Wenn der US-Präsident sich auf eine schutzlose Frau somalischer Herkunft einschießt

Wenn der US-Präsident sich auf eine schutzlose Frau somalischer Herkunft einschießt
Symbolbild

Es gibt Worte, die vor allem denjenigen beschmutzen, der sie ausspricht – mehr als jene, gegen die sie gerichtet sind. Die jüngsten Angriffe Donald Trumps auf Somalia, auf die Somali­erinnen und Somali­er und insbesondere auf die US-Abgeordnete Ilhan Omar gehören eindeutig in diese Kategorie. Sie sind weder Ausrutscher noch vereinzelte Provokationen. Sie folgen einer wohlkalkulierten politischen Strategie: durch Hass regieren, durch Demütigung herrschen, durch die Benennung bequemer Feindbilder politische Existenz sichern. In diesem toxischen Schauspiel ist Ilhan Omar zur idealen Zielscheibe geworden.

Ilhan Omar – eine gewählte Vertreterin des amerikanischen Volkes

Dass ein Präsident der Vereinigten Staaten, der vorgeblich die erste Demokratie der Welt verkörpert, ein ganzes Land als das „schlimmste der Welt“ diffamiert, ihm die staatliche Existenz abspricht und seine Bürgerinnen und Bürger als Menschen mit „niedrigem IQ“ abwertet, offenbart den intellektuellen und moralischen Abgrund, in dem Donald Trump sich eingerichtet hat. Diese Aussagen sind nicht nur rassistisch, sie sind der Würde des Präsidentenamtes schlicht unwürdig. Sie zeugen von Verachtung gegenüber Geschichte, Realität und menschlicher Würde. Vor allem aber verraten sie eine obsessive Fixierung: die eines mächtigen Mannes auf eine Frau, die er weder zum Schweigen bringen noch politisch entmachten kann.

Ilhan Omar ist weder Kriminelle noch Betrügerin noch eine illegitime Fremde. Sie ist eine gewählte Vertreterin des amerikanischen Volkes, vollwertige Staatsbürgerin, Mitglied des Kongresses – gewählt von amerikanischen Wählerinnen und Wählern in einem amerikanischen Bundesstaat. Sie auf ihre Herkunft zu reduzieren, sie zu beleidigen und ihr zu befehlen, sie solle „nach Somalia zurückkehren“, bedeutet nicht nur einen Angriff auf eine Frau, sondern auch einen Angriff auf das grundlegende Prinzip der Staatsbürgerschaft. Trump greift nicht bloß eine Abgeordnete an – er greift die Vorstellung an, dass Amerika mehr sein könnte als ein exklusiver Club für jene, die ihm ähneln.

Der mächtigste Mann der Welt gegen eine Abgeordnete, die sich mit Worten verteidigt

Diese präsidiale Hetze hat nichts mit politischem Streit zu tun. Sie ist eine persönliche Vendetta, gespeist aus Sexismus, Islamfeindlichkeit und Rassismus. Frau, Muslimin, Schwarz, Migrantin, progressiv – Ilhan Omar vereint alles, was Trump verachtet. Er argumentiert nicht, er beschimpft. Er widerlegt nicht, er entmenschlicht. Er führt nicht, er verfolgt verbal. Die Asymmetrie ist offenkundig: auf der einen Seite der mächtigste Mann der Welt, auf der anderen eine Abgeordnete, die sich mit Worten, Prinzipien und dem Recht verteidigt. Und dennoch inszeniert sich Trump als Opfer.

Diese Rhetorik bleibt nicht folgenlos. Indem Trump Ilhan Omar gezielt angreift, sendet er eine unmissverständliche Botschaft an Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner: Manche von ihnen werden niemals vollständig dazugehören dürfen. Indem er die Somali­erinnen und Somali­er stigmatisiert, legitimiert er Diskriminierung, befördert symbolische wie reale Gewalt und vertieft die Spaltung einer ohnehin stark polarisierten Gesellschaft. Die Worte eines Präsidenten verhallen nicht – sie treffen. Und sie treffen ganze Gemeinschaften.

Eine mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbare Weltsicht

Die Heuchelei erreicht ihren Höhepunkt, wenn die Trump-Administration Somalia jede staatliche Legitimität abspricht und gleichzeitig die Luftangriffe auf dessen Territorium intensiviert. Wie lässt sich ein Land bombardieren, dessen Existenz man angeblich nicht anerkennt? Wie lässt sich eine Bevölkerung entmenschlichen und zugleich vorgeben, zu ihrer Sicherheit zu handeln? Dieser Widerspruch entlarvt eine kaum verhüllte koloniale Logik: Somalia existiert nur dann, wenn es als Schlachtfeld dient.

Mit der Aufhebung des Schutzstatus für somalische Migrantinnen und Migranten und der Ankündigung, die Einwanderung aus der sogenannten „Dritten Welt“ aussetzen zu wollen, recycelt Trump eine alte Rhetorik der Ausgrenzung – historisch erprobt und historisch tödlich. Von menschlichem „Abfall“ zu sprechen ist keine sprachliche Entgleisung, sondern Ausdruck einer Weltsicht. Und diese Weltsicht ist mit jeder Vorstellung von Demokratie, Menschenrechten und moralischer Verantwortung unvereinbar.

Demütigung als politisches Überlebensprinzip

Angesichts dieser institutionalisierten verbalen Gewalt wird Ilhan Omar zum Symbol. Nicht für eine imaginierte „extreme Linke“, wie Trump behauptet, sondern für ein vielfältiges, mutiges, widersprüchliches und widerstandsfähiges Amerika. Ein Amerika, das sich weigert, angesichts von Einschüchterung zu schweigen. Ein Amerika, das daran erinnert, dass man nicht regiert, indem man die Schwächsten erniedrigt.

Die Geschichte wird über eine Präsidentschaft, die Brutalität mit Autorität und Beleidigung mit Führung verwechselt, ein hartes Urteil fällen. Indem Donald Trump eine Frau mit der gesamten Macht des Präsidentenapparates angreift, offenbart er weniger die Schwäche seiner Gegnerin als seine eigene. Denn politisch muss sehr fragil sein, wer demütigen muss, um zu existieren. (Quelle: afrik.com)