Sambia: Deutsche Akteure schüren Landknappheit

Mais wird in riesigen Monokulturen angebaut. ©Glavo/Pixabay

Anlässlich des morgigen Tags der Landlosen macht die Menschenrechtsorganisation FIAN auf die problematische Rolle deutscher Investoren beim Kauf riesiger Landflächen in Sambia aufmerksam. FIAN hat in der vergangenen Woche ein Treffen betroffener Gemeinden mit Investoren organisiert.

Zugang zu Land und Wasser sind die alles entscheidenden Faktoren, um sich im ländlichen Sambia ernähren zu können. Das Menschenrecht auf Nahrung wird jedoch vielfach durch industrielle Megafarmen bedroht. Bäuerinnen und Bauern werden von ihrem Land verdrängt und vertrieben. Dabei ernähren die Nahrungsmittel, die Sie auf ihrem Land produzieren, 90 % der sambischen Bevölkerung. „Bäuerliche Betriebe bilden das Rückgrat des sambischen Ernährungssystems“, betont Roman Herre, Agrarreferent von FIAN Deutschland.

FIAN untersucht seit einigen Jahren mehrere riesige Landinvestition und tauscht sich regelmäßig mit der Bevölkerung vor Ort aus. Die Ergebnisse sind erschreckend: Im Distrikt Mpongwe wurden 2018 Familien gewaltsam für den größten Landbesitzer Sambias, die Firma Zambeef, vertrieben. Im Distrikt Mkushi haben arme Familien ihr letztes Stück Land für den Anbau von Nahrungsmitteln verloren; dieses ging an den Investor Agrivision aus dem Steuerparadies Mauritius. Die Firma Amatheon Agri aus Berlin hat im Distrikt Mumbwa eine Fläche etwa so groß wie den Bodensee aufgekauft. Dort wird jetzt vor allem Soja und Mais in riesigen Monokulturen angebaut, in Teilen zusammen mit Toyota aus Japan. Auch nach Europa soll exportiert werden. In den riesigen Agrarbetrieben entsteht nur eine verschwindend kleine Zahl – meist schlecht bezahlter – Arbeitsplätze.

Betroffene in Mumbwa haben FIAN berichtet, dass sie ihr Land verlassen mussten und nach Jahren immer noch nicht entschädigt wurden. Frauen berichten, dass sie nach der Umsiedlung keine Gemüsegärten mehr anlegen können, da es am neuen Ort schlicht keinen Bach gibt. Da auch die Weideflächen schrumpfen, mussten sie Kühe verkaufen. Damit ist neben einem Einkommensverlust auch die Ernährung deutlich schlechter geworden: Gemüse und Milch werden Mangelware.

Mehr noch, in allen drei Fällen fördert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit die Investoren. „Vor 20 Jahren hat sich das Entwicklungsministerium noch für Agrarreformen und Umverteilung von Land an arme Bäuer*innen eingesetzt. Jetzt schürt es mit solchen Förderungen umwelt- und klimaschädliche Monokulturen und Landkonzentration“, unterstreicht Roman Herre. „Mit solchen Mega-Investitionen bilden sich Strukturen, die an unsere feudalen Strukturen im Mittelalter erinnern. Geradezu makaber ist, dass die deutsche Entwicklungshilfe durch die Kreditvergabe an Agrarinvestoren auch noch Kasse macht.“

Investitionen wie von Amatheon, Agrivision oder Zambeef, die eine ganze Region dominieren, widersprechen grundsätzlich einem inklusiven Entwicklungsansatz, bei dem die ländliche Bevölkerung angehört wird und sie die Entwicklung ihrer Gemeinden mitgestaltet. Ganz aktuell – vor einer Woche – hat FIAN ein erstes Treffen zwischen den betroffenen Gemeinden, staatlichen Stellen und dem Investor organisiert. Dort konnten Gemeindevertreter*innen und Arbeiter*innen erstmals in einem offenen Forum gegenüber dem Investor ihre Probleme zur Sprache bringen.

Hintergrund
Der Tag der Landlosen am 17. April geht zurück auf einen Protestmarsch von landlosen Bäuer*innen in Brasilien im Jahr 1996. Der “Marsch für die Agrarreform” wurde von der Polizei brutal beendet. 19 Landarbeiter wurden von Polizisten erschossen, 81 Personen wurden verletzt. Seit diesem Massaker wird der 17. April als “Tag der Landlosen” weltweit begangen und ist ein Tag des ländlichen Widerstandes. (FIAN)