
Mit einer am 7. Juli 2026 unterzeichneten gemeinsamen Ministerialverordnung verschärft Mali seine Maßnahmen gegen Shishas erheblich. Fast vier Jahre nach dem ersten Verbot nehmen die Behörden nun nicht mehr nur Bars und Händler ins Visier, sondern die gesamte Liefer- und Nutzungskette – von der Einfuhr bis zum bloßen Besitz. Die Null-Toleranz-Politik ist zugleich ein Eingeständnis, dass die bisherigen Verbote die Shisha aus dem Alltag nicht verdrängen konnten.
Die neue Verordnung untersagt landesweit die Einfuhr, Herstellung, den Vertrieb, Verkauf, die Vermarktung, den Besitz, den Konsum sowie Werbung und öffentliche Befürwortung von Shishas, Tabamel, entsprechenden Aromastoffen und ähnlichen Geräten. An der Entscheidung waren sechs Ministerien beteiligt, darunter die Ressorts für Sicherheit, Justiz, Gesundheit, Finanzen, Handel und Jugend. Damit wird deutlich, dass die Regierung das Thema nicht mehr ausschließlich als Gesundheitsfrage betrachtet.
Deutlich härtere Strafen
Die Strafverschärfung ist erheblich. Hersteller und Importeure müssen künftig mit Freiheitsstrafen von einem bis drei Jahren sowie Geldstrafen zwischen fünf und 15 Millionen CFA-Franc rechnen. Für Händler und Vertreiber gelten ebenfalls Haftstrafen von bis zu drei Jahren sowie Geldbußen von bis zu drei Millionen CFA-Franc.
Bereits der bloße Besitz einer Shisha wird nun mit drei bis zwölf Monaten Gefängnis und Geldstrafen von bis zu zwei Millionen CFA-Franc geahndet. Bei Wiederholungstätern verdoppeln sich die Strafen automatisch. Lokale, in denen Shishas gelagert oder konsumiert werden, können für sechs bis zwölf Monate oder dauerhaft geschlossen werden. Beschlagnahmte Geräte werden auf Kosten der Besitzer vernichtet.
Damit ersetzt die neue Verordnung die Regelung vom 15. August 2022. Damals waren zwar bereits Einfuhr, Verkauf und Nutzung verboten, die Strafen lagen jedoch lediglich zwischen einem und zehn Tagen Haft sowie Geldbußen von 300 bis 18.000 CFA-Franc.
Behörden verweisen auf Drogenfunde
Als Begründung für das harte Vorgehen führen die Behörden neue Erkenntnisse des Nationalen Gesundheitslabors an. Untersuchungen beschlagnahmter Produkte hätten unter anderem Haschisch, Kush, Crack sowie missbräuchlich verwendete Medikamente nachgewiesen. Damit stützen sich die Behörden erstmals auf offizielle wissenschaftliche Analysen, nachdem die Zentralstelle zur Drogenbekämpfung bereits 2022 davor gewarnt hatte, dass Wasserpfeifen häufig auch zum Konsum anderer Drogen genutzt würden.
Das Verbot von 2022 zeigte nur begrenzte Wirkung
Das erste Verbot führte zwar zur Schließung vieler öffentlich sichtbarer Shisha-Bars, konnte den Konsum jedoch nicht beenden. Nach Inkrafttreten der Maßnahmen im Februar 2023 wurden zahlreiche Kontrollen durchgeführt. Nach Angaben der Zentralstelle zur Drogenbekämpfung wurden zwischen 2024 und dem ersten Halbjahr 2025 mehr als eine Tonne Shisha-Geräte und Zubehör beschlagnahmt, 422 Personen festgenommen und 206 Aufklärungskampagnen durchgeführt.
