Nachruf auf meinen Freund Rachid NDIAYE – für mich der beste afrikanische Journalist

Was für eine traurige Nachricht! Es fällt mir so schwer, diese Zeilen zu schreiben, dass ich erst eine Zeitlang dazu brauchte. Über Rachid Ndiaye zu berichten – diesen brillanten Journalisten, den unvergleichlichen und unermüdlichen Chronisten afrikanischer Nachrichten, ist keine leichte Aufgabe.

Rachid war auf dem Gebiet der Reportagen kaum zu übertreffen. Besonders einzigartig war seine Art, die „Exklusivmeldungen“ zu teilen, die er hinter den Kulissen afrikanischer Präsidentenpaläste aufspürte. Dafür besaß er eine außergewöhnliche Begabung.

Der Journalist guineisch-senegalesischer Herkunft – sein verstorbener Vater Edge Ndiaye war Beamter der AOF (Französisch-Westafrika vor den Unabhängigkeiten), seine Mutter Senegalesin – war eine Stimme, eine wandelnde Mediathek. Er faszinierte mehrere Generationen von Journalisten, die ihre Koffer im Herzen der pulsierenden französischen Hauptstadt abstellten. Er bildete sie aus, begleitete sie und stand ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Rachid Ndiaye war schlichtweg eine Institution des panafrikanischen Journalismus.

Als ehemaliger Chefredakteur des Magazins Africa International in Paris war er in den 90-er Jahren mein Kollege, und er war es, der mich 1998 ermutigte, in Deutschland ein Afrika-Magazin zu gründen. Der Titel AFRICA live war seine Idee!

Auch er gründete sein eigenes Afrika-Magazin, Matalana.

Später wurde Rachid zunächst Sonderberater für Kommunikation im Präsidentenpalast Sékoutouréya und anschließend Informationsminister. Als sich seine Beziehungen zu zahlreichen Vertrauten von Präsident Alpha Condé abkühlten, verdankte er seine politische Rückkehr dem inzwischen verstorbenen Albert Bourgi, der sich energisch gegenüber dem Schattenkabinett von Sékoutouréya für ihn einsetzte.

Nur wenige Stunden vor dem Militärputsch vom 5. September 2021 verließ Rachid Ndiaye Conakry mit einem Flug von Air France in Richtung Paris. Als ehemaliger Sonderberater von Guineas Präsident Alpha Condé hat Rachid Ndiaye die internationale Medienlandschaft nachhaltig geprägt. Denn Rachid war ein System, eine Institution, ein geistiges Programm, das die afrikanische Medienwelt für immer prägen wird.

Rachid verstarb am 3. Juni 2026 in Paris. Beerdigt wurde er auf dem Friedhof YOFF in Dakar – dem Heimatland seiner Mutter, die er sehr geliebt hatte. RIP Rachid – ich werde dich und unsere fast 35-jährige Freundschaft sehr vermissen. (Ingrid Aouane)