
Die meisten marokkanischen Migranten, die in der vergangenen Woche illegal in die spanische Enklave Ceuta gelangt waren, sind inzwischen nach Marokko zurückgekehrt. Unter ihnen finden sich zwar Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, doch eine Gruppe ist besonders stark vertreten: junge Menschen aus den benachteiligten Vierteln der Großstädte.
RFI hat einige dieser Rückkehrer in ihrem Viertel in Casablanca getroffen. Zwischen Erleichterung und Frustration schildern sie, warum sie ihre Heimat verlassen wollten.
Die Szene wirkt zunächst ganz gewöhnlich: Ali lässt sich in einem Friseursalon in der Medina von Casablanca die Haare glätten. Doch vor sechs Tagen gehörte der 22-Jährige zu den Tausenden Marokkanern, die nach Ceuta gelangten.
„Sie haben uns regelrecht misshandelt. Wir leiden noch immer darunter. Ich danke Gott, dass ich noch am Leben bin. Ich habe dem Tod direkt ins Auge gesehen“, erzählt er.
Die Medina von Casablanca zählt zu den ärmsten Vierteln der marokkanischen Wirtschaftsmetropole. „Von hier sind viele junge Leute aufgebrochen. Ich bereue nichts – ich werde es wieder versuchen. Ich werde bis ins hohe Alter an Europa denken. Unser Land ist schön, aber Europa ist besser. Wenn du hierbleibst, kannst du 30 Jahre arbeiten und kommst trotzdem nicht voran – wie ein Hamster im Laufrad“, sagt Ali.
Neben ihm sitzt der 17-jährige Mohammed. Innerhalb nur eines Jahres hat er bereits fünfmal versucht, illegal nach Europa zu gelangen.
„Ich war schon zweimal im Gefängnis. Ich halte es hier nicht mehr aus. Psychopharmaka, Haschisch, Alkohol – hier konsumieren viele alle möglichen Drogen. Solange ich noch minderjährig bin, kann ich mich dort vielleicht noch retten“, berichtet der Jugendliche.
Ein Hauptgrund für die Auswanderungspläne vieler junger Marokkaner ist die hohe Arbeitslosigkeit. Im Jahr 2025 waren 37 Prozent der 15- bis 24-Jährigen in Marokko ohne Arbeit.