Dennoch verlagerte sich der Konsum zunehmend in den privaten Bereich. Malische Medien berichten von Treffen in Wohnungen, Lieferdiensten und geschlossenen Netzwerken. Ein befragter Händler erklärte, dass zwar die Bars verschwunden seien, die Nachfrage jedoch unverändert geblieben sei. Die Shisha habe lediglich ihre öffentliche Sichtbarkeit verloren.
Mit der neuen Verordnung will die Regierung nun genau diese Entwicklung bekämpfen. Da künftig bereits Besitz, Konsum, Werbung und jede Form der Verherrlichung strafbar sind, sollen auch private Wohnungen, Lounges und informelle Netzwerke erfasst werden.
Zwischen sozialem Treffpunkt und wirtschaftlichem Faktor
Das harte Vorgehen trifft jedoch auf eine gesellschaftliche Realität. In Mali und vielen anderen westafrikanischen Großstädten hat sich die Shisha insbesondere unter jungen Menschen als fester Bestandteil des städtischen Freizeitlebens etabliert. Sie gilt vielerorts als sozialer Treffpunkt, an dem Freunde gemeinsam Zeit verbringen – häufig in den wenigen erschwinglichen und gemischt besuchten Freizeitlokalen der Hauptstadt Bamako.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors. Nach Angaben von Branchenvertretern gab es vor der Verschärfung rund 200 Shisha-Clubs in Bamako, die etwa 3.000 jungen Menschen ein Einkommen sicherten. Mit der Kriminalisierung des Besitzes gerät nun ein ganzer Bereich der informellen Freizeitwirtschaft unter Druck, ohne dass bislang Umschulungs- oder Unterstützungsprogramme angekündigt wurden.
Gesundheitsrisiken bleiben zentrales Argument
Die Regierung verweist weiterhin vor allem auf gesundheitliche Risiken. Tabak und Rauch einer Shisha enthalten zahlreiche giftige Stoffe und bergen vergleichbare Gefahren wie das Rauchen von Zigaretten, insbesondere für die Lunge. Hinzu kommen Kohlenmonoxid aus der verwendeten Holzkohle sowie ein erhöhtes Risiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten durch gemeinsam genutzte Mundstücke.
Auch Nachbarländer gehen gegen Shishas vor
Mali steht mit seinem Vorgehen nicht allein. Senegal verbot bereits im September 2020 die Einfuhr, den Verkauf und die Nutzung von Shishas. Niger verschärfte seine Maßnahmen zunächst regional und später landesweit. Auch Guinea, Kamerun, Benin, Kenia und Ruanda haben vergleichbare Einschränkungen eingeführt.
Andere Staaten verfolgen dagegen einen weniger strengen Kurs. In Burkina Faso gilt das Verbot vor allem für die Hauptstadt Ouagadougou. In der Côte d’Ivoire konzentriert sich die Gesetzgebung auf das allgemeine Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln, ohne den privaten Konsum ausdrücklich zu untersagen.
Damit gehören die drei Mitgliedstaaten der Allianz der Sahelstaaten (AES) inzwischen zu den Ländern mit den strengsten Shisha-Gesetzen Afrikas. Mali verfolgt dabei den konsequentesten Ansatz und setzt nicht auf Regulierung, sondern auf eine weitgehende Ausrottung des Phänomens.
Ausdruck einer härteren Staatspolitik
Die Verschärfung fügt sich in den politischen Kurs der malischen Übergangsregierung ein, die die Wiederherstellung der staatlichen Autorität zu einem ihrer wichtigsten Ziele erklärt hat. Diese Linie dürfte vor allem bei Familien Zustimmung finden, die den zunehmenden Shisha-Konsum und mögliche Suchtrisiken kritisch sehen.
Ob die deutlich höheren Strafen jedoch tatsächlich zu einem Rückgang des Konsums führen, bleibt offen. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen vielmehr, dass das Verbot die Shisha vor allem aus der Öffentlichkeit verdrängt hat, während sie in privaten und geschlossenen Kreisen weiterhin konsumiert wird. (Quelle: afrik.com)