeldet zu haben. Ramaphosa wies bereits damals sämtliche Vorwürfe zurück und erklärte, es habe sich lediglich um 580.000 US-Dollar gehandelt, die aus dem legalen Verkauf von Büffeln an einen sudanesischen Geschäftsmann stammen. Das Parlament, in dem der ANC 2022 noch eine absolute Mehrheit verfügte, lehnte damals die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Ramaphosa ab. 2024 ließ die Staatsanwaltschaft auch weitere Korruptions- und Geldwäschevorwürfe gegen Ramaphosa fallen. Trotz des Einsetzens des Parlamentsausschusses halten viele politische Beobachterinnen und Beobachter eine tatsächliche Amtsenthebung derzeit für unwahrscheinlich. Für eine Amtsenthebung wäre eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erforderlich, die der ANC, der seit der letzten Wahl weiterhin über ein Drittel der Sitze hält, blockieren könnte. Analystinnen und Analysten halten es zudem für möglich, dass Ramaphosas juristisches Vorgehen gegen den ursprünglichen Bericht das Verfahren über Monate verzögern und den Vorgang entsprechend in die Länge ziehen könnte. Gleichzeitig gilt auch ein mögliches Misstrauensvotum der Opposition als denkbar. Hierfür würde eine einfache Mehrheit im Parlament ausreichen. Trotz der Vorwürfe und allgemeinen politischen Herausforderungen des Landes gilt Ramaphosa in Umfragen weiterhin als der beliebteste Politiker Südafrikas. In einer aktuellen Umfrage vom April 2026 lag seine Zustimmungsrate dabei bei etwa 31 Prozent. Und sonst? Am Samstagabend fand die zwölfte Ausgabe der Africa Magic Viewers’ Choice Awards (AMVCA) im Eko Hotel & Suites im nigerianischen Lagos statt. Die Preisverleihung, oft als „afrikanische Oscars“ bezeichnet, ehrte herausragende Leistungen in Film, Fernsehen und digitalen Formaten in insgesamt 32 Kategorien. Besonders erfolgreich war „My Father’s Shadow“ unter der Regie von Akinola Davies Jr., der unter anderem als bester Film ausgezeichnet wurde und Preise für Regie, Drehbuch, Filmmusik und Sounddesign erhielt. Der Film war auch international erfolgreich und wurde als erster nigerianischer Film in die offizielle Auswahl der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2025 aufgenommen. Außerdem gewann er in diesem Jahr einen BAFTA). Linda Ejiofor-Suleiman gewann als erste Person gleich zwei Auszeichnungen – als beste Hauptdarstellerin für „The Serpent’s Gift“ und als beste Nebendarstellerin für „The Herd“. Durch den Abend führten der nigerianische Comedian Bovi Ugboma und die südafrikanische Schauspielerin Nomzamo Mbatha. Unter dem Motto „Honouring Craft, Celebrating Culture“ präsentierten sich zahlreiche afrikanische Stars auf dem roten Teppich in extravaganter Mode. (Deutsche Afrika Stiftung – DAS) |