
Marokko hat erneut eine schwere Hitzewelle erlebt, die nahezu das gesamte Staatsgebiet erfasste. In einigen Regionen kletterten die Temperaturen auf fast 50 Grad Celsius. Obwohl die Temperaturen inzwischen wieder etwas gesunken sind, bleibt die Frage, wie lange diese Verschnaufpause anhält. Angesichts des Klimawandels treten Hitzewellen immer häufiger auf – doch das marokkanische Gesundheitssystem ist auf diese Entwicklung weiterhin nur unzureichend vorbereitet, berichtet RFI.
Seit Mai wurde das Land bereits von drei Hitzewellen getroffen. Was früher als Ausnahme galt, entwickelt sich zunehmend zur Normalität. Jeden Sommer steigen die Temperaturen auf neue Höchstwerte. Der Gesundheitsforscher Hamdi Tayeb kritisiert, dass es in Marokko weder verlässliche offizielle Zahlen zur hitzebedingten Übersterblichkeit noch zu zusätzlichen Krankenhausaufnahmen gebe. Dadurch werde das tatsächliche Ausmaß der gesundheitlichen Folgen deutlich unterschätzt.
Ein tragisches Beispiel lieferte bereits der Sommer 2024, als im Krankenhaus von Béni Mellal im Zentrum des Landes 21 Menschen während einer Hitzewelle starben. Das Ereignis machte die Folgen extremer Hitze ebenso deutlich wie die Schwächen des Gesundheitssystems.
Nach Ansicht von Experten muss das Gesundheitswesen umfassend an die neuen klimatischen Bedingungen angepasst werden. Dazu gehören hitzeresistente Krankenhausgebäude, eine entsprechende Ausbildung von Ärzten und anderem medizinischen Personal sowie bessere technische Ausstattung. Vorrangig sei jedoch die Klimatisierung von Krankenhäusern und Kliniken. Wo eine vollständige Klimaanlage nicht möglich sei, sollten zumindest gekühlte Räume für besonders gefährdete Patienten eingerichtet werden.
Bereits im Juni hat das marokkanische Gesundheitsministerium – wie jedes Jahr – seinen nationalen Aktionsplan für Hitzewellen aktiviert. Dieser umfasst unter anderem eine verstärkte Gesundheitsüberwachung sowie zusätzliche Kapazitäten in den Notaufnahmen.