
Nach dem ehemaligen senegalesischen Präsidenten Macky Sall hat auch Uganda offiziell die Kandidatur seines Diplomaten Olara Otunnu für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres eingereicht. Beide gehören nun zu den Bewerbern um die Führung der Vereinten Nationen. Der künftige Generalsekretär wird im Rahmen eines Auswahlverfahrens bestimmt, das vom Sicherheitsrat geleitet wird.
Uganda setzt auf einen erfahrenen UN-Diplomaten
In einer am 26. Juli veröffentlichten Mitteilung gab das ugandische Außenministerium die offizielle Kandidatur von Botschafter Olara Otunnu für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen bekannt. Die ugandische Regierung beschreibt ihren Kandidaten als erfahrenen Diplomaten mit mehr als 40 Jahren Tätigkeit auf höchster Ebene der internationalen Beziehungen. Seine Laufbahn ist eng mit den Vereinten Nationen verbunden. Von 1998 bis 2005 war er Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen und erster Sonderbeauftragter des Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte.
Zuvor vertrat Olara Otunnu sein Land von 1980 bis 1985 bei den Vereinten Nationen. Im Dezember 1981 war er außerdem Präsident des Sicherheitsrats. Während dieser Zeit führte er das geheime indikative Abstimmungsverfahren ein, das als „Otunnu-Formel“ bekannt wurde und bis heute bei der Auswahl des UN-Generalsekretärs Anwendung findet.
Der ugandische Diplomat war zudem Außenminister seines Landes und leitete die International Peace Academy, die später in International Peace Institute umbenannt wurde. Für sein Engagement für Frieden und Menschenrechte erhielt er mehrere internationale Auszeichnungen.
Macky Sall ist nicht mehr der einzige afrikanische Bewerber
Mit dieser Ankündigung gibt es nun zwei offiziell bestätigte afrikanische Kandidaten für die Nachfolge von António Guterres. Der frühere senegalesische Präsident Macky Sall, dessen Kandidatur bereits zuvor bekannt geworden war, erhält damit einen afrikanischen Mitbewerber. Die beiden Kandidaten bringen jedoch sehr unterschiedliche Profile mit. Macky Sall verweist auf seine Erfahrung als Staatspräsident sowie seine Rolle in verschiedenen afrikanischen und internationalen Fragen. Olara Otunnu kann dagegen auf eine jahrzehntelange Karriere innerhalb des UN-Systems verweisen – ein Vorteil, den Kampala angesichts der zahlreichen Krisen, mit denen die Organisation derzeit konfrontiert ist, als besonders wichtig ansieht.
Die beiden Afrikaner treten gegen mehrere weitere internationale Bewerber an. Dazu gehören die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, die frühere ecuadorianische Außenministerin María Fernanda Espinosa, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Rafael Grossi, die Generalsekretärin der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Rebeca Grynspan, sowie die frühere Außenministerin Guyanas, Carolyn Rodrigues-Birkett.
Ein streng geregeltes Auswahlverfahren bei den Vereinten Nationen
Die Amtszeit von António Guterres endet am 31. Dezember 2026. Die Wahl seines Nachfolgers dürfte hart umkämpft werden. Der Sicherheitsrat soll am 30. Juli eine erste geheime indikative Abstimmung durchführen, um die Präferenzen seiner 15 Mitglieder zu ermitteln. Anschließend werden voraussichtlich mehrere Wahlgänge stattfinden, bis ein Kandidat mindestens neun Stimmen erhält und kein Veto eines der fünf ständigen Mitglieder – China, Frankreich, Russland, das Vereinigte Königreich oder die Vereinigten Staaten – gegen ihn eingelegt wird. Anschließend muss der vom Sicherheitsrat vorgeschlagene Kandidat noch offiziell von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bestätigt werden, bevor er Anfang 2027 sein Amt antreten kann.
Eine afrikanische Kandidatur belebt die Debatte über die Vertretung Afrikas
Mit dem Einstieg Olara Otunnus gewinnt Afrika in diesem internationalen Auswahlverfahren zusätzlich an Sichtbarkeit. Zwar ist keineswegs sicher, dass ein Afrikaner zum nächsten Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt wird. Die zwei Kandidaturen aus Afrika zeigen jedoch den Willen der afrikanischen Staaten, ihren Einfluss auf die globale Regierungsführung zu stärken.
Offen bleibt, ob es den afrikanischen Staaten gelingt, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu verständigen, oder ob mehrere Bewerbungen die diplomatische Unterstützung aufteilen werden – zu einem Zeitpunkt, an dem die Großmächte beginnen, über die Nachfolge von António Guterres zu entscheiden. (Quelle: afrik.com)