Krieg wirft Sudans Wirtschaft um mehr als 30 Jahre zurück – 60 % der Menschen könnten in extreme Armut abrutschen

Krieg wirft Sudans Wirtschaft um mehr als 30 Jahre zurück – 60 % der Menschen könnten in extreme Armut abrutschen

Im dritten Jahr nach Ausbruch des Krieges beziffert ein neuer Bericht dessen Kosten und zeigt auf, welche Maßnahmen für den Wiederaufbau erforderlich sind. Sollte der Konflikt bis 2030 andauern, könnte der Anteil der Menschen im Sudan, die in extremer Armut leben, auf über 60 Prozent steigen – konkret heißt das: 34 Millionen Menschen zusätzlich würden in extreme Armut gedrängt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende neue Analyse, die heute – am Vorabend des dritten Jahrestags des Krieges – veröffentlicht wurde. 

Der Bericht mit dem Titel „Beyond the Conflict: Charting a Path to Sustainable Growth and Development in Sudan“, der vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und dem Institute for Security Studies (ISS) veröffentlicht wurde, bietet die bislang umfassendste langfristige Szenarioanalyse für wirtschaftliches Wachstum und Fortschritt im Sudan seit Beginn der Kämpfe im April 2023. Er beziffert sowohl die Kosten der vergangenen drei Kriegsjahre als auch die möglichen Folgekosten, die bei einem länger anhaltenden Konflikt zu erwarten sind. Allein 2023 verlor der Sudan durch den Krieg schätzungsweise 6,4 Milliarden US-Dollar an Wirtschaftsleistung (BIP). Gleichzeitig wurden in nur einem Jahr fast 7 Millionen Menschen in extreme Armut gedrängt. Das durchschnittliche Einkommen im Land ist auf das Niveau von 1992 gesunken. Der Anteil an Menschen, die in extremer Armut leben ist inzwischen höher als in den 1980er-Jahren. Zusätzlich sind mehr als 13 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben worden. Sollte der Krieg bis 2030 andauern, schätzt der Bericht, dass das Bruttoinlandsprodukt des 

Sudan im Jahr 2043 um 34,5 Milliarden US-Dollar niedriger wäre als bei einem Szenario ohne Krieg. Dies entspräche einem Rückgang des Pro-Kopf-Einkommens um etwa 1.700 US-Dollar. Gleichzeitig würden rund 60 Prozent der Bevölkerung im Sudan – etwa 52 Millionen Menschen – in extremer Armut leben. Das wären rund 34 Millionen mehr als im Szenario ohne Krieg und damit ein Anstieg, der größer ist als die Bevölkerung Ghanas.   

„Drei Jahre nach Beginn des Konflikts, befinden wir uns nicht nur in einer Krise – wir erleben die systematische Zerstörung der Zukunft des Landes“, sagte Luca Renda, Leiter von UNDP im Sudan. “Diese Zahlen sind nicht abstrakt. Sie stehen für Familien, die auseinandergerissen würden, für Kinder, die nicht in die Schule gehen können, für zerstörte Lebensgrundlagen und für eine Generation von Menschen ohne Zukunftsperspektiven.” Selbst in einem optimistischen Szenario, bei dem der Krieg bereits 2026 endet, würde sich die Wirtschaft nur langsam erholen.  Laut Bericht läge das durchschnittliche Wachstum bis 2043 bei lediglich 1,2 Prozent – deutlich unter dem Durchschnitt einkommensschwacher afrikanischer Länder. Das Pro-Kopf-Einkommen bliebe noch bis weit in die 2040er-Jahre unter dem Niveau der frühen 1990er-Jahre. 

Mithilfe der Szenarioanalyse von „International Futures“ beschreibt der Bericht auch eine Alternative mit dem Titel „Sudan Rising“. Wenn es ein Friedensabkommen gibt und umfassende Reformen in den Bereichen Regierungsführung, Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und Handel umgesetzt werden, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2043 auf 58,2 Milliarden US-Dollar steigen. Das durchschnittliche Wachstum würde dann auf 5 Prozent ansteigen. In diesem Fall könnten 17,3 Millionen Menschen aus extremer Armut befreit werden, und die Lebenserwartung würde um 4,2 Jahre steigen. 

Frieden ist Voraussetzung für Wiederaufbau und wirtschaftliche Erholung – ist jedoch allein nicht genug. Auf eine politische Einigung müssten wirtschaftliche und politische Reformen folgen, getragen von internationaler Unterstützung.  

Die Uhr tickt: „Die Daten zeigen, dass sich die Lage im Sudan noch bessern kann – doch jeder weitere Monat des Konflikts macht das schwieriger und kostspieliger“, sagte Renda. „Die Entscheidungen von heute bestimmen über eine bessere Zukunft im Sudan.“  (UNDP)