Marokko – Blasphemie: König Mohammed VI. in Paris von Unterstützerinnen der Aktivistin Betty Lachgar ins Visier genommen

Marokko – Blasphemie: König Mohammed VI. in Paris von Unterstützerinnen der Aktivistin Betty Lachgar ins Visier genommen
Symbolbild, KI-generiert

Im Musée Grévin hat ein feministisches Kollektiv die Wachsfigur des Königs von Marokko mit einem Trikot überzogen, das die Freilassung der marokkanischen Aktivistin Betty Lachgar fordert, die wegen Verletzung des Heiligen inhaftiert ist.

Die in Paris ausgestellte Wachsfigur von Mohammed VI. wurde am Mittwoch Ziel einer militanten Aktion im Musée Grévin. Mehrere Frauen, die sich als Mitglieder eines feministischen Kollektivs bezeichneten, näherten sich der Statue des marokkanischen Monarchen und zogen ihr ein rotes Trikot mit der Aufschrift „FREE BETTY LACHGAR“ an, bevor sie vom Sicherheitspersonal des Pariser Museums abgeführt wurden.

Mit der Aktion sollte das Schicksal von Betty Lachgar in den Fokus gerückt werden, Mitbegründerin der Alternativen Bewegung für individuelle Freiheiten (MALI), die in Marokko wegen als Blasphemie eingestufter Handlungen inhaftiert ist. Die über sechzigjährige Ikone des säkularen und feministischen Aktivismus in Marokko verbüßt nach einem von ihren Unterstützern als politisch eingestuften Prozess eine Haftstrafe ohne Bewährung.

Fünfzehn Jahre Kampf gegen religiöse Verbote

Bekannt wurde Betty Lachgar bereits 2009, als sie provokante Aktionen gegen die Tabus des Königreichs organisierte. In jenem Jahr hatte sie während des Ramadan ein öffentliches Picknick veranstaltet, um das Recht einzufordern, nicht zu fasten – ein in Marokko strafbares Vergehen. Das von ihr gemeinsam mit der Journalistin Ibtissame Lachgar gegründete MALI fordert seither unablässig die Entkriminalisierung sexueller Beziehungen außerhalb der Ehe, das Recht auf Abtreibung sowie die Gewissensfreiheit.

Ihre Festnahme fügt sich in eine umfassendere Verschärfung der Verfolgung wegen Verletzung des Heiligen im Scherifenreich ein. Mehrere internationale Organisationen, darunter Amnesty International, haben ihre Freilassung gefordert und sind der Ansicht, dass sie allein wegen der Ausübung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert ist.

Das Musée Grévin – unfreiwillige Bühne für Proteste

Das berühmte Pariser Museum dient regelmäßig als Schauplatz spektakulärer Protestaktionen. Seine Statuen ausländischer Staats- und Regierungschefs bieten ein symbolträchtiges Medium, das von Aktivistengruppen geschätzt wird, da es eine unmittelbare mediale Resonanz ermöglicht. Die Museumsleitung wollte den Vorfall nicht kommentieren. Auch die marokkanische Botschaft in Paris reagierte zunächst nicht. (Quelle: afrik.com)