
Der ENACT-Index ist ein Instrument, das das Ausmaß und die Entwicklung der organisierten Kriminalität auf dem afrikanischen Kontinent misst und bewertet. Er stuft die 54 Länder des Kontinents anhand ihrer Kriminalitätswerte auf einer Skala von 1 bis 10 ein (1 = niedrigste, 10 = höchste Kriminalität) und beurteilt außerdem ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber organisierter Kriminalität ebenfalls auf einer Skala von 1 bis 10 (1 = geringste, 10 = höchste Widerstandsfähigkeit). Die Vorstellung des Index hebt die langfristigen Daten zu kontinentalen Trends hervor und liefert Einblicke in Afrikas regionale Dynamiken durch Keynote-Präsentationen der Ergebnisse.
In Bezug auf Kriminalität weist Kenia einen hohen Durchschnittswert von 7,02 auf und gleichzeitig einen niedrigeren Durchschnittswert bei der Resilienz (5,33). Innerhalb Ostafrikas steht Kenia hinsichtlich der Kriminalität an erster Stelle der neun Länder der Region. Auf kontinentaler Ebene rangiert Kenia auf Platz vier von 54 Ländern, und global liegt es auf Platz 16 von 194 Staaten. Das bedeutet implizit, dass Kenia ein bedeutender Umschlagplatz für organisierte Kriminalität ist. Obwohl regulatorische und institutionelle Rahmenbedingungen zur Bekämpfung organisierter Kriminalität bestehen, gibt es erheblichen Verbesserungsbedarf.
Hinsichtlich der regionalen Dynamiken ist Ostafrika die Region mit den höchsten Werten für Gesamtkriminalität auf dem Kontinent (5,88), gefolgt von Westafrika (5,44). Ostafrika gehört weltweit zu den fünf Regionen mit den höchsten Kriminalitätswerten und gilt als Brennpunkt illegaler Aktivitäten und als starkes Zentrum krimineller Akteure. Deren Einfluss wird durch langanhaltende Konflikte verstärkt, die die Region besonders anfällig für Bedrohungen durch organisierte Kriminalität machen. Der afrikanische Durchschnittswert für Kriminalität liegt bei 5,25, mit einem durchschnittlichen Resilienz-Wert von 3,25.
Kenia liegt bei allen untersuchten kriminellen Märkten über dem Durchschnitt: Menschenhandel (8,0 von 10), Menschenschmuggel (7,5), Erpressung und Schutzgelderpressung (7,0), Waffenhandel (7,5), Handel mit gefälschten Waren (7,0), Heroinhandel (7,5), Kokainhandel (6,0), Cannabis-Handel (6,5), Handel mit synthetischen Drogen (5,5), cyberabhängige Verbrechen (8,0) und Finanzkriminalität (7,5). Diese illegalen Märkte haben negative Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche der kenianischen Gesellschaft. Sie sind nicht nur hochprofitabel, sondern breiten sich auch zunehmend aus.
Der ENACT-Index 2023 – die dritte Ausgabe seit seinem Start im Jahr 2019 – zeigt, dass organisierte Kriminalität weltweit eine tiefgreifende Herausforderung bleibt. Sie stellt eine erhebliche Bedrohung für die Lebensgrundlagen dar und ist ein Hindernis für dringend notwendige internationale Zusammenarbeit, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender politischer, sozialer und wirtschaftlicher globaler Ungleichheiten. Organisierte Kriminalität wächst, indem sie Governance-Lücken, wirtschaftliche Ungleichheiten und politische Spannungen ausnutzt. Die Ergebnisse des ENACT-Index 2023 senden ein deutliches Signal, dass mehr getan werden muss, um das Verhältnis zwischen organisierter Kriminalität und globalen Trends sowie den Einfluss illegaler Ökonomien auf Governance und gesellschaftliches Wohlergehen anzugehen.
Der ENACT-Index ist nicht nur eine analytische Übung: Er soll die Evidenzbasis erweitern, um wirksamere politische Maßnahmen zu ermöglichen. Ein Röntgenbild kann zwar das Problem sichtbar machen, aber es zeigt nicht die Therapie. Daher können die in diesem Bericht präsentierten Erkenntnisse als Werkzeug genutzt werden, um Veränderungsprozesse anzustoßen. (Quelle: ENACT – Global Initiative Against Transnational Organized Crime)
Den gesamten Report finden Sie HIER (engl.)