FES: Der »Sahel-Exit« und die Folgen für Mobilität in Westafrika

FES: Der »Sahel-Exit« und die Folgen für Mobilität in Westafrika

Der Austritt von Burkina Faso, Mali und Niger aus dem Staatenbund ECOWAS ist mehr als ein diplomatischer Bruch. Ein neuer Bericht zeigt eine Region, die sich weg von beispielhafter Integration hin zu verstärkter Fragmentierung bewegt – mit Migrant:innen als Hauptleidtragende.

Ein regionales System unter Druck
Über Jahrzehnte ermöglichte die Regelung der Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS zum freien Personenverkehr über 80 Millionen Westafrikaner:innen das Grenzgängertum; außerdem konnten die ECOWAS-Mitgliedstaaten ihre regionale wirtschaftliche, politische und soziale Integration vertiefen. Nun ist dieses System unter enormen Druck geraten.

Laut einer neuen Studie der FES und des »Civil Society Network on Migration Network« (CSOnetMADE) über die migratorischen Auswirkungen des »Sahel-Exit« (des Austritts Burkina Fasos, Malis und Nigers aus der ECOWAS) ist die Personenfreizügigkeit in der Region bereits schon jetzt eingeschränkter, obgleich deren formeller Rahmen zumindest in Teilen noch Bestand hat. So gibt es wieder Grenzkontrollen, die Anforderungen an die Vorlage von Dokumenten sind strenger geworden und der bislang unkomplizierte Personenverkehr über Staatsgrenzen hinweg ist unwägbarer geworden; an Kontrollposten nehmen Zahlungen von Bestechungsgeldern und Nötigungen zu, ein Zeichen für die Verschiebung weg von einer regelbasierten Mobilität hin zu einer willkürlichen Durchsetzung.

Im Kern dieser Krise steckt eine politische Fragmentierung. Zusätzlich zum »Sahel-Exit« hat die Gründung der »Allianz der Sahel-Staaten« (AES) durch die drei Länder  nicht nur einen klaren Bruch in der regionalen Zusammenarbeit markiert, sondern auch langjährige Schwächen in der rechtlichen und institutionellen Architektur der ECOWAS sichtbar gemacht.

Wachsende menschliche Kosten

Am unmittelbarsten bekommen diese Entwicklungen Migrant:innen und die Grenzgemeinden zu spüren. Umfrageergebnisse der Studie zeigen, dass über jeder Fünfte der Befragten von eingeschränkter Bewegungsfreiheit berichtet, neben einem schrumpfenden Zugang zum Arbeitsmarkt, zu rechtlichem Schutz und sozialen Dienstleistungen. Migrant:innen sind nun verstärkt durch Ausbeutung, Internierung und Diskriminierung bedroht.

Überproportional betroffen sind Frauen und Jugendliche, die beiden mobilsten Bevölkerungsgruppen. Berichte von Erpressung, sexueller Nötigung und Wucherpreisen für den Transport nehmen zu, insbesondere entlang informeller Migrationsrouten. Da legale Migrationswege schwinden, entscheiden sich Migrant:innen immer öfter für inoffizielle Wege, was die Bedrohung durch Menschenhandel und Missbrauch erhöht.

Die Studie verdeutlicht eine bedenkliche Verschiebung: In Westafrika wird Migration von einer geregelten Strategie für den eigenen Lebensunterhalt immer mehr zum Überlebensmechanismus, vornehmlich geprägt durch Unsicherheit.

HIER geht’s weiter. (Friedrich Ebert Stiftung)