
Diese Woche im DAS-Pressespiegel: In Sierra Leone findet das 69. ECOWAS-Gipfeltreffen statt, in São Tomé und Príncipe werden die vorläufigen Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen bekannt gegeben, Außenminister Wadephul ist auf seiner dritten Afrikareise in diesem Jahr und in Benin veröffentlichen Forschende die Entdeckung einer lebenden Korallengemeinschaft.
ECOWAS-Gipfeltreffen in Sierra Leone Am Sonntag fand das 69. Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Lungi, Sierra Leone, statt. Dabei wurde Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye zum neuen Vorsitzenden der Regionalorganisation gewählt. Er übernimmt den Vorsitz turnusgemäß von Sierra Leones Präsidenten Julius Maada Bio, der die Funktion seit 2025 innehatte. Zudem ernannten die Staats- und Regierungschefs den früheren senegalesischen Verteidigungsminister und ehemaligen Generalstabschef der Streitkräfte, Birame Diop, zum Präsidenten der ECOWAS-Kommission für die Amtszeit 2026–2030. Diop wird das Amt am 1. September antreten und seinen Vorgänger aus Gambia, Dr. Omar Alieu Touray, ablösen.
Während des Gipfels unterzeichneten die beteiligten Staaten ein zwischenstaatliches Abkommen für die African Atlantic Gas Pipeline (AAGP). Das Abkommen formalisiert die Verpflichtung der ECOWAS-Mitgliedstaaten zu dem strategischen Infrastrukturprojekt, das 2016 auf Initiative Nigerias und Marokkos angestoßen wurde. Die rund 6.800 Kilometer lange Pipeline soll Erdgas aus Nigeria entlang der Atlantikküste über insgesamt 13 Staaten nach Marokko transportieren und dort an das europäische Gasnetz anschließen. Die geplante Transportkapazität liegt bei bis zu 30 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr, wovon bis zu 15 Milliarden Kubikmeter für Marokko und europäische Märkte vorgesehen sind; das verbleibende Volumen soll regionale Märkte der durchquerten ECOWAS-Länder versorgen. Erste Weichenstellungen für die regionale Einbindung der Pipeline waren bereits beim 66. ECOWAS-Gipfel im Dezember 2024 erfolgt (Pressespiegel KW 51/2024). Nach der Unterzeichnung des Abkommens sollen nun zentrale Projektstrukturen geschaffen werden, darunter eine Projektgesellschaft mit Sitz in Casablanca sowie eine übergeordnete Aufsichtsbehörde mit Sitz in Abuja, bevor weitere Investoren eingebunden werden. Ein weiterer formaler Schritt ist die separate Unterzeichnung durch Marokko und Mauretanien, die beide keine ECOWAS-Mitgliedstaaten sind. Erste Abschnitte der Pipeline sollen nach aktuellem Zeitplan ab 2031 in Betrieb genommen werden. Die ECOWAS begrüßte die Zusammenarbeit ihrer Mitgliedstaaten mit Marokko und verwies auf das Potenzial des Projekts für die regionale Energieversorgung, wirtschaftliche Entwicklung und Investitionen im Rahmen der ECOWAS Vision 2050.
Auch bei weiteren Integrationsvorhaben bekräftigte die ECOWAS bestehende Zielsetzungen. Die Einführung der gemeinsamen Währung ECO soll weiterhin 2027 erfolgen und zunächst mit denjenigen Staaten beginnen, die die festgelegten Konvergenzkriterien erfüllen. Länder, die diese Voraussetzungen noch nicht erfüllen, sollen für eine spätere Teilnahme unterstützt werden. Zudem setzte die Gemeinschaft weitere Schwerpunkte bei Ernährungssicherheit und regionaler Vernetzung: Die Umsetzung der ECOWAS Rice Agenda soll beschleunigt werden, um die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten zu verringern, während Maßnahmen zur Senkung der Flugkosten in Westafrika weiter vorangetrieben werden sollen.
Im Bereich Frieden und Sicherheit forderten die Staats- und Regierungschefs transparente Übergangsprozesse in Guinea-Bissau und die Freilassung politischer Gefangener und verurteilten außerdem xenophobe Angriffe auf westafrikanische Staatsangehörige in Südafrika. Zudem bestätigten sie die weitere Umsetzung der regionalen Anti-Terror-Brigade, die bis Juli 2027 vollständig einsatzfähig werden soll. Auch die Beziehungen zu den ausgetretenen AES-Staaten Burkina Faso, Mali und Niger blieben Thema des Gipfels. Die ECOWAS bekräftigte, die Gespräche mit den drei Ländern weiterhin gemeinsam zu führen, und verlängerte das Mandat des Chefunterhändlers Lansana Kouyaté bis Dezember 2026.
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