
Teamleiter der Christoffel-Blindenmission berichtet aus dem ostkongolesischen Goma: In Goma ist Hilfe ein Kraftakt: Zwischen Krieg und Ebola arbeitet Eustache-Djumapili Vigoureux für die Christoffel-Blindenmission (CBM) unter extremen Bedingungen. Konflikte und wiederkehrende Krankheitsausbrüche prägen den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Cholera, Masern, Mangelernährung und die Folgen der anhaltenden Gewalt bestimmen den Alltag vieler Familien.
Seit Mai 2026 verschärft ein neuer Ebola-Ausbruch die Lage zusätzlich. Anlässlich des Welttags der humanitären Hilfe am 19. August erinnert die CBM an die Menschen, die in Krisengebieten trotz aller Risiken helfen.
„Ein Arbeitstag hier in Goma bedeutet, mit Krieg, Unsicherheit und großer Not umzugehen“, sagt der 31-jährige Eustache, Vater dreier Kinder. Doch er kennt es kaum anders: „Ich bin im Krieg geboren. Ich bin im Krieg aufgewachsen.“
Leben mit Angst und einer Mission
Hilfe ist für den 31-Jährigen deshalb mehr als ein Beruf. „Ich arbeite nicht nur, um zu helfen. Es ist für mich ein ständiger Auftrag“, sagt er. „Ich habe die Verantwortung, etwas beizutragen. Das ist zu einer Mission geworden.“
Wie nah die Krise immer wieder an sein Leben heranrückt, beschreibt Eustache offen. 2025 dachte er sogar daran, wegen des Krieges Goma zu verlassen. „Ich war vier Tage lang mit meiner kleinen Familie im Haus eingeschlossen, weil Goma vier Tage lang bombardiert wurde. Es herrschte Krieg, und es war sehr schlimm. Es gab keinen Strom, kein Internet.“
Trotz dieser Erfahrung blieb er. Mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebt er in Goma. Die Sorge um die Familie gehört für ihn zum Alltag, vor allem wenn die Kinder zur Schule oder in die Kirche gehen.
Kompetenz vor Ort, unterstützt aus Deutschland
Die CBM arbeitet gemeinsam mit lokalen Projektpartnern in der Region. Im Mittelpunkt stehen Präventionsarbeit, Ernährungssicherung, Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung sowie der Schutz und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Eustache erlebt jeden Tag, wie wichtig diese Unterstützung in einer Krisenregion ist. „Ich habe selbst mehrere Epidemien erlebt“, sagt er. „Ich arbeite bei der CBM, die die nötigen Ressourcen hat, und ich leite ein Team, das anderen helfen kann. Deshalb ist es für mich Pflicht und Mission zugleich. Es ist zu einer Leidenschaft geworden.“
Misstrauen erschwert die Hilfe
Doch die Arbeit ist nicht nur wegen der Sicherheitslage schwierig. Auch Vorbehalte in Teilen der Bevölkerung erschweren den Einsatz. „Viele Leute sagen, dass es Ebola gar nicht gibt“, berichtet Eustache. Manche glaubten, die Krankheit sei erfunden, um die arme Bevölkerung auszubeuten. Immer wieder komme es deshalb zu Protesten. An einigen Orten würden sogar Behandlungszentren angegriffen. Damit werde Hilfe selbst zum Risiko und gefährde nicht nur die kranken Menschen, sondern auch die Helferinnen und Helfer.
Gleichzeitig gibt es Hoffnung: Wer frühzeitig medizinische Hilfe erhält, kann überleben. Dass dies möglich ist, zeigen die Genesenen, die die Behandlungszentren wieder verlassen. Für Eustache und viele andere ist das die Hoffnung, die sie weitermachen lässt.
Über die CBM
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit fast 120 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im Jahr 2025 förderte die CBM 385 Projekte in 35 Ländern. Mehr unter www.cbm.de.