
Die Vereinigten Staaten stehen kurz vor einer neuen Vereinbarung mit Mali, die es amerikanischen Flugzeugen und Drohnen erlauben würde, wieder Aufklärungsflüge über dem Land durchzuführen. Das berichten aktuelle und ehemalige US-Regierungsvertreter, die mit den Verhandlungen vertraut sind.
Sollte das Abkommen abgeschlossen werden, wäre es ein bedeutender Schritt im Bemühen Washingtons, die Sicherheitskooperation mit Bamako nach Jahren angespannter Beziehungen wieder aufzubauen. Die geplante Vereinbarung würde US-Überwachungsoperationen ermöglichen, die darauf abzielen, dschihadistische Netzwerke zu beobachten, die mit al-Qaida verbunden sind und sich im gesamten Sahel ausgebreitet haben.
Vertreter der US-Regierung erklärten, Washington habe kürzlich einen wichtigen Schritt in Richtung eines solchen Abkommens getan, indem Sanktionen gegen mehrere malische Beamte aufgehoben wurden, darunter auch gegen den Verteidigungsminister des Landes. Diese Sanktionen waren wegen mutmaßlicher Verbindungen zu russischen Söldnern verhängt worden, wurden jedoch im vergangenen Monat aufgehoben – laut Quellen als diplomatische Geste, um die Sicherheitszusammenarbeit wieder anzukurbeln.
Die malische Regierung begrüßte diesen Schritt und erklärte, er könne dazu beitragen, „die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu verbessern“, während gleichzeitig der Respekt vor der nationalen Souveränität gewahrt bleibe.
Für Washington verfolgt die Wiederaufnahme der Aufklärungsflüge mehrere strategische Ziele. Ein unmittelbares Anliegen ist die Suche nach einem amerikanischen Piloten, der im benachbarten Niger entführt wurde, während er für christliche Missionare arbeitete. US-Beamte gehen davon aus, dass der Pilot in Mali von der regionalen Dschihadistengruppe Jama’at Nusrat al-Islam wal-Muslimin (JNIM) festgehalten wird.
Das US-Außenministerium lehnte es ab, sich öffentlich zu den Verhandlungen zu äußern, und auch die malischen Behörden haben auf Anfragen nach weiteren Details bislang nicht reagiert.
Mali, ein Binnenstaat im Sahel und bedeutender Goldproduzent, der etwa doppelt so groß ist wie Frankreich, ist zu einem Brennpunkt der zunehmenden Aufstände in der Region geworden. Bewaffnete Gruppen, die mit al-Qaida und anderen extremistischen Bewegungen verbunden sind, haben ihre Angriffe und Entführungen in weiten Teilen Westafrikas verstärkt.
Strategische Neuausrichtung der US-Sahelpolitik
Nach Angaben der Konfliktbeobachtungsorganisation Armed Conflict Location & Event Data (ACLED) nutzen dschihadistische Gruppen wie JNIM die Entführung ausländischer Staatsbürger als eine wichtige Finanzierungsquelle.
Die diplomatischen Kontakte zwischen Washington und Bamako haben sich in den vergangenen Monaten stillschweigend intensiviert. Der US-Sondergesandte für Afrika, Nick Checker, reiste im vergangenen Monat nach Mali, um Gespräche mit Außenminister Abdoulaye Diop zu führen.
Nach Angaben des US-Außenministeriums sollte der Besuch Washingtons „Wunsch signalisieren, einen neuen Kurs“ in den bilateralen Beziehungen einzuschlagen.
Diop begrüßte die Annäherung und erklärte, die Beziehungen sollten auf gegenseitigem Respekt und Nichteinmischung beruhen.
Der sich wandelnde Ansatz spiegelt breitere Veränderungen in der US-Politik gegenüber der Region wider, nachdem es in mehreren Sahelstaaten zu Militärputschen gekommen ist. Einige Regierungen haben sich von westlichen Partnern distanziert und sich stattdessen Moskau als Sicherheitspartner zugewandt.
Analysten sagen, dass der frühere westliche Druck auf schnelle demokratische Übergänge häufig Spannungen mit lokalen Regierungen verstärkt habe. Catherine Nzuki vom Center for Strategic and International Studies argumentiert, Kritik aus Washington werde in der Region oft als bevormundend wahrgenommen.
Die diplomatischen Folgen wurden 2024 deutlich, als Niger US-Truppen aus einer neu errichteten Drohnenbasis in Agadez auswies, nachdem es zu einem Streit mit amerikanischen Behörden gekommen war. Die mehrere Millionen Dollar teure Anlage sollte Überwachungsoperationen im gesamten Sahel unterstützen.
Eine erneuerte Geheimdienstpartnerschaft mit Mali könnte daher ein entscheidendes Element von Washingtons regionalem Netzwerk zur Terrorismusbekämpfung wiederherstellen – zu einem Zeitpunkt, an dem extremistische Gruppen ihre Reichweite in Westafrika weiter ausdehnen. (Quelle: africa.businessinsider)